Bedrohte Südsee

Fischerboot in Tuvalu

Südsee

Bedrohte Südsee

Die Südsee ist für die meisten Europäer der Inbegriff des Paradieses: kleine Inseln mit Kokospalmen, weißen Stränden und türkisfarbenem Wasser. Doch die Inselwelt ist bedoht. Die Atolle versinken im Zuge des Klimawandels nach und nach im Meer.


Versinkende Inseln

Im Pazifik steigt das Wasser. Zwar sind es jährlich nur ein paar Millimeter, doch die Folgen sind auf den flachen Atollinseln der Südsee, vor allem in Mikronesien, bereits zu spüren.

"Die Inseln werden schon unbewohnbar, noch bevor sie untergehen", sagt Marion Struck-Garbe, Greenpeace-Aktivistin und Vorstandsvorsitzende der Pazifik-Infostelle. Denn bevor sie in den Fluten verschwinden, wird die Süßwasserversorgung auf den flachen Inseln zusammenbrechen.

Schon heute gibt es Inseln, die nur noch von außen per Schiff versorgt werden können, denn die Süßwasservorkommen der Inseln versalzen. Das steigende Meerwasser dringt immer öfter in die unterirdischen Süßwasserlinsen ein. Zunehmende Stürme und Hochfluten versalzen Land und Wasser zusätzlich von oben.

Dann bricht nicht nur die Trinkwasserversorgung zusammen, sondern auch der bescheidene landwirtschaftliche Anbau. Die Versorgungsschiffe müssen also nicht nur Wasser bringen, sondern auch Nahrungsmittel.

Erste Umsiedlungsaktionen

Der Inselstaat Tuvalu, nördlich der Fidschi-Inseln, war der erste, der erkannte, was die Zukunft für die flachen Inseln bringen wird. Der Präsident fragte daher Anfang des neuen Jahrhunderts bei der neuseeländischen Regierung nach, ob Neuseeland bereit wäre, die Bewohner Tuvalus aufzunehmen. Ohne Erfolg.

Erst 2014 stimmte Neuseeland zum ersten Mal einem Antrag auf Klimaasyl zu. Eine vierköpfige Familie aus Tuvalu darf nun dauerhaft in Neuseeland bleiben. Möglicherweise ein Einzelfall, denn Klimaflüchtlinge sind derzeit noch nicht als Flüchtling im Sinne der Genfer Konvention anerkannt.

Zwei Frauen halten bei einer Demonstration zur Klimakonferenz 2015 ein Tuch mit der Aufschrift "Raise your voice not sea levels! For Tuvalu" in den Händen.

Die Zukunft des Inselstaats Tuvalu ist ungewiss

Die Regierung der Carteret-Inseln, eines Atolls vor der Ostküste Papua-Neuguineas, ist inzwischen aktiv geworden und hat ein Umsiedlungsprogramm angestoßen.

Die Lebensbedingungen für die Bevölkerung werden immer schlechter. Es gibt kaum noch Trinkwasser, die Fischbestände gehen zurück und Landwirtschaft ist auf den Inseln kaum noch möglich. Schon länger werden Grundnahrungsmittel per Boot zu den Inseln gebracht. Neue Heimat soll die nächste größere Insel Bougainville werden.

Das Klima bedroht auch die Korallen

Korallenriffe werden auch die "Regenwälder der Meere" genannt. Doch diesen Unterwasser-Regenwäldern geht es auch im Südpazifik nicht mehr gut.

"Korallenbleiche" nennen es die Experten, wenn die bunten, bizarren Strukturen fahl und bräunlich in sich zusammensinken. Der Grund ist die steigende Temperatur des Meerwassers, denn Korallen sind sehr temperaturempfindlich.

In der Südsee wird die Korallenbleiche auch dem El-Niño-Phänomen zugeschrieben, das seit dem Klimawandel häufiger und intensiver zu beobachten ist.

Das El-Niño-Phänomen tritt in der Regel alle vier Jahre auf. Dabei geraten durch die veränderten Passatwinde die Meeresströmungen durcheinander, sodass sich das Meer auf verheerende Weise erwärmt. Dann sind nicht nur Korallen bedroht, auch Fische verenden in der Folge.

Das Korallensterben hat für die Menschen auf den Inseln bedeutende Folgen, denn die Korallen stehen am Anfang der Nahrungskette. In den engen Verästelungen finden die kleinsten Fische ihre Brutplätze. Sind sie weg, haben auch die größeren Fische nichts zu fressen. Diese wiederum stehen auf dem täglichen Speiseplan der Inselbewohner. Die ohnehin überfischte Südsee wird in der Folge noch fischärmer.

Korallen bei Tuvalu

Korallen bei Tuvalu

Nordpazifischer Müllteppich vermüllt Hawaii

Abseits der Surfer-Paradiese türmt sich an den Stränden Hawaiis der Müll – winzige Teile aus Kunststoff mischen sich unter den feinen Sand, dazu kommen Flaschen, Fischernetze, Plastikteller und vieles mehr. Einige Bewohner beseitigen regelmäßig den angeschwemmten Müll. Staatliche Förderung gibt es dafür nur wenig.

Erst ganz allmählich findet ein Umdenken statt. Auf Maui gibt es seit ein paar Jahren in den Supermärkten keine Plastiktüten mehr.

Noch dramatischer sind die Folgen des Müllteppichs, der zwischen Hawaii und den USA unter der Meeresoberfläche schwimmt. Durch ultraviolette Strahlung und den mechanischen Welleneinschlag wird das Plastik in kleine Teile zerschreddert, ohne sich jedoch biologisch abzubauen. Am Ende sind die Plastik-Kleinteile ähnlich groß wie das Plankton.

So gelangen sie in die Nahrungskette – mit gefährlichen Folgen für das Leben im Meer. Denn viele Tiere verwechseln den Müll mit Nahrung und werden entweder krank, weil sie die Gifte im Körper speichern, oder sie verhungern, da das Plastik den Magen verstopft.

Betroffen sind Fische, über die die Gifte schließlich auch zum Menschen gelangen. Aber auch Seevögel sind massiv bedroht. Drei von fünf Albatros-Küken verenden nach Greenpeace-Schätzungen, weil sie von ihren Eltern mit Plastik gefüttert werden.

Müllhaufen

In manchen Regionen sind Plastikteile verbreiteter als Plankton

Atomtests der Vergangenheit

Zwei Inseln wurden nach dem Zweiten Weltkrieg zu Atomtest-Anlagen: das Bikini-Atoll und Mururoa. Während die USA nach 67 gezündeten Bomben ihre Tests in den 1950er Jahren stoppten, hielten die Franzosen trotz internationaler Kritik bis 1996 an ihrem Testgebiet fest. Von 1966 bis 1996 zündeten sie insgesamt 46 Atombomben in der Atmosphäre und 147 unter Wasser.

Die früheren Arbeiter berichten, dass sie nicht von den Gefahren unterrichtet wurden und ohne Schutzkleidung unter freiem Himmel arbeiteten. Ihre Strahlenkrankheiten wurden von Frankreich lange nicht anerkannt, da offiziell kein Strahlenrisiko bestand.

Erst 2009 besann sich Paris und erklärte sich zu Entschädigungszahlungen bereit. Noch heute sind sowohl das Bikini-Atoll als auch Mururoa unbewohnt. Die Bevölkerung wurde jeweils vor den Tests umgesiedelt.

Wasserpilz bei einem Atombombentests auf dem Bikini-Atoll

Das Bikini-Atoll und Moruroa sind wegen der Strahlengefahr unbewohnbar

Autorin: Christiane Gorse/Wiebke Ziegler

Stand: 22.01.2018, 13:43

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