Methoden zur Erkennung von Fälschungen

Eine Frau schaut sich mit ener Lupe ein Detail eines Gemäldes an

Tatort Kunst

Methoden zur Erkennung von Fälschungen

Von Sabine Kaufmann

Was dem einen sein Jaguar vor der Tür, ist dem anderen sein Picasso an der Wand. Der Wunsch, sich mit großen Namen zu schmücken, lässt den Kunstmarkt boomen. Doch die Nachfrage ist oft größer als das Angebot. Folge: Der Fälschungsanteil aller zum Verkauf angebotenen Kunstwerke liegt bei rund 40 Prozent, der von Druckgrafiken wird sogar auf 60 bis 70 Prozent geschätzt. Ist der Kunst da noch zu trauen? Angesichts gefälschter Gutachten und zunehmender Perfektionierung auf Seiten der Kunstfälscher können häufig nur noch aufwendige naturwissenschaftlich-technische Methoden in letzter Instanz über echt oder falsch entscheiden.

Hinters Licht geführt – Durchstrahlungstechniken

Licht und Lupe sind einfache Hilfsmittel, um ins Innere eines Objekts zu sehen, ohne es beschädigen zu müssen. Dafür werden die zu untersuchenden Gegenstände mit Strahlen unterschiedlicher Wellenlänge bestrahlt: mit sichtbarem, ultraviolettem oder infrarotem Licht und unter Einsatz von Röntgen-, Gamma- oder Kernstrahlen beziehungsweise neu entwickelter autoradiographischer Verfahren.

Bei einer Untersuchung in "normalem", das heißt sichtbarem Licht wird die Oberflächenstruktur eines Gemäldes deutlich, denn das parallel zur Bildoberfläche auftreffende Licht (sogenanntes Streiflicht) sorgt für Schattenwürfe – eine einfache Methode, um zum Beispiel eine gedruckte Farbgrafik von einem pastos gemalten Ölbild (dicker, reliefartiger Farbauftrag) unterscheiden zu können.

Gemäldeuntersuchung mit Infrarotkamera.

Echt oder Fälschung? - Gemälde mit Infrarotlicht unter die Lupe nehmen

Wesentlich interessanter ist der Einsatz von UV-Licht (= Schwarzlicht). Damit beschienene Materialien nehmen die für das menschliche Auge unsichtbare Strahlung auf und geben sie teilweise in anderer Form wieder ab, nämlich als sichtbares Licht.

In welcher Farbe ein Gegenstand dabei fluoresziert, hängt von seiner jeweiligen Beschaffenheit ab und ist typisch für die Zusammensetzung des Materials: Eine antike Marmor-Skulptur leuchtet im UV-Licht eher gelb-grün, eine frisch gehauene dagegen violett.

Noch weiter in die Tiefe gehende Einblicke erlaubt die Untersuchung von Gegenständen mit dem langwelligen Infrarotlicht. Da unterschiedliche Materialien ein bestimmtes Licht unterschiedlich reflektieren oder absorbieren, können je nach Wellenlänge unterschiedliche Tiefen eines Gegenstandes sichtbar gemacht werden.

Unter einer dünnen Malschicht eines Gemäldes können so beispielsweise Vorzeichnungen oder Raster zum Vorschein kommen, mit deren Hilfe der Fälscher ein bekanntes Sujet vergrößert hat oder aber frühere Künstlersignaturen, die im Zuge einer Fälschung übermalt wurden – mit dem Ziel, der Kunstwelt ein neues, gewinnträchtigeres Sujet auf einem authentischen Bildträger anbieten zu können.

Wichtige Informationen zu Herstellungstechnik, Herkunft, Alter und innerem Aufbau von Kunstwerken liefert auch die Anwendung von Röntgenstrahlen. Durch die früher gängige Verwendung von Bleiweiß kann mithilfe der Röntgenstrahlen vor allem das plastisch-räumliche Gefüge eines Bildes aufgezeigt werden, das meist aussagekräftiger ist als dessen Linien- oder Flächenkomposition und zumeist auch die Maltechnik eines bestimmten Malers verrät.

Besonders bei Skulpturen wird der Blick ins Innere interessant: Wenn die Röntgenaufnahmen zum Beispiel Unregelmäßigkeiten in der Holzmaserung und damit frühere Restaurierungen verraten oder in einer vermeintlich gotischen Madonna industriell gefertigte Nägel aus dem 19. Jahrhundert erkennen lassen.

Untersuchung eines Gemäldes mit einer Röntgenfluoreszenz-Pistole.

Fälschungen erkennen mithilfe von Röntgenstrahlen

Wenn die Chemie nicht stimmt – chemisch-analytische Prüfverfahren

Ein weiterer Schritt bei der Untersuchung von Gemälden ist die Materialanalyse. Selbst winzigste Proben reichen aus, um beispielsweise Farben oder Textilfasern auf ihre Herkunft und Zusammensetzung zu überprüfen. Dabei ist das gängige Verfahren das, Substanzen nachzuweisen, die es zur angeblichen Entstehungszeit des Bildes noch gar nicht gab.

So förderte die Untersuchung von Farbpigmenten aus einem angeblichen Rembrandt-Selbstbildnis von 1634 zutage, dass hier Cadmiumgelb verwendet wurde, das in der Malerei aber erst seit 1830 bekannt ist.

Ähnliches gilt für synthetische Farbstoffe wie Preußischblau und Zinkweiß, die erst auf Bildern des 18. Jahrhundert nachzuweisen sind, sowie für Metalloxide und -karbonate wie Chromoxidhydratgrün und Kobaltblau, die erst seit dem 19. Jahrhundert Anwendung fanden.

Durch Vergleichsproben und die Untersuchung von Spurenelementen ist sogar die Herkunftsbestimmung von Pigmenten möglich: So hat etwa das niederländische Bleiweiß – das klassische weiße Pigment in der Malerei bis 1800 – einen deutlich höheren Anteil an Silber und Antimon als das italienische. Ein wichtiges Verfahren, um zum Beispiel Provenienzangaben von Bildern auf ihre Echtheit überprüfen zu können.

Ein Regal mit Flaschen voller Farbpigmente

Farbpigmente können Auskunft über das Alter des Bildes geben

Auf die Probe gestellt – die Analyse von Holz

Ob Bildträger, Möbel, Figuren oder Musikinstrumente – bei Holzobjekten ist die Analyse wesentlich schwieriger. Vor allem, wenn es darum geht, neuzeitliche Fälschungen aufzudecken, die altes Holz verarbeitet haben. Hier greift die Spektrographie, die in der Industrie seit langem zwar bekannt, aber in ihrer Anwendung zur Altersbestimmung von Holzobjekten relativ neu ist.

Dafür wird einer Skulptur eine Holzprobe entnommen und in ein Spektrometer gelegt, das die Holzmoleküle mit Infrarotstrahlen durchleuchtet. Je nach absorbierter Energie des Strahles durch die Holzmoleküle ergibt sich auf dem Bildschirm eine für Holzart und Alter typische Schwingungskurve.

Die hier sichtbaren Tiefen und Spitzen zeigen die Absorptionsfrequenzen dieser Holzmoleküle und damit die chemischen Veränderungen, die das Holz im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat. Denn: Der Zerfall des Holzes nach dem Fällen des Baumes verändert das ursprüngliche Kurvenbild, und zwar in den äußeren Holzschichten anders als in den inneren.

Während sich nämlich das Innere des Holzes nur langsam verändert, degeneriert die Außenhaut durch Witterungseinflüsse und Bakterien relativ schnell.

Vergleicht man nun die Spektren dieser beiden Schichten, zeigen sich zwei unterschiedliche Kurven, wodurch sich erkennen lässt, ob altes Holz für Fälscherzwecke verwendet wurde oder nicht: Hat der Fälscher altes Holz verwendet, hat er durch den Schnitzvorgang die äußere "degenerierte" Schicht abgetragen; übrig bleibt ein Holzkörper, der in allen Schichten eine ähnliche Schwingungskurve zeigt.

Durch den Vergleich von Holzproben mit exakt datierten Holzmustern ist – meist als Nebeneffekt – auch eine absolute Datierung möglich.

Ägyptische Holzfigur einer Sklavin beim Kornmahlen, etwa 2000 - 1750 vor Christus.

4000 Jahre alte Skulptur aus Ägypten

Auf den ersten Blick – Stilanalyse

Trotz moderner Technik sollte man auch dem eigenen Auge trauen, wenn es darum geht, eine Fälschung zu enttarnen. Eine leitende Frage ist dabei, ob das Dargestellte stilistisch im Geist der Zeit gehalten ist und vor allem, ob der dargestellte Gegenstand seiner Zeit bekannt war?

So wurden beispielsweise die 1940 bei Restaurierungsarbeiten im Schleswiger Dom entdeckten mittelalterlichen Truthahn-Friese für echt erklärt – wider besseres Wissen, denn eigentlich wusste man, dass die Vögel erst mit der Entdeckung Amerikas nach Europa gebracht wurden. Stattdessen dienten die Truthähne nun als indirekter Beweis für die Entdeckung Amerikas durch die Wikinger lange vor Kolumbus – für die NS-Presse ein gefundenes Fressen.

Erst 1952 erfuhr der Fall seine Aufklärung, nämlich durch die Selbstanzeige des Lübecker Malers Lothar Malskat. Er hatte einen bereits 1890 in mittelalterlicher Manier gemalten Fries erneuert und – indem er ihn direkt auf den echten mittelalterlichen Putz malte – bewusst zu einer Fälschung erhoben.

Schwarzweiß-Foto von Lothar Malskat

Lothar Malskat fälschte die Truthahn-Friese im Schleswiger Dom

Trotz Wissenschaft und Kennertum, ein Problem bleibt: Können bei einem Kunstwerk keine Fälschungsmerkmale festgestellt werden, so ist das noch lange kein Beweis für seine Echtheit. Vor allem, wenn die Entstehung der Fälschung zeitlich mit der des nachgeahmten Originals zusammenfällt, ist eine Unterscheidung von "echt" oder "falsch" häufig sehr schwer.

Stand: 04.02.2020, 10:55

Darstellung: