Klostergarten Fulda

Flaschen und Flakons mit eingelegtem Gemüse und Kräutern.

Kräuter

Klostergarten Fulda

Von Jenny Rieger

Dicke, hohe Mauern umgrenzen das Kloster Fulda. Dahinter versteckt sich die Benediktinerinnenabtei "Zur Heiligen Maria" und ein bemerkenswerter Klostergarten. 2000 Quadratmeter groß, liegt er verborgen in der Klausur. Hier wachsen die 36 Pflanzen, die hauptsächlich der Versorgung der Ordensschwestern dienen – als Küchenkräuter, aber auch als nützliche Heilpflanzen.

Der große Stolz der Gärtnerinnen ist ein geheimnisvolles Präparat mit Namen "Humofix", ein Rezept, das durch Zufall bei der Übersetzung einer englischen Klosterchronik gefunden wurde. Hinter dem seltsamen Namen, der ein wenig an ein kleines, widerstandsfähiges Dorf in Gallien erinnert, verbirgt sich aber kein Zaubertrank, sondern ein Kompostmittel.

Damals hatte die Mischung als "Quick Return Powder" solch durchschlagenden Erfolg, dass sich die Benediktiner um die Erlaubnis bemühten, das Wundermittel auch in Deutschland herstellen zu dürfen.

Denn die Zutaten des in "Humofix" umbenannten Pulvers finden sich bis heute fast alle im Klostergarten der Benediktinerinnenabtei: Schafgarbe, Brennessel, Baldrian, Löwenzahn- und Kamilleblüten sowie Eichenrinde.

Gärtnerin streut etwas auf einem Feld aus.

Ein spezieller Dünger für die Pflanzen

Diese Zutaten werden sorgfältig getrocknet und pulverisiert, dann mit Zucker und Milchhonig vermengt. Wenn dieses Gemisch mit Wasser aufgerührt wird, hilft es, in Lagen aufgetragen, bei der Kompostierung und fördert den Verfallsprozess der Küchen- und Gartenabfälle.

Wichtig ist den Benediktinerinnen besonders der biologisch-dynamische Gartenanbau – und so kümmern sich Schwester Agatha und Gartenbauingenieurin Schwester Christine liebevoll um jedes Kraut. Ganz ohne Chemie und künstliche Düngemittel.

Das sanfte Gärtnern hat bei den Benediktinerinnen eine lange Tradition. Bereits in den 1950er Jahren, in denen überall noch auf den konventionellen chemisch unterstützten Gartenbau geschworen wurde, suchten die Ordensschwestern nach Alternativen. Sie wurden zu Forschern und erprobten Kraut um Kraut, denn gegen jedes Kraut ist auch ein solches gewachsen.

Ihre Erkenntnisse des ökologischen Gartenbaus fassten sie schon damals in kleinen Merkblättern zum biologischen Gärtnern zusammen. So entstanden die "Winke-Hefte", die die Benediktinerinnen bis heute herausgeben.

Stand: 20.09.2018, 11:00

Darstellung: