Walter Gropius

Porträtfoto von Walter Gropius.

Bauhaus

Walter Gropius

Von Tobias Aufmkolk

Schon vor dem Ersten Weltkrieg machte er sich einen Namen als Architekt: Walter Gropius revolutionierte in den 1920er Jahren die Herangehensweise an Kunst und Architektur. Als Begründer des Bauhauses gilt er als Pionier der modernen Bauart.

In die Wiege gelegt

Schon früh kommt der 1883 in Berlin geborene Walter Gropius mit der Architektur in Berührung. Sein Vater Walther ist Geheimer Baurat im Deutschen Reich und sein Großonkel Martin Gropius ist einer der bekanntesten deutschen Architekten des 19. Jahrhunderts. Nicht von ungefähr nimmt der 20-Jährige 1903 das Studium der Architektur in München auf, das er 1905 für zwei weitere Jahre in Berlin fortführt.

Nach seinem Studium tritt er in das Büro von Peter Behrens ein, der als Begründer der modernen, sachlichen Industriearchitektur gilt. Nicht nur Gropius lernt bei Behrens, auch andere, später berühmt gewordene Architekten wie Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe arbeiten in dessen Büro.

Drei Jahre später macht sich Gropius als Industriedesigner und Architekt selbständig. Bereits sein erster großer Auftrag, der Bau des Fagus-Werks 1911 in Alfeld an der Leine, macht ihn zum Wegbereiter der modernen Architektur in Deutschland.

Durch die neuartige Verwendung von Materialien wie Stahl und Glas und durch seine einfache, puristische Form wird dieser Bau richtungsweisend für die spätere Bauhaus-Architektur.

Blick auf die Glasfront des Fagus-Werkes in Alfeld.

Das Fagus-Werk war eine Revolution

1914 präsentiert Gropius auf der Werkbund-Ausstellung in Köln eine Musterfabrik, deren rundum verglaste Treppentürme in den 1920er Jahren häufig kopiert und als Stilmittel eingesetzt werden.

Der Erste Weltkrieg unterbricht die Arbeit von Gropius für vier Jahre. Direkt nach dem Krieg engagiert er sich in verschiedenen Gruppierungen für eine völlige Neugestaltung der architektonischen Grundsätze, bis er 1919 die wohl bedeutendste Station seiner Karriere antritt.

Die Umsetzung einer Idee

Die geistige Nähe und Freundschaft zu dem bekannten belgischen Architekten Henry van de Velde verhilft Gropius zur Berufung als Direktor der "Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Künste" in Weimar. Er macht sich sofort daran, seine theoretischen Überlegungen zur Neuorientierung der Architektur in die Praxis umzusetzen.

Gropius stellt einen vollständig neuen Lehrplan auf und benennt die Schule in "Staatliches Bauhaus in Weimar" um. Er ist davon überzeugt, dass das Bauwerk die perfekte Verbindung von Kunst und Handwerk ist. Aus diesem Grund sollen Künstler wie Handwerker die gleiche Grundausbildung genießen.

Der Name Bauhaus ist eine Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen, in denen Kunst und Handwerk schon früher verschmolzen. In Weimar schafft Gropius deswegen einführende Kurse über Form, Farbe und Beschaffenheit von Materialien für die Studenten aller Fächer. Sein großes Ziel dabei ist die Schaffung eines "Baus der Zukunft" als Gesamtkunstwerk.

Seinen gestalterischen Höhepunkt findet er nach dem Umzug der Schule nach Dessau in den Jahren 1925/26. Von rechten Kreisen aus Weimar verjagt, wird in Dessau nach den Plänen von Gropius ein völlig neuer Bau errichtet, der als Demonstrationsobjekt für die Auffassungen der neuen Richtung gedacht ist. Das Bauhaus in Dessau ist ein Gesamtkunstwerk, das Architektur, Kunst, Handwerk, Design und Industrie perfekt zusammenführt.

Blick auf das Bauhaus-Bauwerk in Dessau

Hort der Moderne in Dessau

1927 baut Gropius zwei Häuser für die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung, bevor er 1928 als Leiter des Bauhauses zurücktritt. Er sieht das Bauhaus mittlerweile als so gefestigt an, dass er als freier Architekt vermehrt Aufträge aus der Industrie und Wirtschaft entgegennehmen kann und sich nicht mehr in erster Linie um die Ausbildung kümmern muss.

Internationale Karriere

In der Folgezeit beschäftigt sich Gropius zunehmend mit den städtebaulichen und sozialen Problemen des Siedlungsbaus. Er befürwortet den Bau von Wohnhochhäusern zur Bekämpfung der Wohnungsnot. Die Wohnblöcke der Siedlung Siemensstadt in Berlin sind nur ein Beispiel von Gropius' Visionen des sozialen Wohnungsbaus.

Mit der Zerschlagung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten wird das Arbeiten für die Architekten der Moderne in Deutschland immer schwieriger. Gropius flüchtet 1934 nach England, wo er drei Jahre lebt und arbeitet. In dieser Zeit baut er unter anderem zusammen mit dem britischen Architekten Maxwell Fry das Impington Village College.

1937 wird Gropius als Professor an die "Graduate School of Design" der Harvard University in die USA berufen. An dieser Schule lehrt er 13 Jahre und ist nebenbei weiterhin als freier Architekt tätig. Bedeutendstes Zeugnis seiner frühen Jahre in den USA ist das Gropius-Haus in Lincoln/Massachusetts, das er 1938 zusammen mit Marcel Breuer baut.

1946 gründet er zudem eine eigene Firma, die "Architects' Collaborative", in der er eine Gruppe junger Architekten um sich schart, mit der er zahlreiche Projekte realisieren kann.

Bis zum Schluss aktiv

In seinen letzten Jahren zieht es Gropius wieder vermehrt nach Berlin, wo er zwar arbeiten, aber nicht mehr leben will. Hier entstehen noch einige bekannte Spätwerke, wie zum Beispiel 1957 ein neungeschossiger Wohnblock im Hansaviertel oder ab 1962 die gigantische Siedlung Gropiusstadt. Diese Satellitenstadt mit rund 18.500 Wohnungen ist ein eigener Ortsteil im Berliner Bezirk Neukölln und bekannt geworden durch das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", dessen Autorin Christiane F. in der Trabantenstadt wohnte.

Heute ist die Gropiusstadt, die zur Steigerung der Lebensqualität und Bekämpfung der Wohnungsnot gebaut wurde, einer der großen sozialen Brennpunkte der Stadt.

Die Gropiusstadt ist der beste Beweis dafür, dass die Visionen der Bauhaus-Architekten, den sozialen Wohnungsbau zu revolutionieren, der Realität oft nicht standhalten konnten. Sind die Einzelbauten des Bauhauses noch architektonische Meisterwerke, so erscheinen die Großsiedlungen häufig als gesichtslose Betonwüsten, die von ihren Bewohnern nur selten als schön empfunden werden.

1969 stirbt Walter Gropius im Alter von 86 Jahren in Boston. Nach wie vor gilt er als einer der größten Architekten des 20. Jahrhunderts. Über seine Amtszeit hinaus war Gropius die inspirierende Persönlichkeit der Bauhaus-Architektur, der die Ideen der ursprünglich kleinen Bewegung international etabliert hat.

Halbrundes, 18-geschossiges Wohnhochhaus von Walter Gropius.

Städtebauliche Sünde – die Gropiusstadt

Stand: 26.09.2018, 10:21

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