Achtung, Eindringlinge! – Wie fremde Arten Neuseelands Ökosystem gefährden

Ein Fuchskusu

Neuseelands Natur

Achtung, Eindringlinge! – Wie fremde Arten Neuseelands Ökosystem gefährden

Von Alexandra Stober

Viele Millionen Jahre war Neuseeland geografisch vom Rest der Welt isoliert. Deshalb konnte dort eine ganz eigene Pflanzen- und Tierwelt entstehen. Eine Besonderheit: Bis auf Fledermäuse entwickelten sich keine heimischen Säugetiere. In deren Lebensraum machten sich stattdessen flugunfähige Vögel breit.

Neue Pflanzen und Tiere braucht das Land

Alles war wunderbar im ökologischen Gleichgewicht, bis die ersten europäischen Siedler in Neuseeland ankamen – und mit ihnen fremde Pflanzen und Tiere. Deren Einschleppung wirkte sich verheerend auf die heimische Flora und Fauna aus.

Als die europäischen Siedler Anfang des 19. Jahrhunderts begannen, sich in Neuseeland niederzulassen, brachten sie zahlreiche ihrer Haustiere sowie Nutz- und Zierpflanzen mit in die neue Heimat. Sie hielten die dortigen Arten für ungeeignet, um sich davon zu ernähren, und sie wirkten schlicht fremd auf sie.

Auch Charles Darwin war bei seinem Abstecher nach Neuseeland im Jahr 1835 erfreut darüber, nach Meilen von "unbewohntem nutzlosen Land" in einer Farm englischer Siedler anzukommen.

Und dort auf den Feldern "alle Früchte und Gemüsesorten, die England produziert" zu finden. Der große Naturforscher sah damals noch keine Gefahr, ja sogar einen Nutzen darin, nicht-heimische Arten in großem Stil in ein funktionierendes Ökosystem einzuführen.

40 Prozent der heimischen Vögel sind ausgestorben

Gut 120 Jahre und zahlreiche ausgestorbene, neuseeländische Arten später kommt ein Kollege Darwins zu einem völlig anderen Schluss:

Der britische Ökologe Charles Elton richtet in seinem 1958 erschienenen Werk seine Aufmerksamkeit auf Neuseeland und beschreibt: "Kein Ort der Welt war so langer Zeit einem so gleichmäßigen Strom von Eindringlingen ausgesetzt (…)."

Die Bilanz der biologischen Invasion – der Einwanderung und Ausbreitung von nicht-heimischen Arten in einem Lebensraum – in Neuseeland: Seitdem sich Säugetiere wie Katze, Hund, Marder und Wiesel ausgebreitet haben, sind 40 Prozent der heimischen Landvogelarten ausgestorben und zahlreiche weitere stark gefährdet – vor allem der Kakapo-Papagei, von dem es zwischenzeitlich nur noch 50 Exemplare gab.

Die heimische Tierwelt war nicht auf die Eindringlinge eingestellt. Viele Arten waren somit eine leichte Beute.

Das Bild zeigt einen kleinen Vogel mit grün-schwarz geflecktem Gefieder zwischen Gräsern.

War nicht auf fremde Räuber eingestellt: der Kakapo

Eine staatliche Agentur wacht über die Biosicherheit

Verständlicherweise ist man inzwischen in Neuseeland bei diesem Thema extrem vorsichtig – das Motto lautet: Prävention. Überall im Land hängen deshalb Plakate, die zur Wachsamkeit gegenüber invasiven Arten aufrufen und auch mit drastischen Strafen drohen.

Die neuseeländische Naturschutzbehörde startet immer wieder Aufklärungskampagnen über Arten, die für die heimische Flora und Fauna problematisch sind.

Es gibt sogar einen Minister für Biosicherheit und eine staatliche Agentur, die Kontrollen an den Grenzen koordiniert.

Diese hat darüber hinaus die Aufgabe, schnell auf die Meldung neuer invasiver Arten zu reagieren. Zusätzlich fördert sie Forschungsprojekte zum Umgang mit eingeschleppten Tieren und Pflanzen.

Inzwischen ist Europa ebenfalls von biologischer Invasion betroffen – wenn auch längst nicht so schlimm wie das einst völlig unvorbereitete Ökosystem Neuseelands.

Deshalb kann der Inselstaat auf der anderen Seite der Erde als Beispiel dienen, wie man effektiv gegen tierische und pflanzliche Eindringlinge vorgeht.

Das Bild zeigt einen Wildhasen, der im Gras sitzt und sich umschaut

Auch Hasen und Kaninchen haben in Neuseeland viel Schaden angerichtet

Stand: 19.06.2019, 09:58

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