Züchtung und Pflege

Ein Mann kümmert sich um ein paar Orchideen

Orchideen

Züchtung und Pflege

Von Bärbel Heidenreich

Orchideen werden erst seit Ende des 19. Jahrhunderts gezüchtet. Alle Versuche zuvor misslangen. Daher waren solche faszinierenden Blumen nur für wenige Orchideenfreunde erschwinglich. Inzwischen werden Orchideen massenhaft in Taiwan, Thailand und den Niederlanden gezüchtet und für jedermann zu Schnäppchenpreisen in Supermärkten und Baumärkten angeboten.

Vom "Orchideenfieber" gepackt

Bereits 1615 blühte die erste tropische Orchidee in Holland. Ein regelrechtes "Orchideenfieber" entwickelte sich allerdings zuerst in den britischen Kolonien. Englische Adlige begannen die teuren Exoten zu sammeln.

Daraus erwuchs die Sammlung "Royal Kew Gardens", der Königlich Botanische Garten in London, der um 1780 schon 20 Orchideenarten besaß. Erst als man Ende des 19. Jahrhunderts herausfand, wie Orchideen künstlich vermehrt werden, war es möglich, verschiedene Arten gezielt zu kreuzen.

Frau vor einer Ansammlung von Orchideen

Die Royal Kew Gardens sind auch heute noch stolz auf ihre Orchideen-Sammlung

Scanner gegen Verwechslungsgefahr

Selbst nach modernem Standard ist der Prozess auch heute noch aufwendig: Orchideensamen werden in Glaskolben unter sterilen Bedingungen im Labor ausgesät und monatelang kultiviert. Dabei wird der Kolben immer wieder geschüttelt, um die Zellteilung zu fördern.

Die Pflanze verliert die Orientierung, weiß nicht mehr, wo oben und unten ist, und bildet daher weder Wurzeln noch Sprossen. Stattdessen vergrößert sich der Samen. Ist er groß genug, wird er in Schalen ausgesät.

Unter tropischem Klima wachsen die Jungpflanzen schnell heran. Sind sie kräftig genug, werden sie alle paar Monate umgetopft.

Bis zur ersten Blüte vergehen anderthalb Jahre. In dieser frühen Phase, ist die Verwechslungsgefahr unter den Tausenden von Sorten in den Großbetrieben für die Massenzucht immens. Daher werden sie einzeln in ein Barcodesystem eingescannt. Jede Pflanze kann so bis zur Auslieferung an die Gärtnerei genau verfolgt werden.

Das Züchten dauert viele Jahre, weil immer nur die besten Pflanzen bestehen können. Erfolgreiche Züchtungen kann man sich sogar patentieren lassen. In den letzten 100 Jahren wurden rund 100.000 Hybriden gezüchtet. Die Deutsche Orchideengesellschaft (DOG) bewertet dann die schönsten Exemplare.

Orchideen-Abteilung in einem Baumarkt

Bis die Orchideen im Geschäft landen, ist es ein weiter Weg

Zu Hause pflegen wie im Regenwald

Orchideen auf der Fensterbank zu halten, ist einfacher als man denkt. Man muss nur die Bedingungen ihrer Heimat kennen: Die Orchidee wächst oben auf einem Baum, ohne Erde, aber mit Rinde und leichtem Bewuchs. Die Luft ist warm und feucht. Dann regnet es kurz, aber dafür wie aus Kübeln. Das Wasser, das zuviel ist, läuft ab und der Rest verdunstet in der Wärme.

Zuhause sollte man die Orchidee daher nur mit warmem Wasser befeuchten. Eine gute Lüftung ist wichtig, damit die Pflanze keiner Dauernässe ausgesetzt ist. Die beste Gießzeit ist vormittags, damit die Wurzeln bis zum Abend abgetrocknet sind. Dauernässe ist nämlich der sichere Pflanzentod. Viel Licht braucht sie, aber keine pralle Mittagssonne. Pflanzen mit dicken Blättern vertagen mehr Wärme als zartblättrige.

Soll die Orchidee umgetopft werden, darf sie nicht in Blumenerde gesetzt werden. Die wäre viel zu nährstoffreich und sie würde bald eingehen. Es muss ein spezieller Orchideenpflanzstoff sein, den es in Gärtnereien gibt.

Der Orchideenliebhaber kann das Substrat auch selbst zusammenstellen: ein Drittel Holzfaser, ein Sechstel Styroporflocken zur Auflockerung, ein Sechstel Steinwolle, um das Wasser zu halten, und ein Sechstel Buchenlaub. Wichtig: Ein Drittel des Topfes muss mit Tonscherben oder Blähtonkugeln gefüllt sein, um die Staunässe zu vermeiden.

Mann hält Orchideen-Substrat in seinen Händen

Orchideen vertragen keine normale Blumenerde

Stand: 17.02.2020, 16:29

Darstellung: