New Orleans – Blues liegt in der Luft

Schrill kostümierte Menschen feiern Mardi Gras in New Orleans.

Blues

New Orleans – Blues liegt in der Luft

New Orleans ist bunt. Die Stadt im Süden der USA ist ein Schmelztiegel der Kulturen. Die Menschen hier prägten den Jazz, die Cajun-Musik und den Blues. Aus den Clubs schallt Live-Musik. Und zum Mardi Gras, zur Karnevalszeit, herrscht in der Stadt jedes Jahr der Ausnahmezustand.

Von Franzosen gegründet: La Nouvelle-Orléans

Dort wo heute New Orleans liegt, mündet der Mississippi in den Golf von Mexiko. Die indigene Bevölkerung, die hier einst lebte, schätzte die Lage. Lange vor den ersten Siedlern aus Europa: Archäologische Spuren reichen bis ins vierte Jahrhundert vor Christus zurück.

1690 zogen Pelzjäger und Händler aus Frankreich in das Gebiet und bauten Hütten entlang der Bucht. Aus der losen Besiedlung wurde eine befestigte Stadt. Die Franzosen tauften die Stadt "La Nouvelle-Orléans" und ernannten sie zur Hauptstadt des französischen Kolonialgebietes Louisiana.

Napoleon gab Louisiana an die Vereinigten Staaten

Ein Gebiet, das unter anderem den heutigen US-Bundesstaat Louisiana umfasste und bis an die Grenze Kanadas reichte. Nach Ende des Siebenjährigen Kriegs 1763, der sowohl im alten Europa als auch in den neuen Kolonien geführt wurde, verloren die Franzosen das Gebiet an die Briten. Diese übergaben Louisiana wiederum an die Spanier – im Tausch gegen Florida.

In La Nouvelle-Orléans sprachen die Menschen aber weiterhin französisch. Anfang des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Bürger stark an: Einwanderer, die französisch sprachen, kamen aus Kuba, Südamerika oder Haiti.

Tausende von Sklaven wurden aus Afrika hierhin verschleppt. Im Jahr 1803 verkaufte Napoleon Bonaparte die Kolonie Louisiana für 15 Millionen US-Dollar an die Vereinigten Staaten. Ein Schnäppchen für ein Gebiet, das heute ein Viertel des Staatsgebietes der USA ausmacht.

Eine Landkarte um 1803 zeigt die französische Kolonie Louisiana.

Louisiana - eine riesige Kolonie Frankreichs

Küche, Karneval und Katrina

Das Französische hat sich New Orleans bis heute bewahrt. Die Häuser eines ganzen Stadtviertels erinnern noch an die Zeit, als die Franzosen hier das Sagen hatten.

Aber auch die vielen Einwanderer haben das Leben in New Orleans nachhaltig beeinflusst. Die Küche ist zum einen französisch geprägt, zum anderen finden sich darin exotische Zutaten, etwa aus Mittel- und Südamerika.

Die Einwanderer haben auch den Mardi Gras geprägt. Der "fette Dienstag" ist der Höhepunkt des Karnevals in New Orleans. Ein Fest, das die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt.

Der Brauch stammt von katholischen Siedlern aus Frankreich. Mit dem Mardi Gras feierten sie das Ende der fetten Tage – und damit den Beginn der Fastenzeit. Bis Aschermittwoch wird zwei Wochen lang ausgiebig gefeiert. Es ist ausgelassener Straßenkarneval mit Paraden und vielen bunt und schrill verkleideten Menschen.

Jedes Jahr zieht das Spektakel die Touristen nach New Orleans. Nach den Verwüstungen durch den Wirbelsturm Katrina waren die Mardi-Gras-Feierlichkeiten für die Einwohner von New Orleans vor allem wichtig: Sie wollten damit ein Zeichen für ihr Durchhaltevermögen setzen.

Wohnhaus im französischen Viertel von New Orleans.

Wohnhaus im französischen Viertel von New Orleans

Cajun, Zydeco und Jazz

Cajun und Zydeco sind zwei Musikrichtungen, die aus New Orleans stammen. Mitte des 18. Jahrhunderts flohen viele Siedler aus der Region um Quebec – aus der französischen Kolonie Akadien – gen Süden. Viele von ihnen landeten im heutigen Louisiana und in New Orleans. Die Flüchtlinge brachten ihre Folklore-Melodien, -Lieder und -Instrumente mit.

Die Cajun-Musik spielen die Musiker mit der Geige und mit dem Akkordeon. Die Texte sind meist auf Französisch. Später mischte sich Cajun-Musik mit Country, Rock und Blues – es entstand eine neue Musik, der Zydeco, die nicht bloß in den USA sehr populär ist. Zwei der erfolgreichsten Vertreter des Zydeco sind Zachary Richard und Clifton Chenier.

New Orleans ist aber auch eine wichtige Stadt für den Jazz. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist hier der Dixieland-Jazz entstanden, dessen Ursprung in der französischen Tanzmusik liegt und in Marschmusik mit ihren typischen Blechblasinstrumenten. Dixieland ist ein alter Name für die Südstaaten der USA, wo der Dixieland-Jazz geboren wurde.

Ein Blues Club an der Bourbon Street in New Orleans.

Ein Blues Club an der Bourbon Street in New Orleans

Die Stadt des Blues

In New Orleans gibt es jede Menge Clubs und Bars, in denen Livemusik gespielt wird. In der Stadt hat sich eine Blues-Szene entwickelt, die einen eigenen Stil hervorgebracht hat. Dieser basiert zwar auf dem Südstaaten-Blues, doch nicht selten hört man im New-Orleans-Blues-Sound karibische Rhythmen.

Dieses Stilelement geht auf die vielen Einwanderer zurück, die im 19. Jahrhundert aus der Karibik kamen und in New Orleans eine neue Heimat fanden. Der Gesang des New-Orleans-Blues ist stark an den Gospel angelehnt. Als Solo-Instrument kommt oft das Saxophon zum Einsatz.

Ein wichtiger Pianist aus New Orleans war Henry Roeland Byrd (1918-1980), besser bekannt als Professor Longhair. Der Autodidakt begann seine Karriere im Alter von 30 Jahren. Auch Fats Domino oder James Booker gehörten zu tonangebenden Blues-Pianisten aus New Orleans.

Die Blues-Metropole im Süden der USA hat aber auch einen bekannten Blues-Gitarristen zu bieten: den im Alter von 32 Jahren verstorbenen Eddie Jones. Als Guitar Slim schrieb er 1953 den Blues-Hit "The Things That I Used To Do", der nicht nur zum Millionen-Erfolg, sondern auch zum Blues-Klassiker wurde.

Viele große Musiker haben das Stück aufgenommen, darunter Muddy Waters, Albert Collins und der R'n'B-Gitarrist Stevie Ray Vaughan.

Menschen drängen sich durch die Bourbon Street in New Orleans.

Hier pulsiert das Leben: Bourbon Street New Orleans

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 24.08.2017, 10:18

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