Geschichte Vietnams

Amerikanische Hubschrauber und GIs im Vietnamkrieg

Vietnam

Geschichte Vietnams

Der Kampf um Unabhängigkeit zieht sich durch die gesamte Geschichte Vietnams. Fast 1000 Jahre lang war Vietnam chinesische Provinz. Erst im 10. Jahrhundert konnte sich der Norden Vietnams von der chinesischen Vorherrschaft befreien. Wechselnde Dynastien versuchten in Folgezeit mehr oder weniger erfolgreich das Land zu konsolidieren. Im Laufe der Jahrhunderte hat es viele Namen getragen (Nam-Viet, Annam, Dai-Viet). Die Bezeichnung Viet-Nam tauchte erst mit dem letzten Kaiserreich der Nguyen-Dynastie im Jahr 1802 auf. Doch schon zu dieser Zeit geriet das Land ins Visier verschiedener europäischer Kolonialmächte, allen voran Frankreich.

Französische Kronkolonie

Blick auf ein Gebäude eines vietnamesischen Palastes. Davor ein großer kesselartiger Behälter.

Der Königspalast in der alten Hauptstadt Hue

Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatten die Franzosen großen Einfluss auf das vietnamesische Kaiserreich. Die Nguyen-Dynastie ist gar nur durch tatkräftige Unterstützung der Europäer an die Macht gekommen. Mitte des 19. Jahrhunderts versuchen die Franzosen immer mehr Druck auf das Kaiserreich auszuüben.

Es kommt zu Ausschreitungen der armen Bevölkerungsschichten, die sich gegen französische Missionare richten. Frankreich erobert daraufhin Zug um Zug vietnamesisches Gebiet, bis schließlich 1883 das ganze Land unter ihrer Kolonialherrschaft steht.

Die Europäer errichten eine funktionstüchtige Kolonialverwaltung, um das Land für ihre Zwecke auszubeuten. Das Eisenbahnnetz, Straßen und die Häfen von Saigon und Haiphong werden ausgebaut. Hauptexportartikel sind Reis, Kautschuk und Kohle.

Farbfoto von Ho Chi Minh.

Ho Chi Minh organisierte den Widerstand

Auf die Bedürfnisse der Vietnamesen wird keine Rücksicht genommen: Von den 45.000 vietnamesischen Arbeitern, die zwischen 1917 und 1944 auf den Kautschukplantagen der Firma Michelin arbeiten, sterben 12.000 an Krankheiten und Unterernährung.

Um die Jahrhundertwende formiert sich erster Widerstand gegen die Kolonialmacht. In der Zeit der Weltwirtschaftskrise (1927-1931) wachsen die Proteste, sie bleiben aber noch unkoordiniert. 1930 wird ein Aufstand blutig niedergeschlagen. Erst Ho Chi Minh, Gründer und Führer der Kommunistischen Partei Indochinas, gelingt mit der 1941 gegründeten Bewegung "Vietminh" der Aufbau einer Basis für den Kampf gegen die Besatzer.

Kampf gegen die Kolonialmächte

Militärparade bei der Feier zur Unabhängigkeit Vietnams. Weiß gekleidete Soldaten beim Marschieren.

Jedes Jahr wird die Unabhängigkeit gefeiert

Im Zweiten Weltkrieg müssen die Franzosen die Stationierung von japanischen Truppen, ein Durchmarschrecht und die Benutzung der Flughäfen gestatten. Nach und nach bringt Japan auch noch die wichtigsten Militärstützpunkte unter seine Kontrolle, rührt die funktionierende Kolonialverwaltung dagegen nicht an. De facto wird das Land jetzt von einer kolonialen Doppelspitze beherrscht. In dieser fünf Jahre andauernden Phase sterben zwei Millionen Menschen an Hunger.

Der 1941 nach Vietnam zurückgekehrte Ho Chi Minh organisiert den Aufstand gegen die Besatzer, indem er über 40 kleinere Widerstandsgruppen zu der Organisation "Vietminh" vereint. Nach der Kapitulation Japans proklamiert er am 2. September 1945 in Hanoi die Unabhängigkeit und wird erster Präsident der Demokratischen Republik Vietnam (DRV). Aber die Franzosen erneuern ihre kolonialen Ansprüche.

Der 1946 ausbrechende Indochina-Krieg zieht sich lange ergebnislos hin. Ab 1950 werden die schlecht ausgerüsteten Vietnamesen von China militärisch unterstützt, während die Franzosen von den USA Hilfe erhalten. In der Schlacht um die französische Dschungelfestung Dien Bien Phu gelingt den Vietnamesen 1954 der entscheidende Sieg. Frankreich muss seine kolonialen Träume in Indochina aufgeben.

Teilung des Landes

Nach der Niederlage Frankreichs wird Vietnam durch das Genfer Abkommen entlang des 17. Breitengrades geteilt: In Saigon regiert der von den USA protegierte Katholik Ngo Dinh Diem die Republik Südvietnam. Im Norden bleiben die Kommunisten Ho Chi Minhs an der Macht. Hunderttausende Vietnamesen siedeln in den jeweils anderen Landesteil über. Während im Süden Chaos und Anarchie herrschen, kommt es im Norden nach einer brutal durchgesetzten Landreform zu Unruhen.

Die 1960 in Südvietnam gegründete "Nationale Befreiungsfront (Vietcong)", deren Akzeptanz bei der unzufriedenen Bevölkerung schnell wächst, wird vom Norden unterstützt. 1963 wird der zunehmend diktatorisch herrschende Diem bei einem vom amerikanischen Geheimdienst CIA unterstützten Militärputsch getötet. In der Folge wechseln sich verschiedene Militärjuntas an der Macht ab.

Der Krieg gegen die USA

Schwarzweiß-Foto: Vietnamesische Soldaten fahren in kleinen Booten über einen Fluss.

Mit einfachen Mitteln besiegten sie die USA

Nach wachsenden Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden nehmen die USA 1964 einen fingierten Zwischenfall im Golf von Tonking zum Anlass, Nordvietnam zu bombardieren. Der Vietnam-Krieg hat begonnen. Hintergrund des amerikanischen Engagements ist die sogenannte "Dominotheorie", der zufolge ein Sieg der Kommunisten in Vietnam Umstürze in der gesamten Region zur Folge haben würde. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen (1968) sind etwa 550.000 US-Soldaten in Vietnam stationiert.

Der Krieg wird mit äußerster Brutalität geführt. Die Zahl der von den Amerikanern über Vietnam abgeworfenen Bomben übertrifft die gesamte Bombenlast des Zweiten Weltkriegs um ein Vielfaches. Trotz ihrer technologischen Übermacht können die US-Militärs den hartnäckigen Widerstand der Vietnamesen nicht brechen. Diese Erfahrung sowie der Druck der internationalen Protestbewegung und die wachsende Anti-Kriegsstimmung im eigenen Land führen nach dem Pariser Waffenstillstandsabkommen von 1973 zum Abzug aller US-Truppen.

Nach der Eroberung Saigons durch nordvietnamesische Einheiten kapituliert das auf sich allein gestellte Südvietnam 1975 und wird im Jahr darauf mit dem Norden zur "Sozialistischen Republik Vietnam" vereint. Der Preis für den Sieg ist hoch: Millionen Tote, Verletzte und Waisen, vergiftete Wälder, zerstörte Städte und Industrieanlagen belasten den Aufbruch in die Unabhängigkeit.

Unabhängigkeit und Wiedervereinigung

Nach 30 Jahren Bürgerkrieg und Krieg gegen Franzosen, Japaner und Amerikaner wird das Land 1976 endlich unabhängig. Doch die jahrzehntelange Teilung in unterschiedliche Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme erschwert den Neubeginn. Nach militärischen Auseinandersetzungen mit Kambodscha (1979-1989) und China (1979) ist das Land zudem international isoliert.

Straßenszene in Hanoi

Trotz guter Wachstumsraten gibt es noch strukturelle Probleme

Die ersten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der kommunistischen Regierung treiben Hunderttausende in die Flucht. Sie versuchen vor allem über das Südchinesische Meer ins Ausland zu gelangen. Zehntausende dieser sogenannten Boat-People kommen ums Leben.

Angesichts der desolaten Lage sehen sich die Machthaber Mitte der 1980er Jahre zu umfassenden Reformen gezwungen. Das Land durchlebt einen ähnlichen wirtschaftlichen Reformprozess wie China. Die Staatsgeschicke werden nach wie vor von der kommunistischen Partei gelenkt, die Wirtschaft allerdings nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten neu organisiert.

Trotz guter Wachstumsraten gibt es jedoch noch zahlreiche strukturelle Probleme in der industriellen Produktion sowie im Finanz- und Bankensektor. Und auch die Infrastruktur hat immer noch unter den Kriegsschäden zu leiden.

Autorin: Kirsten Praller

Weiterführende Infos

Stand: 27.07.2016, 10:27

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