Schausteller

Zeichnung: Schausteller auf dem Jahrmarkt

Kirmeshistorie

Schausteller

Leitet sich das Wort Schausteller von "zur Schau stellen" ab?

Wenn man heute über eine moderne Kirmes schlendert, hat man den Eindruck, dass das Schaustellergewerbe nicht sehr viel mit der Tätigkeit zu tun hat, etwas zur Schau zu stellen. Vielmehr versuchen die wortgewandten Buden- und Fahrgeschäftbesitzer, möglichst viele Besucher zum Kauf einer Fahrkarte oder eines Loses zu bewegen. Dies war allerdings nicht immer so.

Während der ersten Jahrhunderte der Kirmesgeschichte war das Publikum weit weniger aktiv am Geschehen beteiligt als heute. Ein Jahrmarktbesuch diente eher dazu, sich eine neue Errungenschaft oder eine besonders aufregende Darbietung vorführen zu lassen.

So machten Personen, die sich oder andere zur Schau stellten, in den vergangenen Jahrhunderten den Großteil der Schausteller aus: Zu den Attraktionen gehörten zum Beispiel im 16. oder 17. Jahrhundert Riesen, Zwerge, die Rumpfmenschen ohne Extremitäten oder Menschen mit körperlichen Fehlbildungen, wie zum Beispiel siamesische Zwillinge. Es konnten aber auch Tätowierte und Feuerschlucker sein oder Menschen, die Glasscherben und kleine Tiere verspeisten.

Der Stich vom Ende des 17. Jahrhunderts zeigt einen Feuerschlucker, der erhöht auf einer Leiter steht. Um ihn herum stehen Jahrmarktbesucher und sehen ihm zu.

Der "Feuerfresser" um 1700

Im 19. Jahrhundert wurden in Europa außerdem unbekannte ethnische Gruppen wie etwa afrikanische Ureinwohner ausgestellt. Bis in die 1930er Jahre waren die Völkerschauen von Carl Gabriel berühmt, der im Jahr 1909 Buffalo Bill mit seiner Wild-West-Schau nach Europa holte.

Mit fortschreitender technischer Entwicklung war es später üblich, Cinematographen oder andere technische Errungenschaften zu zeigen. Kirmessen trugen so zur naturwissenschaftlichen Bildung der breiten Bevölkerung bei.

Der heutige Begriff des Schaustellers hat durch die Entwicklung der Fahrgeschäfte im 19. und 20. Jahrhundert eine völlig neue Bedeutung erhalten, der Ursprung des Wortes ist aber auf die traditionelle Definition zurückzuführen.

Autorin: Sabine Coen

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Stand: 05.08.2016, 16:00

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