Die Varusschlacht

Ein Gemälde zeigt die Schlacht im Teutoburger Wald

Römer in Germanien

Die Varusschlacht

"Quinctilius Varus, gib die Legionen zurück!", soll Kaiser Augustus verzweifelt ausgerufen haben. Ob es diesen Ausruf tatsächlich gegeben hat oder ob er nur eine Legende ist, wird wohl nie geklärt werden.

Römische Expansionsgelüste

Fest steht jedoch, dass mehr als 15.000 römische Soldaten im Jahre 9 nach Christus ihr Leben im Kampf gegen die Germanen ließen. In nur drei Tagen besiegten germanische Stämme unter ihrem Anführer Arminius die als unschlagbar geltenden römischen Legionen. Die nach ihrem Verlierer benannte Varusschlacht veränderte für immer Roms Bestreben, die germanischen Völker rechts des Rheins zu unterwerfen.

Eine Karte zeigt das Imperium Romanum zur Zeit seiner größten Ausdehnung

Das Imperium Romanum in seiner größten Ausdehnung

Unter Kaiser Augustus (63 vor Christus bis 14 nach Christus) sind die linksrheinischen Gebiete Germaniens bereits fest in römischer Hand. Städte wie Köln, Xanten und Trier sind blühende Metropolen, zahlreiche befestigte Heerlager erstrecken sich entlang des Rheins.

Doch Rom will mehr. Unter dem draufgängerischen Feldherrn Drusus dringen römische Soldaten 11 vor Christus bis zur Elbe vor. Mit äußerster Brutalität unterwerfen sie ihre germanischen Gegner.

Doch ohne geschickte Bündnisse mit den einzelnen Germanenstämmen ist das eroberte Gebiet nicht lange zu halten. Es kommt immer wieder zu kleineren Aufständen zwischen Rhein, Main und Elbe.

Nach dem plötzlichen Tod von Drusus übernimmt dessen Bruder Tiberius den Oberbefehl in Germanien. Tiberius setzt mehr als seine Vorgänger auf diplomatisches Geschick. Ganze Germanenstämme werden von rechtsrheinischen Gebieten in linksrheinische umgesiedelt, um sie der römischen Zivilisation anzupassen.

Andere, mit Rom befreundete Stämme, werden als Puffer zwischen den römisch besetzten Gebieten und dem unbesetzten Germanien angesiedelt. Um die Zeitenwende scheint Germanien befriedet zu sein. Die Grundlage für weitere römische Eroberungen ist gelegt.

Varus kommt nach Germanien

Konterfei des Varus auf einer Münze.

Varus machte sich schnell unbeliebt bei den Germanen

Im Jahr 7 nach Christus wird Publius Quinctilius Varus als Statthalter in Germanien eingesetzt. Einige römische Quellen bezeichnen ihn als friedfertigen und zurückhaltenden Menschen, andere dagegen als rücksichtslosen und brutalen Ausbeuter.

Kaum in Germanien angekommen, mischt sich Varus schnell in die Angelegenheiten verbündeter Germanenstämme ein. Der Statthalter ist so von der Überlegenheit der römischen Zivilisation überzeugt, dass er die Germanen mehr als Sklaven denn als Verbündete behandelt.

Sie müssen hohe Tributzahlungen leisten und sich in allen Belangen der römischen Lebensart unterordnen. Die Unzufriedenheit unter den Germanen wächst. Doch wegen der enormen römischen Militärpräsenz scheuen sie einen bewaffneten Aufstand.

Arminius - ein "römischer" Germane

Lange Zeit sind die germanischen Stämme so zerstritten, dass sie einen gemeinsamen Aufstand gegen das übermächtige Rom nicht organisieren können. Doch im Gefolge von Varus wird ein charismatischer junger Germane, der in Diensten der römischen Armee steht, nach Germanien versetzt: Arminius, der Cherusker.

Historischer Stich: Arminius während einer Schlacht auf seinem Pferd.

Arminius wurde als römischer Soldat ausgebildet

Vieles spricht dafür, dass Arminius, der aus einem germanischen Fürstengeschlecht stammt, im Kindesalter als Geiselpfand nach Rom gebracht wurde. Diese Praktik wenden die Römer häufig an, um sich die Gefolgschaft hochrangiger Verbündeter zu sichern.

Arminius tritt als junger Mann in die römische Armee ein und macht eine beachtliche Karriere. In Germanien soll er Varus bei der Erweiterung der römischen Provinz unterstützen.

Für den Statthalter ist es trotz Warnungen vor Arminius undenkbar, dass ein hochrangiger römischer Soldat sich gegen ihn wenden könnte. Doch Arminius schafft es, zahlreiche germanische Stämme zu verbünden und zum Kampf gegen Rom zu gewinnen.

Warum aus einem hochrangigen Mitglied der römischen Armee ein erbitterter Gegner des Imperiums wird, bleibt im Dunkel der Geschichte.

Viel ist darüber spekuliert worden: von Arminius' Wunsch, der erste König Germaniens zu werden über einen persönlichen Rachefeldzug wegen seiner Entführung im Kindesalter bis hin zur möglichen Besinnung auf seine germanische Herkunft.

Auch eine zu geringe Aufstiegschance in der römischen Armee wird oft als Grund angeführt, doch die antiken Quellen geben keine Auskunft über Arminius' wahres Motiv.

Die Vernichtung der römischen Legionen

Arminius kennt die römische Kriegsführung genau und weiß, dass er auf offenem Feld keine Chance gegen die Legionen hat. Er muss sie also in einen Hinterhalt locken. Im Jahr 9 nach Christus ist die Gelegenheit gekommen. Varus befindet sich mit drei Legionen im Hinterland Germaniens und will gerade den Rückweg antreten.

Arminius, der zu diesem Zeitpunkt noch enger Vertrauter von Varus ist, streut das Gerücht, dass abseits der geplanten Route einige Germanen einen Aufstand planen. Varus fällt darauf herein und nimmt einen Umweg in Kauf.

Zwei Männer in römischen Uniformen stellen eine Kampfszene nach

Die Varusschlacht wird nachgespielt

Dieser Umweg führt die römischen Soldaten im strömenden Regen durch unwegsames Gelände. Sie müssen dichte Wälder und morastige Sümpfe passieren. Die Wege sind so schmal, dass sie nur hintereinander gehen können. Über mehrere Kilometer erstreckt sich der römische Tross. Genau diese Situation wollte Arminius herbeiführen.

An einer besonders unwegsamen Stelle greifen germanische Horden die Armee blitzschnell an und verschanzen sich dann wieder hinter Wallanlagen. Die Römer können sich nicht zu ihrer üblichen Kriegsformation zusammenfinden und müssen in ihren schweren Rüstungen Mann gegen Mann gegen die Germanen kämpfen.

Mit dieser Guerillataktik zermürbt Arminius die römischen Legionen drei Tage lang, dann ist der Spuk vorbei.

Schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Römer verlieren in diesen Tagen ihr Leben. Ihr Heerführer Varus begeht noch auf dem Schlachtfeld Selbstmord. Mit einer zahlenmäßig deutlich unterlegenen Schar von Angreifern fügt Arminius der als unbesiegbar geltenden römischen Armee eine vernichtende Niederlage zu.

Die Folgen der Schlacht

Die Schmach der Niederlage kann Rom nicht auf sich sitzen lassen. Kaiser Augustus verstärkt das Heer am Rhein und lässt Arminius gnadenlos verfolgen. Die römische Armee unter ihrem Heerführer Germanicus zieht mordend und brandschatzend durchs Land.

Computergrafik, die römisches Leben am Limes zeigt.

Der Limes trennt die Germanen von den Römern

Doch Germanicus gelingt es nicht, Arminius zu stellen. Dieser entzieht sich immer wieder geschickt dem Zugriff und fügt der römischen Armee in einem erbittert geführten Kleinkrieg weitere Niederlagen zu.

Im Jahr 16 nach Christus beendet Kaiser Tiberius, der Nachfolger von Kaiser Augustus, die wenig erfolgversprechenden Germanienfeldzüge. Die Römer ziehen sich endgültig auf die linke Seite des Rheins zurück und verzichten auf eine Ausweitung der Provinz Germanien.

In Zukunft sollen lediglich die Grenzen der bestehenden Provinz gesichert werden. Dies führt knapp 70 Jahre später zur Errichtung einer gewaltigen Wallanlage, die das römisch besetzte Germanien vom "Barbarenland" trennt: der Limes.

Kalkriese - der Ort der Schlacht?

Es existieren mehr als 700 Theorien, wo die Varusschlacht stattgefunden haben soll. Da die antiken Quellen zu ungenau sind, lässt sich trefflich über den tatsächlichen Ort spekulieren. Doch seit den 1980er Jahren machen archäologische Ausgrabungen den Fundort Kalkriese zum Favoriten unter den Wissenschaftlern.

Ob die Varusschlacht tatsächlich in Kalkriese stattgefunden hat, ist nicht bewiesen, doch es sprechen einige Indizien dafür. Anhand von Funden kann man feststellen, dass eindeutig kriegerische Auseinandersetzungen in Kalkriese stattgefunden haben.

Bau des Museums in Kalkriese.

Im Museum ist der Großteil der Funde ausgestellt

Auch die Zeit der Kampfhandlungen kann man eingrenzen, da keine Funde aus der Zeit nach 9 nach Christus gemacht wurden. Dazu sprechen allein die Vielzahl militärischer Fundstücke und die Größe der Ausgrabungsfläche dafür, dass hier eine große Schlacht stattgefunden hat.

Neuere Ausgrabungen aus dem Jahr 2009 haben sogar einen langen Wall freigelegt, der den Germanen als Hinterhalt gedient haben soll. Auch wenn sich Kritiker immer noch gegen die Bestimmung von Kalkriese als Fundort wehren, so inszeniert sich der Ort selbst perfekt als Stätte der Varusschlacht.

In einem eigens eingerichteten Museum sind die Funde der Ausgrabungen ausgestellt, und in Führungen kann das gesamte Ausgrabungsfeld des archäologischen Parks besichtigt werden.

Autor/in: Tobias Aufmkolk

Stand: 20.01.2015, 12:00

Darstellung: