Stechmücken

Nahaufnahme Japanische Buschmücke.

Insekten und Spinnentiere

Stechmücken

  • Tropische Mückenarten verbreiten sich seit ein paar Jahren auch in Deutschland
  • Beim Projekt "Mückenatlas" können Bürger sich an der Mückenforschung beteiligen
  • Gefährlich könnten bald vor allem Tiger- und Buschmücken für uns werden
  • Um die Ausbreitung zu verhindern, werden ganze Mückenkolonien vorsorglich ausgerottet
  • Mücken gibt es schon seit 100 Millionen Jahren


Spätestens seit der Zika-Epidemie in Süd- und Mittelamerika sind exotische Stechmücken wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Sie können sehr schnell gefährliche Viren und Krankheitserreger verbreiten, Tropenkrankheiten wie das Dengue-, das Chikungunya- oder auch das West-Nil-Fieber verursachen. Asiatische Tigermücken und Japanische Buschmücken sind nun auch in Deutschland gesichtet worden. Bringen sie auch Tropenkrankheiten zu uns?

Stechmücken geraten in den Fokus der Öffentlichkeit

Nachdem man Mitte des 20. Jahrhunderts das Malaria-Problem am Oberrheingraben in den Griff bekommen hatte, spielten Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern in Deutschland keine große Rolle mehr.

Das änderte sich 2006. Heimische Gnitzen infizierten Rinder und Schafe mit Viren, die die afrikanische Blauzungenkrankheit verursachen. Im Jahr darauf  entdeckten Biologen in Baden-Württemberg die erste Asiatische Tigermücke, 2008 dann auch Asiatische Buschmücken.

Tropische Mückenarten, die gefährliche Viren übertragen, können und in ihren Heimatgebieten verschiedene, teils lebensgefährliche Fieber-Erkrankungen auslösen. Die naheliegende Frage ist: Haben sich die exotischen Stechmücken mittlerweile auch bei uns angesiedelt – und: Können sie eventuell auch hier tropische Viren übertragen?

Schnauze von Rind mit Fliege.

Blauzungenkrankheit: Blutsaugende Gnitzen infizieren Rinder und Schafe mit Viren

Die Mückenjagd beginnt…

Um herauszufinden, welche Mückenarten überhaupt in Deutschland vorkommen, starteten Biologen 2012 das Projekt "Mückenatlas". Ein sogenanntes Citizen-Science-Projekt, bei dem Bürger Forscher unterstützen können.

Schnell hatte sich nämlich herausgestellt, dass die wenigen Forschungsgruppen, die sich mit Stechmücken beschäftigen, unmöglich allein ein flächendeckendes Kartierungsprogramm in Deutschland durchführen können. Mittlerweile haben Bürger an die 50.000 Stechmücken aus ganz Deutschland gefangen und zur Bestimmung eingeschickt.

Die Exoten kommen!

Unter den eingeschickten Mücken waren auch viele Buschmücken und sogar Tigermücken. Wie sich herausstellte, ist die Japanische Buschmücke in manchen Gebieten Deutschlands mittlerweile heimisch.

Außerdem wurden viele eingeschickte Stechmücken auch auf Viren untersucht. Und dabei entdeckten die Forscher, dass auch einheimische Stechmücken exotische Viren verbreiten können: Sindbis-, Batai- oder beispielsweise auch Usutu-Viren. Manche können, wenn sie über Mückenstiche in den Menschen gelangen, leichte, grippe-ähnliche Symptome hervorrufen.

Asiatische Tigermücke auf der Haut.

Eine Asiatische Tigermücke beim Blutsaugen

Zunahme der tropischen Stechmücken

Bisher ist noch nichts Schwerwiegendes passiert. Und es gab bei uns auch noch keine Fälle von Chikungunya- oder West-Nil-Fieber wie in anderen südlichen Ländern. Das könnte sich in Zukunft aber ändern.

Der globale Warenverkehr und die zunehmende Reiselust könnten immer mehr tropische Stechmücken nach Deutschland bringen. Grund genug, um die Ausbreitung von Tiger- und Buschmücken zu überwachen und vor allem die Ansiedlung von Tigermücken zu verhindern.

Stechmücken-Bekämpfer im Einsatz

An vorderster Front der Mückenbekämpfung: Mitarbeiter der "Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage", kurz KABS. Seit mehr als 40 Jahren bekämpfen sie mit ökologisch vertretbaren Methoden die Schnakenplage am Oberrheingraben.

Aber sie unterstützen auch das "Mückenatlas-Projekt" und testen mit Partnern am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg Stechmücken auf Virenbefall.

Und die Biologen überwachen im Süden Deutschlands auch Autobahnraststätten an der A5 und A6. Sie prüfen, ob Asiatische Tigermücken als blinde Passagiere in Fahrzeugen nach Deutschland kommen.

Wie wichtig so ein Monitoring ist, zeigte sich 2015. In einer Freiburger Gartenkolonie tauchten Asiatische Tigermücken auf. Die Biologen der KABS konnten an die 4000 Exemplare einfangen und die Stabilisierung einer ersten, größeren Population gerade noch verhindern.

Mit besonderen Fähigkeiten auf Opfersuche

Aus evolutionärer Sicht sind Stechmücken eine sehr erfolgreiche Spezies. Es gibt sie schon seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie konnten sich verändernden Lebensbedingungen immer wieder gut anpassen, haben immer ihre Opfer gefunden. 

Dabei helfen ihnen außergewöhnlich sensible Sinne. Stechmücken riechen und hören mit ihren langen Antennen am Kopf.

Auf den bei Weibchen sehr buschigen Fühlern sitzen viele Rezeptoren, die schon geringste Duftmoleküle und Geräusche aus großer Entfernung erfassen können. Am stärksten ziehen die Weibchen das ausgeatmete CO₂ und die Duftstoffe unserer Haut an. Und wenn sie ein Opfer dann gefunden haben, hilft ihnen ein großer, ausgeklügelter Stechapparat, um an unser Blut zu kommen.

Autor: Jochen Zielke

Weiterführende Infos

Stand: 18.05.2017, 12:00

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