Kräuter

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Kräuter

"Oh große Kräfte sind's, weiß man sie recht zu pflegen, die Pflanzen, Kräuter, Stein in ihrem Innern hegen." Diese großen Kräfte, die schon der irische Dichter George Bernhard Shaw (1856-1950) besang, sind allgegenwärtig. Und doch fallen sie uns heute gar nicht mehr richtig auf.
Ob Pfefferminze im Kaugummi, Lavendel im Badezusatz oder Zitronenmelisse im Raumspray: Kräuter begleiten uns. Ihre Wirkung jedoch ist in Zeiten der chemisch orientierten Medizin und der schnellen Küche weitgehend in Vergessenheit geraten.

Kräuter gegen Zipperlein

Dabei können sie uns nicht nur als Geschmacksverstärker und Duftstoffe das Leben verschönern. Die heilende Wirkung von Pflanzen und Kräutern ist seit Jahrhunderten bekannt. Als Tee, Umschläge, Pulver oder auch als frische Pflanze können sie unseren Körper und unseren Geist stimulieren und wieder ins rechte Lot bringen.

Schon die alten Griechen kannten ihre Heilkraft. Sie widmeten fast jedes Kraut einem ihrer Götter. Majoran, Rosmarin und Thymian wurden beispielsweise der Aphrodite zugeschrieben. Auch der Arzt Hippokrates (um 460-375 vor Christus) verweist in seinen Aufzeichnungen auf ein großes Heilpflanzensortiment. Kräuter können aber nicht nur heilen, sie schmecken auch gut.

Mit Kräutern zum richtigen Geschmack

Wissenschaftler nehmen an, dass die Menschen schon in der Altsteinzeit vor rund 50.000 Jahren herausgefunden hatten, dass sie ihren Speisen mit bestimmten Blättern und Früchten einen besonderen Geschmack verleihen konnten. Und die Völker Mittelamerikas würzten ihre Speisen bereits 7000 vor Christus mit verschiedenen Sorten wilden Chilipfeffers.

In Europa war das Wissen um die Kräuter lange Zeit Sache der Klöster. Hier fanden sich ausgedehnte Heil- und Küchenkräutergärten. Die Benediktiner waren die Vorreiter im Kräuterimport, brachten sie doch viele Pflanzen aus ihrem Stammkloster in Monte Cassino nördlich der Alpen mit und verteilten sie über Europa.

Klostergarten der Abtei Mariendonk

Das Wissen um die Kräuter war lange Zeit Sache der Klöster

Auch die Mediziner und Bader des Mittelalters gründeten ihre Heilkunst auf dem Wissen um wohltuende und lindernde Heilkraft der Pflanzen. Manch einer heilkundigen Frau in der frühen Neuzeit wurde diese Kenntnis zum Verhängnis: Sie landete als Hexe auf dem Scheiterhaufen.

Aufstieg und Fall der Heilpflanzen

Wirklich bekannt wurde die Kräuterkunde erst im 15. Jahrhundert, mit der Erfindung des Buchdrucks. Die "Kräuterfibel" war plötzlich fast so wichtig geworden wie die Bibel.

Doch spätestens im 19. Jahrhundert, als in Europa die Wissenschaft von der Medizin ihren Durchbruch hatte und chemische Wirkstoffe den pharmazeutischen Markt eroberten, war es vorbei mit dem altüberlieferten Wissen um die Heilpflanzen. Fortan wanderten Kräuter kaum noch in die Apotheke, sondern vorzugsweise in den heimischen Kochtopf.

Was macht das Kraut mit uns?

Und heute? Plötzlich sind sie wieder da, die Kräuter – ob als Küchengewürz, als chemische Duftstoffe, Körperöle oder homöopathische Heilmittel. 73 Prozent aller Deutschen nutzen regelmäßig oder gelegentlich Naturheilmittel. Die Renaissance der Kräuter hat in Europa längst begonnen.

Mehrere Fläschchen mit homöpathischen Mitteln

Naturheilmittel haben Hochkonjunktur

Täglich konsumieren wir wieder Kräuter und Pflanzen – teilweise jedoch recht unbedarft und auch unvorsichtig. Denn das Wissen um die Wirkungen und auch die Nebenwirkungen der starken Pflanzen ist im Zuge des Kräuterbooms in den Hintergrund geraten.

Grund genug, einmal genau hinzuschauen: Was machen wir mit Kräutern? Und vor allem: Was macht das Kraut mit uns?

"Unkraut" – Vogelmiere, Gundermann, Gänseblümchen & Co

So genannte Unkräuter wachsen überall: auf Wiesen, am Wegesrand und in unseren Gärten, wo wir sie oft achtlos ausreißen. Doch diese kleinen Störenfriede sind oft wohlschmeckende und heilsame Wildkräuter. Wer sich auskennt, findet in seinem Garten wahre Schätze für die Küche und auch für die hauseigene Kräuterapotheke.

Eine unscheinbare Bereicherung für die Küche ist zum Beispiel die Vogelmiere. Sie schmeckt nach frischen Erbsen und enthält zudem sehr viel Vitamin C und Mineralstoffe. Ob als Quiche, Rohkostgemüse oder im Kuchen, Vogelmiere kann sehr vielseitig verwendet werden. Das anspruchslose Pflänzchen überzieht Äcker und Gärten wie ein grüner Teppich, es ist also leicht zu finden.

Ebenfalls sehr anspruchslos und häufig in Natur und Garten zu finden ist der Gundermann. Die Germanen und auch Hildegard von Bingen verehrten die Pflanze und verwendeten sie als Heilpflanze bei Magen- und Nierenleiden. In der Küche eignet er sich vor allem als Würzkraut. In kleinen Mengen verfeinert er Kartoffel- und Fleischgerichte.

Giersch, auch Zipperleinskraut genannt, wurde früher in Klostergärten häufig angebaut. Als Heilkraut ist es ein traditionelles Mittel gegen Gicht. Bei Gartenbesitzern gilt Giersch als eines der unbeliebtesten Unkräuter, weil er sich sehr stark verbreitet. Wer ihn einmal hat, wird ihn so leicht nicht mehr los.

Giersch kann man vielfältig in der Küche verwenden. Junge Blätter schmecken lecker als Salat oder frisch geschnitten in Quark. Zubereitet wie Spinat wird er zum würzigen Gemüse.

Gänseblümchen sind die Frühlingsboten und wohl jeder kennt die kleinen weißblühenden Pflänzchen. Dass sie ebenfalls sehr vielseitig in der Küche verwendet werden können und früher häufig in Form von Tee als Heilmittel getrunken wurden, ist dagegen weniger bekannt.

Die Blüten und Blätter des Gänseblümchens können zur Verfeinerung zahlreicher Speisen genutzt werden, zum Beispiel in allen Arten von Suppen, Eierspeisen oder Salaten.

Essbare Blüten

Gänseblümchen können vielseitig verwendet werden

Wer sich aufmacht, selbst Wildkräuter zu sammeln, sollte auf jeden Fall immer ein Bestimmungsbuch dabei haben. Denn neben den essbaren Wildkräutern wachsen auch zahlreiche hochgiftige Pflanzen am Wegesrand. So kann die schmackhafte Wiesenkerbel zum Beispiel leicht mit dem giftigen Schierling verwechselt werden.

Autorin: Jenny Rieger

Stand: 20.09.2018, 10:00

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