Hurghada – Paradies für Tauchtouristen

Hotelanlage in Hurghada

Rotes Meer

Hurghada – Paradies für Tauchtouristen

Anfang des 20. Jahrhunderts war Hurghada nur ein Rastplatz für Fischer, die aus Saudi-Arabien kamen. Heute reiht sich in der ägyptischen Stadt Hotel an Hotel. Die Chartermaschinen bringen täglich neue Touristen aus Europa hierher, hungrig nach Sonne und Strand. Auch unerfahrene Taucher, so versprechen die Reiseanbieter, sollen hier leichten Zugang zu Unterwasserparadiesen finden. Dieses Versprechen wird zwar meist eingelöst. Allzu oft allerdings auf Kosten der Natur.

Von Hütten zu Hotelkomplexen

Im Jahr 1908 zählte man im heutigen Hurghada nur sechs Hütten. Fischer verkauften dort getrocknete Fische an Reisende, die mit Kamelkarawanen aus Oberägypten kamen. Al-Ghardaka hieß dieser Flecken auf Arabisch, benannt nach einem weithin sichtbaren Wüstenbaum namens Gharkad.

Um 1930 wurde dann Erdöl in der Region entdeckt. Industrie siedelte sich an, aber auch Händler, Baugewerbe und Transportunternehmen.

Die Erschließung der Region für den Tourismus begann erst in den 1980er Jahren. Dann jedoch in rasantem Tempo: Kilometerlange Sandstrände, vorgelagerte Inseln, klares warmes Wasser mit Fischen in allen Farben, dazu quasi eine Sonnengarantie – die Gegend schien ideal. Ein Bauboom setzte ein. Investoren aus Europa, den USA und den arabischen Ländern ließen Hotelanlage an Hotelanlage entstehen.

Eine der wenigen Auflagen beim Bau: Hochhauskomplexe waren größtenteils unerwünscht. Ein Gefühl von Idylle will trotzdem nicht so recht aufkommen: Mehr als eine Million Touristen reisen inzwischen jedes Jahr nach Hurghada, die meisten davon aus Deutschland und Russland. Die Stadt ist damit das größte Tourismuszentrum am Roten Meer.

Abhängig vom Tourismus

Wie viele Menschen in Hurghada inzwischen leben, weiß wohl niemand genau. Noch im Frühjahr 2010 nannte die Website des ägyptischen Fremdenverkehrsamtes 35.000 Einwohner; andere Quellen sprachen zur gleichen Zeit bereits von einem Vielfachen, bis zu 180.000.

Zum einen liegt dies daran, dass teilweise die gesamte Region in die Angaben mit einbezogen wurde. Zum anderen aber kommen auch immer mehr Menschen aus dem Umland nach Hurghada, da sie sich vom Tourismus ein Auskommen erhoffen. Oft sind das Männer, die ihre Einkünfte an ihre Familien nach Hause schicken und nicht unbedingt von den Behörden erfasst werden.

Fest steht in jedem Fall, dass die meisten Bewohner von Hurghada direkt oder indirekt von Einkünften aus dem Tourismus abhängig sind. Entsprechend hoch ist die Zahl an Dienstleistern: Tauchlehrgänge, Wracktauchen, Wüstentouren – eine Vielzahl von Anbietern versucht aus den Schönheiten der Natur Kapital zu schlagen.

Unerfahrene Touristen zerstören Korallen

Ein besonders beliebtes Ausflugsziel in Hurghadas Umgebung sind die Giftun-Inseln. Sie sind von Hurghada aus etwa eine Stunde mit dem Boot entfernt und stehen unter Naturschutz. Die fischreichen Korallenwelten sind hier besonders leicht zugänglich.

Das lockt den Massentourismus – mit all seinen Konsequenzen: Unerfahrene Schnorchler trampeln über Korallen und zerstören sie damit, andere Urlauber brechen Stücke als Souvenir ab. Manche Taucher versuchen, Fische zu füttern, um sie anzulocken, was für die Tiere lebensgefährlich sein kann.

Eine Aufklärung der Reisenden über angemessenes Verhalten im Riff findet aber häufig nicht statt. Im Gegenteil: Immer wieder zerren sogenannte Touristenführer Wasserschildkröten an Bord von Booten, damit sich die Reisenden mit ihnen fotografieren lassen können.

Zwar wurden auf Betreiben lokaler Umweltschützer Bojen installiert, an denen die Touristenboote ankern können. Aber nicht immer halten sich die Kapitäne daran. Und durch jeden Metallanker werden Korallen unwiederbringlich zerstört.

Basisleiter mit Tauchurlaubern an Deck eines Tauchbootes.

Eine Schulung über das Verhalten im Riff sollte verpflichtend sein

Riff-Reinigung und Recycling

Ein weiteres Problem in Hurghada – wie auch in vielen anderen Zentren des Massentourismus – ist der Müll. Lange Zeit begannen die illegalen Müllkippen bereits kurz hinter den Hotelanlagen, zusätzlicher Müll landete im Meer.

Gerade Plastiktüten sind für das Leben in den Korallenriffen eine erhebliche Bedrohung. Wasserschildkröten verwechseln sie zum Beispiel mit Quallen und fressen sie. Einmal im Magen, führen sie meist zum Tod. Andere Tüten bleiben an Korallen hängen und umschließen sie regelrecht.

Abhilfe schaffen will die lokale Umweltschutzorganisation HEPCA (Hurghada Environmental Protection and Conservation Association). Seit 2009 betreibt sie in der Region ein aufwändiges Recyclingsystem – mit dem Segen der Regierung.

Die Organisation schließt unter anderem Verträge mit den Hotels ab, damit das Sammeln und Sortieren des Mülls möglichst reibungslos vonstatten gehen kann. Darüber hinaus initiiert HEPCA immer wieder Riff-Reinigungsaktionen, um den Müll im Meer zu reduzieren.

Plastiktüte schwimmt im Meer.

Plastiktüten sind eine Gefahr für die Meereswelt

Autorin: Christina Lüdeke

Stand: 09.08.2018, 12:00

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