Piraten und Papageien

Nahaufnahme eines roten Aras

Piraten

Piraten und Papageien

Die Freundschaft zwischen Piraten und Papageien: Ist sie historisch belegt oder frei erfunden?

Nicht erst seit der Veröffentlichung des Abenteuerromans "Die Schatzinsel" im Jahr 1883 werden Seeleute gern mit Papageien in Verbindung gebracht: Der treue Begleiter von Robert L. Stevensons Piratenfigur John Silver ist der 200 Jahre alte Papagei Captain Flint.

John Silver hält das Tier in seiner Kombüse auf dem Schiff Hispaniola, und es soll schon Madagaskar, Malabar und Surinam gesehen haben. Ein anderes Beispiel: In Pippi-Langstrumpf-Filmen weicht die Papageien-Dame Rosalinde nicht von Kapitän Efraim Langstrumpfs Seite.

Plappernde Papageien sind ein beliebtes Motiv, wenn es um Piraten in Film und Literatur geht. Der Zusammenhang ist aber keineswegs frei erfunden: In der Tat brachten Seeleute Vögel und andere exotische Tiere von ihren Reisen in tropische Länder als Andenken mit. Besonders beliebt waren Loros, Aras und Kakadus aus der Familie der Papageien.

"Sie waren schön bunt, lernten sprechen und waren an Bord eines Schiffes leichter zu halten als Affen oder andere wilde Tiere", erklärt der britische Historiker David Cordingly die Affinität der Seeleute zu den Papageien. Sie waren aber nicht nur deren Maskottchen. Sie brachten den Matrosen auch gutes Geld ein: Insbesondere im Goldenen Zeitalter der Piraterie, zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert, blühte in Europa der Handel mit exotischen Vögeln, und Papageien erzielten hohe Preise.

Die Vorliebe der Piraten für diese bunt gefiederten Vögel mit ihrer Zutraulichkeit und ihrer Begabung menschliche Laute nachzuahmen, blieb nicht ohne Folgen: Der über Jahrhunderte andauernde blühende Handel mit exotischen Vögeln hat dazu beigetragen, dass heute von den rund 330 Papageienarten mehr als 90 als gefährdet oder vom Aussterben bedroht gelten.

Die Neue Zürcher Zeitung konstatierte schon vor mehr als zehn Jahren: "Kaum eine andere Vogelgruppe weist einen derart hohen Anteil an bedrohten Arten auf." Heute ist der internationale Handel mit Papageien, wie überhaupt mit exotischen Tieren und Pflanzen, durch das "Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten" beschränkt oder ganz verboten. Dennoch werden immer wieder von den europäischen Zollbehörden Schmuggler mit lebenden Tieren oder Papageien-Eiern im Gepäck erwischt.

Autorin: Natalie Muntermann

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Stand: 12.08.2016, 13:00

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