Die erste Biene-Maja-Verfilmung

Eine Biene sitzt auf einer Blüte.

Kinderliteratur

Die erste Biene-Maja-Verfilmung

Von Annette Holtmeyer und Britta Schwanenberg

Während Bären, Rehe, Hasen oder andere Säugetiere reihenweise in Kinderbüchern zu Helden werden, spielen Insekten kaum eine Rolle – mit einer Ausnahme: Die Biene Maja ist in der ganzen Welt bekannt.

Bloß keine Disney-Verfilmung

Mindestens genauso beliebt wie das Buch ist inzwischen der Zeichentrickfilm "Die Biene Maja – Ihre schönsten Abenteuer", der Mitte der 1970er Jahre von Zweitem Deutschen Fernsehen (ZDF) und Österreichischem Rundfunk (ORF) entwickelt und vom ehemaligen Walt-Disney-Zeichner Marty Murphy umgesetzt wurde.

Waldemar Bonsels, der Autor des Maja-Buches, hat den Siegeszug der Comic-Figur nicht mehr erlebt – vielleicht zu seinem Glück, denn er hatte sich Zeit seines Lebens gegen eine Disney-Verfilmung gewehrt, weil er Angst davor hatte, dass seine Geschichte und seine abenteuerlustige Heldin auf diese Weise verkitscht und ins Lächerliche gezogen würden.

Seine volle Unterstützung hatte dagegen der Stummfilm "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" von Regisseur Wolfram Junghans aus dem Jahr 1926. Alle Rollen wurden von lebenden Insekten und anderen Kleintieren gespielt, was die Dreharbeiten nicht gerade einfach machte.

Der gelernte Biologe Junghans hatte für den Film im Berliner Zoo ein Terrarium aufgebaut, in dem die Tiere lebten.

Tücken bei den Dreharbeiten

Das Problem war, dass das Drehbuch Szenen vorsah, die dem natürlichen Instinkt der Darsteller widersprachen. So weigerte sich zum Beispiel die Biene, die die Maja spielte, in das Netz der bösen Spinne Thekla zu fliegen – eine Geschichte, die Bonsels in seinem Buch beschreibt.

Stattdessen flog das Tier immer wieder am Netz vorbei, sodass es am Ende betäubt hineingelegt werden musste.

Genauso kompliziert gestaltete sich die Szene, in der der Mistkäfer Kurt die Biene Maja befreit. Regisseur und Kameraleute schubsten den Käfer immer wieder in die richtige Richtung und machten sich selbst an dem Netz zu schaffen, bis die Bilder vom Mistkäfer, der das Spinnennetz zerreißt, endlich im Kasten waren.

Die größte Herausforderung für das Filmteam war es jedoch, die von Bonsels geschilderte Schlacht zwischen Bienen und Hornissen darzustellen. Ein Hornissenschwarm wurde eine Woche lang ausgehungert und dann vor laufender Kamera auf das Bienenvolk gehetzt.

Womit keiner gerechnet hatte: Sobald die Tiere von den Scheinwerfern angestrahlt wurden, hörten sie auf zu kämpfen. Also wurde eigens ein neuer Hornissenschwarm unter Licht gezüchtet und erneut ausgehungert.

Beim zweiten Versuch waren die Dreharbeiten erfolgreich – jetzt waren die Insekten bereit, sich bei ihrer tödlichen Schlacht filmen zu lassen.

Insgesamt 21 Monate drehte das Team, bis "Die Biene Maja und ihre Abenteuer" fertig war. Der Film, der mit teils dramatischer Musik unterlegt und mit Zwischentiteln versehen ist, wurde von der Kritik als bedeutender "Kulturfilm" hymnisch gefeiert; ein großer Publikumserfolg war er nicht.

Vom Filmarchiv des Bundesarchivs wurde die erste Maja-Verfilmung inzwischen mit Unterstützung der "Waldemar-Bonsels-Stiftung" restauriert.

WDR | Stand: 11.08.2020, 11:45

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