Taxi-Schild mit der Aufschrift "Whites only".

Geschichte Südafrikas

Apartheid

Lange Zeit herrschte in Südafrika ein System von Ungerechtigkeit und Unterdrückung: die Apartheid. Heute ist das Land auf dem besten Weg, eine attraktive Multikulti-Gesellschaft zu werden.

Von Wolfgang Neumann-Bechstein

Skrupellose Ausbeutung

Eigentlich ist "Apartheid" ein harmloses Wort aus der Sprache Afrikaans und steht für Gesondertheit beziehungsweise Trennung. Es hat aber als Begriff einer Jahrzehnte dauernden strikten Rassentrennung in Südafrika seine Unschuld verloren. Apartheid steht für die systematische Unterdrückung einer nicht weißen Bevölkerungsmehrheit von rund 41 Millionen Menschen durch vier Millionen Weiße.

Immer zahlreicher wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts die diskriminierenden Gesetze, die dazu führten, dass eine weiße Minderheit skrupellos eine schwarze Mehrheit unterdrücken und ausbeuten konnte.

Erst nach langen Jahren des Protestes und Widerstandskampfes zeichnete sich in den 1980er-Jahren eine Wende ab. Weiße und Schwarze bekämpften sich nicht mehr ausschließlich, sondern es fanden zunehmend Gespräche statt, um ein neues Südafrika aufzubauen.

Der Weg zwischen Krieg und Frieden, auf dem sich Südafrika bewegte, war schmal, aber es geschah das südafrikanische Wunder: Ein friedlicher Wandel fand statt. Nelson Mandela war der charismatische schwarze Führer, der das Land in eine neue Epoche führte. 1994 wurde er der erste schwarze Staatspräsident Südafrikas.

Eine Bushaltestelle in Südafrika zu Zeiten des Apartheid-Regimes. Auf dem Schild steht "Bus Stop for Non-Whites"

Auch an Bushaltestellen wurde strikt zwischen Rassen getrennt

Anfänge der politischen Rassentrennung

Mit der Apartheid ist die Politik der konsequenten Rassentrennung gemeint, die bereits 1910 durch erste Gesetzgebungsmaßnahmen in der damals neu gegründeten Südafrikanischen Union begann. So wurden Schwarze mit dem "Mines and Works Act" 1911 verpflichtet, nur niedrige Arbeiten zu verrichten. Mit dem "Native Land Act" von 1913 wurden Siedlungsgebiete nur für Schwarze ausgewiesen. Zugleich wurde ihnen verboten, außerhalb dieser Gebiete Land zu erwerben.

Ihren Höhepunkt erreichte die Apartheid nach dem Zweiten Weltkrieg, angeheizt durch zahlreiche Streiks schwarzer Minenarbeiter. Schwarze Radikale gründeten 1944 den Widerstandsverband "ANC Youth League", eine Jugendorganisation des "African National Congress ANC". "Afrika ist das Land der Schwarzen", lautete ihr Motto. Gründungsväter waren unter anderem Nelson Mandela, Oliver Tambo und Walter Sisulu.

Nelson Mandela, südafr. Politiker (Geburtstag 18.07.1918)

WDR ZeitZeichen 18.07.2018 14:54 Min. Verfügbar bis 15.07.2028 WDR 5


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Weiße Nationalisten schürten im Gegenzug die Angst vor einer "swart gevaar", einer schwarzen Gefahr, und schwangen sich zu Führern des angeblich bedrohten Südafrikas auf. 1948 gewann die rassistische Partei Nationale Partei (NP) mit dieser Politik die Wahlen und verwandelte Südafrika endgültig in einen weißen Unrechtsstaat.

Ausschnitt eines Stacheldrahtzaunes, dahinter ein Kind in einem Flüchtlingslager

Rassentrennung mit allen Mitteln

Isolierung der schwarzen Bevölkerung

Ab 1948 wurde das gesamte öffentliche Leben von einer strikten Rassentrennung gekennzeichnet, deren Einhaltung mit massiver Polizeigewalt durchgesetzt wurde. Ziel war es, die Rechte und Privilegien der weißen Minderheit zu schützen und zugleich billige schwarze Arbeitskräfte verfügbar zu haben.

Die Gründung sogenannter Homelands (formell unabhängige Stammesgebiete der Schwarzen) wie Transkei, Ciskei, Venda und KwaZulu sollte die Rassentrennung perfektionieren. Mit diesen Riesenghettos, in denen ausschließlich Schwarze leben durften, versuchte sich die südafrikanische Regierung vollständig der politischen, ökonomischen und sozialen Verantwortung zu entziehen.

Schülerunruhen in Soweto

Jede Opposition gegen die Apartheidpolitik galt als kriminelles Delikt und der südafrikanische Staat griff hart gegen jeglichen Widerstand durch.

Am 16. Juni 1976 kam es zur Eskalation. Schwarze Schulkinder in Soweto, einem Township südwestlich von Johannesburg, protestierten friedlich gegen die Einführung von Afrikaans statt Englisch als Unterrichtssprache. Die Polizei feuerte auf die Kinder. Bei dem Massaker starben 600 Menschen, ein Viertel von ihnen waren Kinder. Die Bilder sterbender Jugendlicher gingen um die Welt.

Die Vorfälle von Soweto erregten weltweit Empörung und in Südafrika eskalierte der Widerstand gegen die Apartheid zum offenen Bürgerkrieg. International wurde Südafrika durch UN-Sanktionen geächtet und isoliert, was im Laufe der Jahrzehnte die Kompromissbereitschaft der weißen Minderheit für allgemeine demokratische Wahlen begünstigte.

Weißer Polizist zieht schwarzen Mann über den Boden

Die Polizei ging äußerst brutal gegen die schwarze Bevölkerung vor

Das Ende der weißen Herrschaft

Im Lauf der 1980er-Jahre geriet die südafrikanische Regierung stärker unter innen- und außenpolitischen Druck. Das Ende der Apartheid war nicht mehr aufzuhalten. Die Reformen des neuen Präsidenten Pieter Willem Botha, der nach den Vorfällen von Soweto die Macht übernommen hatte und bis 1989 regierte, reichten aber nicht allzu weit.

Der charismatische Führer der Schwarzen, Nelson Mandela, war Mitte der 1980er-Jahre bereits seit mehr als 20 Jahren in Haft. Weltweit forderten Menschen seine Freilassung. Anfang der 1990er-Jahre musste die weiße Regierung dem internationalen Druck nachgeben. Mandela kam frei und übernahm sofort eine führende politische Rolle.

Als sich 1992 die weiße Minderheitsregierung unter dem weißen Ministerpräsidenten Frederik Willem de Klerk mit einem Reformprogramm durchsetzte, war die Regierungsbeteiligung der schwarzen Mehrheit nicht mehr zu stoppen.

Ende der Apartheid: Südafrikas langer Weg zur inneren Einheit

WDR Zeitzeichen 27.04.2024 14:41 Min. Verfügbar bis 28.04.2099 WDR 5


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Nach ersten freien Wahlen aller Südafrikaner wurde Nelson Mandela am 10. Mai 1994 für fünf Jahre erster schwarzer Ministerpräsident Südafrikas. Offiziell endete zwar das Apartheidsregime 1994, an den gravierenden sozialen und gesellschaftlichen Folgen werden jedoch noch viele südafrikanische Regierungen zu tragen haben.

Mandela hebt die Hand zum Amtseid

1994 wurde Nelson Mandela der erste schwarze Ministerpräsident Südafrikas

Quelle: SWR | Stand: 22.06.2020, 14:30 Uhr

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