Jüdische Hochzeit

Jüdisches Brautpaar steht bei einer Trauung im Freien unter dem traditionellen Baldachin. Freunde des Brautpaares schauen der Zeremonie zu.

Hochzeit

Jüdische Hochzeit

Von Alfried Schmitz

"Seid fruchtbar und mehret Euch und füllet die Erde" – dieser Satz aus dem 1. Buch Mose ist eine wichtige Grundlage der jüdischen Religion und der jüdischen Gesellschaft. Ein eheloser Mensch gilt als unvollkommen. Es ist ein göttliches Gebot, durch Nachkommen für den Fortbestand des Glaubens und für den Fortbestand der Menschheit zu sorgen.
Juden sehen die Ehe als eine heilige Institution von höchster Bedeutung. Dementsprechend feierlich gestalten sie die Zeremonie, dementsprechend fröhlich und zum Teil sehr ausgelassen feiern sie anschließend. Äußerst wichtig ist dabei die Pflege althergebrachter Bräuche und Riten.

Keine Hochzeit am Sabbat

Hat sich ein Paar gefunden, das nach den strengen Regeln der jüdischen Religion heiraten möchte, muss erst einmal ein passender Hochzeitstermin gefunden werden. Dabei muss das Paar berücksichtigen, dass es aus religiösen Gründen an einigen Tagen nicht heiraten kann. So ist es zum Beispiel nicht statthaft, an einem Sabbat, also an einem Samstag, zu heiraten. Er ist der Tag der Ruhe, auf dessen Einhaltung streng geachtet wird.

Auch bestimmte jüdische Fest-, Gedenk- und Fastentage kommen nicht in Frage. Viele Juden heiraten traditionell gerne an einem Dienstag, weil in der Bibel gerade diesem Schöpfungstag eine besondere Bedeutung zukommt. Das dem Dienstag entsprechende Bibelzitat "Gott sah, dass es gut war" soll auch für die Ehe Geltung haben.

Bevor die Hochzeit nach jüdischem Ritual vollzogen werden kann, muss vom zuständigen Gemeinde-Rabbiner geprüft werden, ob nicht bestimmte Ehehindernisse gegen die Heirat sprechen. Die Braut (kalla) und der Bräutigam (chatan) dürfen nicht miteinander blutsverwandt oder verschwägert sein. Auch eine noch verheiratete Frau, ohne gültige jüdische Scheidung, darf nicht heiraten.

Verlobung mit Ring und Wein

Wie in anderen Kulturkreisen und Religionen wird auch die jüdische Hochzeit als Übergangsritus angesehen, bei dem der Wechsel von einer Lebensphase in eine andere gefeiert wird. Die Juden sehen in der Eheschließung den Beginn einer Reise. Die eigentliche Hochzeitszeremonie besteht aus zwei Teilen und wird oft im Freien abgehalten, denn es ist wichtig, Gottes Segen ungehindert empfangen zu können.

Wird die Trauung streng nach der Tradition der orthodoxen Juden zelebriert, trägt die Braut ein weißes Kleid und auch der Bräutigam kleidet sich komplett in Weiß. Das Gesicht der Braut ist zudem mit einem Schleier verhüllt. Auch im jüdischen Glauben steht die Farbe Weiß für Reinheit und Unschuld. Beide treten unter einen verzierten Baldachin (Chuppa) aus Samt oder Seide, der von vier Stangen gehalten wird und der an die biblischen Zeiten erinnern soll, in denen die Israeliten noch in Zelten wohnten.

Ein Rabbiner leitet die Hochzeit. Er ist Prediger und Seelsorger einer jüdischen Gemeinde und tritt ebenfalls unter die Chuppa. Zunächst erfolgt die Heiligung (Kidduschin) und die Angelobung (Erussin). Der Rabbiner spricht den Segen über einen mit Wein gefüllten Becher, aus dem beide Brautleute trinken. Dann steckt der Bräutigam der Braut einen Ring an den Zeigefinger der rechten Hand und spricht die Worte: "Durch diesen Ring seiest Du mir angelobt entsprechend dem Gesetz von Moses und Israel."

Das Schwarzweiß-Foto zeigt eine Trauung in einer Synagoge. Das Brautpaar steht unter einem Baldachin. Im Gestühl sitzen Hochzeitsgäste und schauen zu.

Trauung in der Synagoge

Ehevertrag regelt die Partnerschaft

Nach dieser feierlichen Zeremonie verliest der Rabbiner den auf aramäisch verfassten Ehevertrag (Ketuba). Aramäisch war neben dem Kanaanäischen die zweite wichtige Kultursprache der semitischen Stämme. Älteste Inschriften datieren auf das 9. Jahrhundert vor Christus. Aramäisch war auch die Sprache Jesus.

In diesem Vertrag verpflichtet sich der Ehemann, seine Frau zu ehren, für ihre Kleidung zu sorgen, sie zu ernähren, aber auch ihre sexuellen Bedürfnisse zu beachten und zu befriedigen. Eine Art Beischlafverpflichtung also. Kommt er einem dieser Punkte während der Ehe schuldhaft nicht nach, stellt das nach den jüdischen religiösen Statuten einen Scheidungsgrund dar.

Dieser Ehevertrag enthält aber auch eine Regelung, die eine finanzielle Versorgung der Frau nach dem vorzeitigen Ableben des Ehemanns vorsieht. Sollte die Frau jedoch die Scheidung schuldhaft verursacht haben, dann erlöschen ihre finanziellen Ansprüche aus der Ketuba. Bei der Eheschließung müssen zehn erwachsene jüdische Männer anwesend sein. Ein weiterer wichtiger Punkt, denn nach der Verlesung der Ketuba müssen sie auch als Zeugen unterschreiben.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt eine jüdische Hochzeitsgesellschaft mit Brautpaar unter dem Baldachin im Jahre 1930 in London.

Jüdische Hochzeit 1930 in London

Glückwünsche mit Masel Tov und Reis

Es folgt nun die eigentliche Heirat (Nissu’in), die Besiegelung der soeben erfolgten Verlobung. Der Rabbiner verliest sieben Hochzeits-Segenssprüche und das Brautpaar trinkt wieder einen Schluck Wein aus dem Ehebecher. Am Ende dieser Zeremonie zertritt der Bräutigam mit dem Fuß ein Weinglas. Ein Brauch, der an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem im Jahre 70 nach Christus erinnern soll.

Nach der Trauungszeremonie genießt das frischvermählten Brautpaar erst einmal eine kurze Zeit der Ruhe und Zweisamkeit. Dann beginnen die Hochzeitsfeierlichkeiten zunächst mit einem Festmahl, während dem die Gäste immer wieder Tischgebete sprechen.

Einem Gebot folgend, dass sich Braut und Bräutigam erfreuen sollen, folgt auf das Festmahl eine meist sehr ausgelassene Feier, mit Musik und Tanz. Die Hochzeitsgäste wünschen dem Paar viel Glück – Masel Tov – und bewerfen es mit Reis und Walnüssen. Beides sind Symbole der Fruchtbarkeit.

Nach jüdischer Tradition zertritt der Bräutigam mit dem Schuh ein Glas. Man sieht den Fuß des Bräutigams sowie die Füße der umstehenden Gäste und der Braut.

Scherben bringen Glück

Weiterführende Infos

Stand: 17.04.2019, 17:00

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