Herzinfarkt

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Herzinfarkt

Jeden Tag werden in Deutschland rund 11.000 Menschen mit dem Verdacht auf Herzinfarkt in ein Krankenhaus eingeliefert. In zehn Prozent aller Fälle wird tatsächlich ein Herzinfarkt diagnostiziert. Dass hauptsächlich ältere Männer, Typ gestresster Manager, von einem Herzinfarkt betroffen sind, galt noch für die 1960er und 1970er Jahre.

Wer bekommt einen Herzinfarkt?

Heute sind Frauen genauso stark betroffen wie Männer. Der typische Infarkt-Kandidat heute stammt aus sozial schwächeren Bevölkerungsschichten. Menschen, die Fast Food oder deftige Hausmannskost bevorzugen und für die Entspannung ein Fremdwort ist. Ebenso gilt dies für mittlere Angestellte, die unter starkem Leistungsdruck in Job und Familie stehen.

Die Herzmuskulatur wird durch die Herzkranzgefäße versorgt, die unmittelbar am Herzen von der Aorta abzweigen. Meist liegt einem Herzinfarkt eine Verengung der Herzkranzgefäße zugrunde, die man Arteriosklerose nennt. Wird eine solche Engstelle durch ein Blutgerinnsel verstopft, werden alle dahinter liegenden Herzmuskelbezirke nicht mehr mit Blut versorgt.

Die Herzmuskelzellen leiden unter akutem Sauerstoffmangel und sterben innerhalb weniger Stunden ab. Je nachdem, wo diese Verstopfung auftritt, sterben lebenswichtige Teile des Herzmuskels ab.

Je größer der unterversorgte Bereich ist, desto gravierender sind die Folgen. Einmal abgestorbenes Herzmuskelgewebe kann sich nicht wieder regenerieren. Es bildet eine Narbe, bei dem die abgestorbenen Zellen durch Bindegewebe ersetzt sind.

Ist der betroffene Bereich zu groß, kann das Herz ganz versagen. Überlebt der Patient, bleiben ihm häufig Herzrhythmusstörungen und eine verminderte Herzleistung.

Was sind die Ursachen?

Die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt ist Arteriosklerose der Herzkranzgefäße. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Blutfett Cholesterin. Verfügt der Körper über zu viel Cholesterin, lagern sich häufig an Eiweißstoffe gebundene Cholesterinmoleküle als dünne Zellschicht an den Arterienwänden ab und verkleinern den Querschnitt der Arterie.

Reißt diese auch Plaque genannte Schicht, bilden sich Blutgerinnsel, die die Arterie ganz verstopfen können. Andere Ursachen können auch aus anderen Körperteilen angespülte Blutgerinnsel (Embolie), Gefäßentzündungen oder angeborene Missbildungen sein. Auch Drogenmissbrauch, insbesondere von Kokain, kann zu einem Herzinfarkt führen.

Wirkt sich die Arteriosklerose auch erst im mittleren Lebensalter aus, beginnt sie jedoch bereits im Kindesalter. Serienmäßige Obduktionen an gefallenen Soldaten im Koreakrieg haben ergeben, dass bereits bei einem Drittel der jungen Männer Fettablagerungen an den Arterienwänden zu finden waren. Bei jedem Zehnten von ihnen waren die Ablagerungen so dick, dass mehrere Blutgefäße schon nahezu blockiert waren.

Die häufigsten Risikofaktoren

  • Fett- und eiweißreiche Ernährung
  • Zu wenig Bewegung
  • Hoher Blutdruck
  • Stress in Beruf und Privatleben
  • Übergewicht
  • Rauchen
Blaugraue Zigarettenrauchwolke, am rechten Bildrand ein Gesicht im Profil im Großformat.

Rauchen – einer der Risikofaktoren

Wodurch wird ein Herzinfarkt ausgelöst?

Ausgelöst wird der Herzinfarkt durch emotionalen Stress oder körperliche Anstrengung. Viele Menschen erleiden einen Herzinfarkt gerade dann, wenn sie sich nach einer Stressphase erholen wollen, bei älteren Menschen häufig wenige Wochen nach der Pensionierung.

Dabei spielen vermutlich Stresshormone und Veränderungen im vegetativen Nervensystem eine Rolle. Auch überwältigende emotionale Ereignisse wie der überraschende Tod einer nahestehenden Person oder ein großer Schreck können einen Herzinfarkt auslösen.

Wie erkennt man einen Herzinfarkt?

Die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt sind:

  • Sehr starke, anhaltende Schmerzen im Brustkorb, die in die Arme (häufig nur den linken Arm) ausstrahlen, aber auch in den Oberbauch, in Schulterblätter, Nacken und Unterkiefer. Die Schmerzen können brennend sein.
  • Ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust
  • Atemnot, der Betroffene muss sich hinsetzen oder hinlegen
  • Kalte Schweißausbrüche
  • Blasse, fahle Gesichtsfarbe
  • Todesangst
  • Plötzliche Übelkeit mit Erbrechen (häufig bei Frauen)
  • Kreislaufkollaps mit oder ohne Ohnmacht

Was sollte man bei einem Herzinfarkt tun?

  • Rufen Sie einen Arzt, am besten einen Notarzt oder über die Feuerwehr einen Krankenwagen (Tel. 112). Bei einem Herzinfarkt ist jede Sekunde entscheidend. Wer innerhalb der ersten zwei bis vier Stunden nach einem Herzinfarkt ins Krankenhaus kommt, hat die besten Überlebenschancen.
  • Beruhigen Sie den Patienten. Reden Sie ihm gut zu, dass der Arzt sofort kommt. Lassen Sie ihn keinesfalls allein. Herzinfarkt-Patienten haben oft Todesangst.
  • Vermeiden Sie Panik und Aufregung.
  • Hat der Patient Arzneimittel gegen Herzinfarkt wie Nitro-Spray oder Nitro-Kapseln, versorgen Sie ihn damit.
  • Legen Sie den Patienten hin, den Oberkörper etwas erhöht, um das Herz zu entlasten, oder setzen Sie ihn in einen bequemen Sessel.
  • Lockern Sie alle einengenden Kleidungsstücke wie Gürtel, Krawatte, Büstenhalter.
  • Decken Sie den Patienten zu, damit er nicht friert.
  • Wenn der Patient bewusstlos ist, bringen Sie ihn in die sogenannte stabile Seitenlage. Dabei ziehen Sie den unten liegenden Arm etwas nach hinten und winkeln das unten liegende Bein etwas an. Der Kopf liegt leicht nach hinten überstreckt auf dem Unterarm des oberen Armes. Die stabile Seitenlage verhindert, dass die Zunge in den Rachen fällt und der Patient erstickt.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Notarzt oder die Feuerwehr das Haus sofort finden und ungehindert erreichen können.

Wie wird ein Herzinfarkt behandelt?

Im Krankenhaus stellen die Ärzte mit einem Elektrokardiogramm (EKG) fest, ob ein Herzinfarkt vorliegt und wenn ja, welcher Teil des Herzens betroffen ist und wie groß der Schaden ist. Mit einer Blutuntersuchung lässt sich anhand bestimmter Eiweißstoffe feststellen, wie schwer der Herzinfarkt war und wann er eingesetzt hat.

Mit Schmerzmitteln und Beruhigungsmitteln wird der Patient beruhigt, Betablocker setzen Schlagkraft und Frequenz der Herztätigkeit herab. Gerinnungshemmer verhindern die Entstehung neuer Verstopfungen. Mit gefäßerweiternden Mitteln wird die Durchblutung des Herzens verbessert, und über eine Atemmaske kann zusätzlicher Sauerstoff zugeführt werden.

Einer der wichtigsten Gründe, mit einem Herzinfarktverdacht sofort das nächste Krankenhaus aufzusuchen, ist die sogenannte "Lyse-Therapie". Sie besteht aus einer Infusion mit Eiweißstoffen wie Streptokinase, Urokinase und t-PA, die die Blutgerinnsel in den verstopften Arterien auflösen.

Je eher das Blut ungehindert fließen kann, desto größer sind die Chancen, dass die Herzmuskelzellen erhalten bleiben. Deshalb muss die "Lyse" so bald wie möglich nach dem Infarkt erfolgen.

Eine geöffnete Brust, im Vordergrund Hände mit Gummihandschuhen und chirurgischen Werkzeugen

Eine Herzoperation am Universitäts-Klinikum Jena

Sind die akuten Beschwerden behoben, können die verstopften Herzkranzgefäße mit chirurgischen Methoden zumindest teilweise wieder geöffnet werden:

  • Bei der "Ballon-Dilation" wird mit einem Katheter ein Ballon in die verengte Arterie eingeführt. Beim Aufblasen drückt er die weichen Ablagerungen an die Wand.
  • Ist die Herzarterie bereits ermüdet und brüchig und wird vorrangig durch die harte Plaque stabilisiert, kann ein "Stent" genanntes Drahtgeflecht eingesetzt werden, das die Arterie von innen wie ein Korsett stützt. Mit der Zeit wächst der "Stent" in die Gefäßwand ein.
  • Harte arteriosklerotische Krusten, die neben Fett vor allem Kalk enthalten, können mit einer winzigen Diamantfräse beseitigt werden. Vielfach wird in solchen Fällen heute auch mit Laser gearbeitet.
  • In den 1960er Jahren entwickelt, ist die hochkomplexe Bypass-Operation inzwischen ein Routineeingriff. Dabei werden Engpässe und undurchlässige Arterien am Herzen mit kleinen Venen-Stücken überbrückt, die der Arzt aus den Beinen des Patienten entnimmt. Mit der Zeit passen sich die Venenstücke ihrer neuen Aufgabe als Arterie an und bilden ihre Gefäßwand um.
Nahaufnahme: Eine Zange hält einen Stent - eine kleine Drahtröhre, mit deren Hilfe verstopfte Blutgefäße geöffnet und offen gehalten werden können.

Das Einsetzen eines Stents gehört heute zu den gängigen Methoden

So hochentwickelt diese chirurgischen Möglichkeiten heute sind, sie zeigen auf längere Sicht keinen Nutzen, wenn der Patient nicht aktiv an seiner Heilung mitwirkt und seine Lebensweise ändert.

Dazu gehört unbedingt der Verzicht auf das Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, die Umstellung der Essgewohnheiten, regelmäßige Bewegung und die konsequente Vermeidung von belastendem Stress.

Autor: Johannes Hirschler

Stand: 18.04.2017, 16:02

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