Heuschrecken – bunt und musikalisch

Heuschrecken – bunt und musikalisch

Von Joachim Budde

Heuschrecken liefern mit ihrem Zirpen den Soundtrack zum Sommer. Aber die unterschiedlichen Heuschreckenarten fallen auch durch ihr Aussehen auf.

Die Ameisengrille (Myrmecophilus acervorum) ist die kleinste Art unter den Langfühlerschrecken in Deutschland. Sie wird gerade einmal einen knappen halben Zentimeter lang. Die Ameisengrille schleicht sich als Parasit in Ameisennester ein. Rätselhaft: In Deutschland hat man bislang nur Weibchen wie dieses gefunden. Vielleicht kommt diese Art ohne Männchen aus. Für diese sogenannte Parthogenese gibt es einige Beispiele unter den Insekten: Die Töchter, die aus den Eiern schlüpfen, sind dann Klone der Mütter.

Wie eine Tunnelbohrmaschine wühlt sich die Maulwurfsgrille (Gryllotalpa gryllotalpa) durchs Erdreich auf der Suche nach Insektenlarven oder Wurzeln. Auch diese Grillen singen; dabei sitzen sie abends in einem trichterförmigen Gang knapp unter der Erdoberfläche, den sie sich gegraben haben. Das langanhaltende Rollen ist bis zu 40 Meter weit zu hören.

Der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) ist eine der größten und markantesten Heuschreckenarten in Deutschland. Das Insekt hat sehr kräftige Kauwerkzeuge, die sogar die Haut des Menschen verletzen können. Früher glaubte man, ihre Bisse könnten Warzen heilen. Dieses Weibchen ist an seinem langen Legebohrer zu erkennen, der wie ein grauer Degen nach hinten aus ihrem Hinterleib ragt.

Was sagt die Nachtigall wohl dazu, dass dieser Grashüpfer (Chorthippus biguttulus) nach ihr benannt ist? Jedenfalls beschreiben Heuschreckenexperten den Gesang des Nachtigall-Grashüpfers als metallisch-scheppernd wie bei einer Kinderrassel. Die Art ist eine der häufigsten hierzulande und liebt warme, trockene Lebensräume. Vielleicht sagt die Nachtigall zu diesem Weibchen: "Hallo Snack!" Denn Nachtigallen fressen viele Insekten.

Die Sumpfschrecke (Stethophyma grossum) gehört zu den Verlierern des Klimawandels, denn ihre Eier trocknen sehr leicht aus – und Dürreperioden werden in Mitteleuropa zunehmen. Zwar kann sie sehr gut fliegen, aber Sümpfe, Moore und Auenwiesen werden zunehmend trockengelegt. Viele der Tiere werden also vergeblich nach neuen Lebensräumen suchen.

Extravagant gefärbt, aber trotzdem bestens getarnt: So sehen die Männchen der Großen Höckerschrecke (Arcyptera fusca) aus. Und sie können – im Gegensatz zu ihren Artgenossinnen – ausgezeichnet fliegen. Sie lieben die Berge und kommen in den Alpen vor. In Deutschland leben sie lediglich auf dem Truppenübungsplatz Heuberg in der Schwäbischen Alb. Weil viele offene Flächen mit Büschen und Bäumen zuwuchern, verliert diese Heuschrecke ihren Lebensraum.

So ein Männchen der Feldgrille (Gryllus campestris) trägt eine Harfe auf dem Rücken. Man braucht nicht viel Phantasie, um das Instrument auf der rechten Seite des Tieres direkt unterhalb des beigen Streifens zu erkennen. Die Musik machen die Insekten aber, indem sie die Flügel schnell übereinanderreiben. Die ovale Fläche in Richtung Hinterteil des Tiers heißt Spiegel. Harfe und Spiegel steigern die Lautstärke des Gesangs.

Am spitzen, knallroten Hinterleibsende erkennt man die Männchen des Heidegrashüpfers (Stenobothrus lineatus). Dies ist die häufigste Feldheuschreckenart in Deutschland. In Teilen Nord- und Nordwestdeutschlands fehlt sie allerdings. Zum Singen reiben sie beide Hinterbeine langsam über die Flügel und lassen so ein auf- und absteigendes Schwirren erklingen.

Das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) verschmäht Heu und Hafer. Es ernährt sich vielmehr von Blattläusen, Raupen, Käferlarven oder Fliegen. Außer in höheren und kühleren Lagen fühlen sich diese Langfühlerschrecken überall in Deutschland wohl. Ihr lauter Gesang schallt bis zu 150 Meter weit – zwar erst ab dem frühen Nachmittag, dafür aber bis weit in die Nacht hinein.

Leider verbirgt dieses Männchen der Rotflügligen Schnarrschrecke (Psophus stridulus) seine prächtigen orangeroten Hinterflügel. Sie werden erst sichtbar, wenn das Insekt abhebt. Dann ist auch das Schnarren zu hören, mit dem die Männchen die Aufmerksamkeit der Weibchen zu erregen versuchen. Das Besondere: Bei dieser Heuschreckenart singen auch die Weibchen.

Stand: 03.03.2021, 09:11 Uhr

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