Jakobus – "Bruder des Herrn"

Porträt in schwarz-weiß: Flavius Josephus

Jesus von Nazareth

Jakobus – "Bruder des Herrn"

Im Oktober 2002 ging eine Meldung um die Welt: Der französische Archäologe und Schriftkundler André Lamaire hatte die aramäische Inschrift eines Knochensarges, der auf circa 60 nach Christus datiert wurde, entziffert. Sie lautete: "Jakobus, Sohn von Joseph, Bruder Jesu". Ob diese archäologische Entdeckung mit Jesus von Nazareth, seiner Familie und seinem Leben in Verbindung zu bringen ist, ist unter Wissenschaftlern aber umstritten.

Ein Mann des Ausgleichs

Folgt man dem Markus-Evangelium (6,3), so war Jakobus, der auch den Beinamen "der Gerechte" trägt, tatsächlich neben Joses, Judas und Simon der älteste Bruder Jesu. Im katholischen Glauben sieht man in Jakobus einen "Vetter" Jesu, da die Lehre von der Reinheit Marias keine Geschwister Jesu zulässt.

Wie seine Familie und Verwandtschaft stand offenbar auch Jakobus dem Wirken seines "Bruders" lange Zeit verständnislos gegenüber. Jesus veränderte durch seine Botschaft die damalige Glaubenswelt. Er predigte, dass Gottes Liebe alle erfahren können – nicht nur das jüdische Volk, sondern auch die Ehrlosen, Prostituierten und Kranken.

Natürlich geriet Jesus damit in Konflikt mit den Hohepriestern des Judentums. Für sie waren die Juden das "auserwählte Volk" Gottes, zu dem sich nicht einfach jeder bekennen konnte.

Jakobus soll bekehrt worden sein, nachdem Jesus ihm nach seiner Kreuzigung erschien (erster Brief an die Korinther, Kapitel 15). In der Folgezeit spielte Jakobus eine zentrale Rolle in der Jerusalemer "judenchristlichen" Gemeinde.

Nach der Flucht des Apostels Petrus zählte Jakobus zusammen mit Johannes zur Gruppe, die der Urgemeinde vorstand. Er gehörte zu jenen, die für ein Fortbestehen der jüdischen Tradition und für das Bekenntnis zu den Wurzeln des Christentums im Judentum stimmten.

Obwohl er selbst streng nach den jüdischen Glaubensregeln lebte, vertrat Jakobus gegenüber den "Heidenchristen" eine gemäßigte Position, von denen er keinen Gehorsam gegenüber den Gesetzen der Thora forderte. So trat er dafür ein, dass die Beschneidung für Heidenchristen nicht verbindlich sein sollte, sondern nur die Einhaltung der Speisegesetze.

Durch seine Haltung ermöglichte Jakobus ein ungestörtes Zusammenleben zwischen Juden und Heidenchristen. Jakobus ist dadurch zum Mann des Ausgleichs geworden zwischen dem traditionellen jüdischen Glauben und dem aufstrebenden Christentum.

Sein Tod

Die römischen Schriften des Flavius Josephus, eines jüdischen Historikers, berichten glaubhaft von Jakobus' gewaltsamen Sterben: Nach dem Tod des Statthalters Festus in Judäa nutzte der jüdische Hohepriester Ananos II. das Machtvakuum im Land, um gegen Jakobus vorzugehen: Er ließ ihn um 62 nach Christus steinigen.

Autorin: Cordula Weinzierl

Stand: 15.12.2017, 16:00

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