Das Bild zeigt eine Landkarte des amerikanischen Kontinents

Neuzeit

Kolumbus und die Eroberung Amerikas

Christoph Kolumbus wollte einen Seeweg nach Asien finden und erreichte statt dessen 1492 Amerika. Bei seiner vermeintlichen Entdeckung stieß er auf eine andere Welt – und zugleich eine neue Zeit an: Die Europäer eroberten Amerika und brachten dabei Millionen Menschen unermessliches Leid.

Von Katharina von Ruschkowski

Land in Sicht!

12. Oktober 1492, später Abend: Tintenschwarz umgibt der Atlantik das Segelschiff "Santa Maria". "Die Küste ist nicht weit", erzählt Christoph Kolumbus seinen ungeduldigen Männern an Bord, seit Wochen schon. Eigentlich ist er aufgebrochen, um einen Seeweg nach Indien und China zu finden. Doch bislang ist da ist nichts als Meer und Enttäuschung.

Und die Vorräte sind fast aufgebraucht. Die Männer an Bord sind außer sich vor Wut. Doch aufgeben und umkehren kommt für den ehrgeizigen Kolumbus nicht in Frage. Er ist im Auftrag der spanischen Königin unterwegs und hat ihr Erfolg, Gold und Gewürze versprochen. Also weiter, in die dunkle Nacht hinein.

Dann, um zwei Uhr nachts, erschallt plötzlich ein Kanonenschuss von dem voransegelnden Boot – so schildert es Kolumbus selbst in seinem Bordbuch. Land! Als der Morgen dämmert, betritt Kolumbus endlich wieder festen Boden. Bis zu seinem Tod wird er überzeugt sein, den Weg nach Indien entdeckt zu haben. Dabei ist er an einem anderen Kontinent gelandet, der den westlichen Seeweg nach Asien versperrt: Amerika.

Kolumbus und seine Seeleute vor der Küste eines Landes

Endlich Land in Sicht

Andere waren schon vor ihm da

In den folgenden Jahrhunderten wird Kolumbus als "Entdecker" gefeiert werden und seine Fahrt als "Entdeckung Amerikas" bezeichnet. Doch das ist ein doppelt falscher Begriff. Denn erstens kann man schon zu Kolumbus' Zeiten allenfalls von einer "Wiederentdeckung" sprechen – schließlich sind die Wikinger bereits 500 Jahre vorher in Nordamerika gelandet.

Und zweitens erreicht er einen Kontinent, der seit Jahrtausenden besiedelt und damit natürlich auch bereits entdeckt ist – nur eben noch nicht von den Europäern. Diese beginnen nach Kolumbus' Fahrt damit, Amerika für sich zu erobern. Bereits nach kurzer Zeit fallen Horden europäischer Abenteurer, Siedler und Soldaten plündernd über das Land und seine Einwohner her.

Gemälde: Kolumbus im Krieg mit Ureinwohnern

Kolumbus ging gegen die Ureinwohner äußerst brutal vor

Nun aber, am Morgen des 12. Oktober 1492, ist alles noch ganz friedlich. Die Ureinwohner, die Kolumbus "Indianer" nennt, nähern sich den Neuankömmlingen und beschenken sie sogar mit Papageienfedern und Baumwollknäueln. Sie halten die Weißen für Abgesandte des Himmels, schreibt Kolumbus nieder.

Kolumbus ist berauscht vom Entdeckerglück. In den Tagen darauf fährt er weiter und landet auf Kuba. Auf der heutigen Insel Haiti, die Kolumbus "Hispaniola" nennt, gründet er eine spanische Kolonie. Mit Kisten voller Gold und Gewürzen kehrt er nach Spanien zurück. Selbst das Königspaar erhebt sich dort vor ihm – eine große Ehre.

Wer war Kolumbus?

Christoph Kolumbus ist endlich der Mann, der er immer sein wollte: ein seefahrerisches Genie, das eine Tat vollbracht habe, die "keine ihresgleichen finden möge" – wie er später anmaßend über sich selbst schreibt.

Aber ist er tatsächlich so toll? Klar ist: Nicht nur seine Fahrten werfen viele Fragen auf, sondern auch seine Lebensgeschichte.

Selbst das Geburtsjahr lässt sich nur schätzen. Wahrscheinlich kommt er unter dem Namen Cristoforo Colombo 1451 in der Republik Genua zur Welt, im heutigen Italien. Als Junge sieht Cristoforo die mächtigen Schiffe im Hafen schaukeln, in denen märchenhafte Güter aus Fernost lagern: Zucker, Seide, Gold.

Kolumbus, Sohn eines Wollwebers, schlägt sich anfangs mit verschiedenen Arbeiten auf Schiffen durch. So schildert es später sein Sohn Fernando in der Biografie "Historia del Almirante" (Geschichte des Admirals) über das Leben seines Vaters. Dann heuert Kolumbus bei Kaufleuten in Lissabon an und erweitert er in den folgenden Jahren seinen Horizont enorm – indem er bis an die Grenzen der damals bekannten Welt segelt, vermutlich bis an die Kanaren. Und er liest, was wohl dahinter liegen könnte. Er studiert Karten, Erzählungen, Reiseberichte. Vor allem die Beschreibungen des Asien-Reisenden Marco Polo befeuern seine Träume: Er will nun unbedingt einen neuen Weg nach Asien, nach Indien finden.

1484 stellt er seinen Plan beim portugiesischen König und später auch in Spanien vor – und erhält eine Abfuhr nach der anderen. Gelehrte finden in der Reiseroute des "verrückten Italieners", wie sie ihn nennen, gewaltige Rechenfehler.

Das Bild zeigt den jungen Christoph Kolumbus

Ein junger Mann mit großen Träumen: Kolumbus

Im Auftrag des spanischen Königs

Doch im Frühjahr 1492 ändert der spanische König seine Meinung. Der Erzfeind Portugal hat sich Goldvorkommen in Afrika gesichert, und so will Spanien unbedingt in Asien Reichtümer finden. Kolumbus' Plan, dorthin zu segeln, ist für die Krone plötzlich verlockend. Die Könige versprechen ihm Adelsränge und ein kleines Vermögen und fordern von ihm "Entdeckungen und Eroberungen im Osten". Kolumbus ist einverstanden. 

Vertrag von Santa Fe wird geschlossen (am 17.04.1492)

WDR ZeitZeichen 17.04.2017 13:34 Min. Verfügbar bis 15.04.2097 WDR 5


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Im August 1492 segelt er von der Hafenstadt Palos aus mit drei Schiffen auf den Atlantik hinaus. Die Segelschiffe kommen gut voran, doch mehr als einen Monat lang kommt keine Küste in Sicht. Vermutlich sind nie zuvor Europäer so weit auf den Ozean hinausgefahren – die Wikinger setzten lediglich von Grönland nach Neufundland über.

Am Morgen jenes 12. Oktober 1492 erreichen sie tatsächlich eine Insel. Kolumbus nennt sie später San Salvador und nimmt sie als erste von vielen für die spanische Krone in Besitz.

Kolumbus' unrühmliches Ende

Doch die Geschichte geht nicht gut aus: nicht für Kolumbus und noch viel weniger für die Völker, die er "entdeckt". Dreimal noch wird er Richtung Westen segeln. Mit immer mehr Männern und immer brutaleren Mitteln erobert er die Inseln, die er starrsinnig für den Osten Asiens hält.

Die Ureinwohnerinnen und Ureinwohner, die in den Weißen einst Freunde sahen, sterben zu Hunderttausenden durch die Waffen, die Bluthunde und die Krankheiten der Europäer. Am Ende wird nur ein Bruchteil der 50 Millionen Ureinwohner Lateinamerikas die 300-jährige spanische Herrschaft überleben, die 1492 beginnt.

Trotz aller Kämpfe finden die Spanier keine Schätze, kein Gold, keine Edelsteine. Zudem ist das Leben in der Ferne beschwerlich. Unter den Spaniern, die auf dem amerikanischen Kontinent Siedlungen gründen, bricht Unruhe aus; Kolumbus geht auch gegen sie mit Gewalt und Härte vor. Als man am Königshof davon hört, wird er in Ketten gelegt und nach Europa verfrachtet.

Inzwischen vermuten viele Wissenschaftler längst, dass hinter dem Atlantik etwas Neues liegen muss – nicht Asien, sondern eine "Neue Welt". Nur einer will davon nichts wissen: Kolumbus. Er rechtfertigt sich und beschimpft die Zweifler.

Am 19. Mai 1506 stirbt er verbittert und fast vergessen. Der Kontinent, den er 1492 betrat, wird kurz nach seinem Tod auf den Namen "Amerika" getauft – zu Ehren eines anderen Entdeckers.

(Erstveröffentlichung 2006. Letzte Aktualisierung 10.06.2022)

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Quelle: WDR

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