Phantomschmerzen

Verschwommenes, schmerzverzerrtes Gesicht einer Frau

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Phantomschmerzen

Amputationen wurden schon im alten Ägypten vor mehr als 3000 Jahren durchgeführt. Ein infiziertes oder schwer verletztes Körperteil abzunehmen, war damals wie heute manchmal die einzige Möglichkeit, ein Menschenleben zu retten. Die betroffene Extremität verursacht dem Patienten vor der Amputation meistens erhebliche Schmerzen. Sind die Wunden nach der Amputation verheilt, sollten auch die Schmerzen aufhören. Denn wo nichts ist, kann auch nichts wehtun – oft passiert jedoch genau das Gegenteil.

Viele Amputierte können die fehlen Gliedmaßen noch fühlen

Studien haben ergeben, dass zwischen 60 und 80 Prozent aller Amputierten früher oder später unter Phantomschmerzen leiden. Obwohl ihnen völlig bewusst ist, dass beispielsweise ihr Arm nicht mehr da ist, spüren sie starke Schmerzen dort, wo früher ihre Hand war.

Die genaue Ursache der Phantomschmerzen ist noch nicht eindeutig geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass es mit einer Veränderung im Gehirn zu tun hat.

Das Gehirn macht sich ein Bild vom eigenen Körper, eine Art Landkarte des Körpers. Fehlen nun die Signale aus der amputierten Körperregion, passt das nicht mehr zum Selbstbild. Das Gehirn muss sich umstrukturieren.

Da das fehlende Körperteil keine Signale mehr senden und empfangen kann, werden Informationan aus benachbarten Hirnregionen verarbeitet. Je größer die Umstrukturierung ist, desto größer sind die Schmerzen.

Ärzte sind sich einig, dass die Stärke der Phantomschmerzen auch mit der Stärke der Schmerzen vor der Amputation zusammenhängt und das Gehirn eine Art Gedächtnis für den Schmerz entwickelt.

Wesentlich häufiger als der Phantomschmerz ist die Phantomempfindung. Je nach Altersgruppe berichten bis zu 90 Prozent aller Amputierten, dass sie ihre fehlenden Arme oder Beine zeitweise noch spüren. Ihr fehlender Fuß wird kalt oder juckt. Manche spüren sogar die Haltung des Körperteils oder meinen ihre Arme und Beine noch willentlich bewegen zu können, obwohl sie schon lange nicht mehr bei ihnen sind.

Computerillustration: Blitze schlagen in das Gehirn eines Menschen ein

Das Gehirn muss sich nach einer Amputation umstrukturieren

Neue Prothesen lindern Phantomschmerzen

Viele Amputierte bekommen nach einiger Zeit eine Prothese, die den Verlust der eigenen Gliedmaßen ausgleichen soll. Hier zeigte sich in der Vergangenheit häufig, dass Phantomschmerzen sich verschlimmern, wenn die Betroffenen die Prothese als Fremdkörper wahrnehmen.

Nun entwickelten Wissenschaftler der Universität Jena eine Unterarmprothese, die dabei helfen kann, Phantomschmerzen zu lindern. Die Prothese ist über Elektroden mit den Muskeln im Oberarm verbunden. Spannt der Prothesenträger seine Oberarmmuskeln an, werden die Signale an die Prothese weitergegeben – die künstliche Hand führt die entsprechende Bewegung aus und greift beispielsweise nach einem Glas.

Die Testpersonen klagten seltener über Schmerzen. Die Wissenschaftler erklärten ihre Ergebnisse damit, dass die Umstrukturierung im Gehirn, die durch eine fehlende Gliedmaße ausgelöst wird, mit der neuen Prothese aufgehalten wird. Signale, die das Gehirn an den entsprechenden Körperteil sendet, kommen dank der Elektroden an und führen nicht mehr ins Leere.

Handprothese hält einen Tennisball

Neue Prothesen sollen Abhilfe schaffen

Autorinnen: Julia von Sengbusch/Wiebke Ziegler

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Stand: 30.07.2018, 14:54

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