Mobiler Hochwasserschutz

Ein Mann steht in Gummistiefeln vor einem Deich aus Sandsäcken

Oder

Mobiler Hochwasserschutz

Von Alexandra Trudslev

Wie funktioniert mobiler Hochwasserschutz am besten?

Was plötzliches Hochwasser anrichten kann, wurde nach den Katastrophen 1997 an der Oder und 2002 an der Elbe deutlich. Was also tun, wenn das Wasser schnell und plötzlich steigt? Ist der Sandsack noch die modernste Lösung?

In Europa ist der mobile Hochwasserschutz seit den Überflutungen an Oder und Elbe immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Zahlreiche Experten suchen nach den besten Schutzmöglichkeiten vor dem unvorhergesehenen Wasser.

Weil nicht sämtliche Flussabschnitte fest eingedeicht werden können, sind zusätzlich mobile Systeme gefragt. Sie müssen flexibel und kostengünstig sein, sich in die Landschaft einfügen, schnell zur Hand und unkompliziert im Aufbau sein.

Bisher hat der Katastrophenschutz hier oft auf den klassischen Sandsack zurückgegriffen. Tatsächlich erfüllt diese Methode viele der oben beschriebenen Bedingungen.

Aber: Der Leinensack muss befüllt, geschleppt und einzeln geschichtet werden. Er braucht also viele starke Hände. Zehn Arbeitskräfte schaffen pro Stunde etwa 400 Sandsäcke. Die maximale Höhe der Schutzmauer liegt etwa bei 1,5 Meter. Der Aufwand ist immens.

Deshalb bekommt der Sandsack seit einiger Zeit Konkurrenz von anderen mobilen Systemen. Mittlerweile ist eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt, vor allem für den städtischen Bereich.

Weil der Untergrund hier meistens sehr eben ist, kommen zum Beispiel Rohrsysteme oder verzahnte Gitterkörbe erfolgreich zum Einsatz. Die Rohre oder Körbe können sehr schnell maschinell mit Kies oder Sand gefüllt werden und bieten noch in drei Metern Höhe Schutz vor dem Wasser.

Zusätzlich greifen immer mehr Städte auf halbmobile Systeme zurück. Hierbei handelt es sich um mobile Wände oder Winkelsysteme, die an der Uferzone eingebaut sind und bei Bedarf einfach hoch geklappt werden.

Die neuen Deiche sind ein neues El Dorado für gewitzte Erfinder: Schweizer Experten haben sogar Bürgersteige entwickelt, die sich bei Hochwassergefahr hochklappen lassen.

Diese Stahl-Bürgersteige werden elektrisch oder gar per Handkurbel senkrecht hochgefahren und bieten entsprechenden Schutz. Vorteil: Die Wartung ist unkompliziert. Nachteil: Das Klappsystem kostet viel Geld und ist nur für wenige Gemeinden zu finanzieren.

Was den Sandsack angeht, so gilt er gerade im unwegsamen Gelände und bei Deichbefestigungen immer noch als bewährter Arbeitsgegenstand. Doch die Konkurrenz schläft nicht.

Stand: 18.06.2019, 10:59

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