Angkor

Kambodscha

Angkor

Kaum ein Ort fasziniert so wie Angkor – vom 9. bis zum 15. Jahrhundert Zentrum des mächtigen Khmer-Reiches. Die Tempelanlagen verteilen sich auf rund 200 Quadratkilometern. Die bekannteste ist Angkor Wat: Das größte sakrale Bauwerk der Welt.

Gotteshäuser für die Ewigkeit

Warum so viele spektakuläre Tempel und Heiligtümer auf einem doch relativ kleinen Gebiet? Weil die Herrscher des Khmer-Reiches nacheinander mehrere Hauptstädte errichten ließen, in deren Zentrum jeweils einen großen Haupttempel und darüber hinaus viele kleinere Tempel und Heiligtümer. Finanziert wurden die prachtvollen Bauten durch die Überschüsse, die das ausgeklügelte System des Reisanbaus erbrachte.

Das Bild zeigt einen großen Tempel mit vielen kleinen terrassenförmigen und unterschiedlich hohen Türmen. Er spiegelt sich in einem Wassergraben im Vordergrund.

Im "Urozean" gespiegelt: der Tempel Bayon

Im Gegensatz zu den Holzhäusern der Menschen wurden die Tempel als Wohnungen der Götter für die Ewigkeit und deshalb aus Stein – zum Großteil Sandstein – gebaut. Die Mehrzahl der Tempelanlagen in Angkor war hinduistischen Göttern gewidmet, die meisten Shiva.

Jeder einzelne Tempel spiegelt sich in einem Wasserbecken, das zum einen als Wasserreservoir diente, aber auch eine symbolische Bedeutung hatte: Es sollte den Urozean darstellen.

Die Khmer-Könige waren davon überzeugt, dass sie ihre Macht der Göttlichkeit verdankten und dass sie selbst ein Teil davon waren. Ihre Ideen und Heldentaten finden sich in Tempel-Inschriften, die eine wertvolle Quelle für die Erforschung der Welt der Khmer darstellen.

Neben den Tempeln finden sich in Angkor zahlreiche Reliefs mit Darstellungen verschiedener Szenen aus der hinduistischen Mythologie, aber auch aus dem Alltag: So zeigt ein Relief in der Tempelanlage Bayon äußerst plastisch des Leben der Menschen in der Region Angkor, in der Tempel, Holzbauten und Bambushütten sowie Märkte wie auf einem Schachbrett gleichmäßig angeordnet waren.

Angkor Wat – nationales Symbol

Das berühmteste und größte Bauwerk von Angkor – die gesamten Ruinen der Region sind seit 1992 Unesco-Welterbe – ist die Tempelanlage Angkor Wat, der die meisten der ins Land kommenden Touristen einen Besuch abstatten.

Das Bild zeigt eine große Tempelanlage mit fünf Türmen; der zentrale Turm ist der höchste, die anderen vier sind in einem Viereck darum angeordnet und gleich hoch. Im Vordergrund sind Palmen zu sehen.

Im 12. Jahrhundert erbaut: Angkor Wat

Ihr Bau unter König Suryamvarman II. dauerte 37 Jahre. Der König widmete die Anlage dem hinduistischen Gott Vishnu, mit dem er sich selbst identifizierte. Nach der Zuwendung der Khmer zum Buddhismus im 13. Jahrhundert wurde das Vishnu-Heiligtum in ein buddhistisches "Wat" umgewandelt, was Kloster bedeutet.

An Angkor Wat erkennt man beispielhaft den Baustil der Angkor-Zeit: Das Heiligtum hat eine exakte Symmetrie und der zentrale und höchste der fünf Türme verkörpert den Berg Meru, das Zentrum der Welt. Dieser zentrale Turm ist die wichtigste architektonische Gemeinsamkeit aller Tempel von Angkor. Darüber hinaus ist jedes einzelne Bauwerk im Grundriss in vier Quadrate aufgeteilt, was mit der im Hinduismus wichtigen Zahl Vier (absolute Vollkommenheit) in Verbindung steht.

Angkor Wat fungiert heute als herausragendes nationales Symbol: Es steht repräsentativ für die Kultur der Khmer und des heutigen kambodschanischen Volkes. Dementsprechend häufig findet man Abbildungen von Angkor Wat – so auch auf der kambodschanischen Nationalflagge.

Kunstraub durch organisierte Banden

Eine große Statue aus Stein, die ein Gesicht zeigt. Dahinter sind Teile von weiteren Statuen zu sehen.

Ein Gott mit königlichen Gesichtszügen

Im Gegensatz zu den anderen hinduistischen Khmer-Bauten ist Angkor Wat nicht nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet. Das lässt sich auf verschiedene Weise erklären: Der Tempel war ursprünglich Vishnu geweiht – und dieser Gott beherrschte der hinduistischen Mythologie zufolge den westlichen Quadranten.

Daneben diente der Tempel als Grab für seinen Erbauer, König Suryamvarman II., und musste deshalb in Richtung des Totenreichs im Westen weisen. Außerdem wurde die Tempelanlage in die bereits existierende Stadt Yashodharapura integriert und hätte mit einer östlichen Ausrichtung den alten Stadtteilen den Rücken zugekehrt, was als Unglück bringend galt.

Die Steingebäude von Angkor Wat, die nur einen Teil der zwei Quadratkilometer großen Anlage bedecken, sind gut erhalten – im Gegensatz zu den Bauten aus Holz und anderen Materialien, von denen nichts mehr übrig ist. Innerhalb von Angkor Wat lebten schätzungsweise bis zu 20.000 Menschen: der König und sein Hofstaat sowie das Tempelpersonal.

Erstaunlicherweise wurden die Kulturschätze Angkors von den Roten Khmer weit weniger zerstört als angenommen. Den größten Schaden richten gut organisierte Banden der internationalen Antiquitätenmafia an. Deren Interesse galt lange einer schlecht bewachten Halle in der Stadt Siem Reap, in der hunderte Statuen und Kunstwerke der Angkor-Periode lagerten. Von diesen wurden viele mithilfe des Wachpersonals gestohlen.

Inzwischen befinden sich wegen der Räuber nur noch wenige Kunstwerke an ihrem ursprünglichen Platz. Die wertvollsten Statuen stehen sich inzwischen in archäologischen Archiven oder im Staatsmuseum in Phnom Penh.

Tourismus – Branche der Zukunft

Das Bild zeigt den verzierten Eingang eines Tempels, um den Baumwurzeln gewachsen sind.

Heiligtümer als Touristen-Magneten

Buddhistische Mönche besuchen noch immer täglich Angkor Wat – neben zahlreichen Touristen. So kommen jedes Jahr mehr als eine Million Menschen in die Region Angkor.

Seit der Demokratisierung des Landes Anfang der 1990er Jahre hat die Zahl der Touristen stark zugenommen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gehörte es zu den wenigen Ländern, die kaum einen Besucherrückgang zu verzeichnen hatten. Dementsprechend wird der Tourismus für die kambodschanische Wirtschaft ein immer bedeutenderer Faktor.

Die Zeichen für einen weiteren Anstieg der Touristenzahl stehen gut: Attentate auf Touristen gehören der Vergangenheit an, die innenpolitische Lage ist stabil wie nie. Die Infrastruktur – besonders das Straßensystem 0 wird stetig verbessert, sodass auch entlegene Regionen für Touristen erreichbar sind. Ein Land für Pauschalurlauber ist Kambodscha aber (noch) nicht. Zum Glück, denken sich die Individualreisenden und Abenteurer, die gerade wegen der noch vorhandenen Ursprünglichkeit ins Land der Khmer kommen.

Autorin: Alexandra Stober

Stand: 09.08.2016, 13:00

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