Unterwasserlärm

Ein Pottwal allein dicht unter der Wasseroberfläche im blauen Wasser vor Pico auf den Azoren.

Wale und Delfine

Unterwasserlärm

Pottwal, Buckelwal, Blauwal – rund 80 verschiedene Walarten schwimmen in unseren Meeren. Wie viele es genau sind, können die Wissenschaftler nur schätzen, aber es werden immer weniger. "Angenommen Sie machen mal ein Feuerwerk nicht auf dem Kreuzfahrt-Schiff, sondern unter Wasser… als Event…, einfach so. Für die Wale wäre das verheerend!", sagt der Verhaltensforscher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDC Dr. Karsten Brensing.

Darum geht's:

  • Sonargeräte zur U-Boot-Ortung sind für Walohren sehr schmerzhaft.
  • Wale können sich über große Distanzen verständigen.
  • Der zunehmende Lärm schränkt die Kommunikation der Wale ein.
  • Maßnahmen zur Schalldämmung würden viel Geld kosten.

Haupt-Lärmverursacher: das Militär

Einer der Haupt-Lärmverursacher sind dabei die Militärs mit ihren Sonargeräten zur U-Boot-Ortung. Diese Schallgeräte geben in kurzen Abständen einen hohen Piepton ab. Wird der Ton reflektiert, befindet sich ein Gegenstand (meist ein weiteres U-Boot) in der Nähe.

"Dieser Lärm ist für Wale unerträglich und schmerzhaft. Auf uns Menschen bezogen wäre die Geräuschquelle so laut, als würde eine Explosion in Moskau uns hier in Deutschland eine einfache Unterhaltung auf der Straße unmöglich machen."

Wale hören auf die Distanz Hamburg - Neapel

Wasser ist ein ausgezeichnetes Übertragungsmedium für Schall. Das Gehör von Walen und Delfinen ist phantastisch ausgereift. Das brauchen sie auch, denn die Ozeane sind groß.

Einen Fortpflanzungspartner zu finden, ist buchstäblich so schwierig wie die sprichwörtliche "Nadel im Heuhaufen". Bis zu einer Distanz von 2000 Kilometern können sich manche Arten verständigen – das entspricht der Entfernung von Hamburg nach Neapel.

Doch der Lärm in unseren Meeren hat in den vergangenen Jahren dermaßen zugenommen, dass die Wale sich nur noch innerhalb eines Zehntels des Areals, also bis zu 200 Kilometer, verständigen können – nur eine von vielen Ursachen dafür, dass sich die Populationen nicht erholen und einige Arten vom Aussterben bedroht sind.

Schuld sind riesige Schiffsschrauben, Motorengeräusche, aber auch Bauarbeiten für Windräder und Bohrtürme und die Suche nach Erdöl und Erdgas.

Wale können nicht einfach weghören – genauso wenig wie wir Menschen – sie können höchstens wegschwimmen. Besonders gefährdet sind Mütter mit ihren Kälbern. Sie kommen nicht schnell genug davon und ihr Gehör wird geschädigt.

Zwei Pottwale schwimmen übereinander, zwischen ihnen befindet sich ein Jungtier.

Besonders gefährdet sind Walmütter mit ihren Jungen

Lärm schränkt die Kommunikation der Wale ein

Wale hören zwar in einem Radius von 360 Grad aber besonders die Rufe unserer einheimischen Schweinswale sind nach vorne gerichtet und können auch nur da gehört werden. Ihre Kommunikation untereinander wird durch den Lärm unter Wasser überlagert und dadurch eingeschränkt.

Keine guten Bedingungen zu Aufzucht und Arterhaltung. "Seit Jahren ist dieses Problem bekannt, und man kann auch etwas dagegen tun – aber das geschieht erst, wenn die Politik das von der Industrie einfordert", so Verhaltensforscher Brensing.

"Statt die Pfähle für Windräder mit riesigen Hammerschlägen in den Meeresboden zu rammen – sogenanntes "piledriving"– kann man die Säulen wie eine Riesenschraube hineinfräsen." D

och viele große Firmen berufen sich auf ihre bereits vor Jahren abgeschlossenen Verträge, als Schallschutz noch kein Thema war – und so weit geht ihre Tierliebe dann doch nicht, sich freiwillig erhöhten Baukosten auszusetzen. Alternativ kann man schwere Betonblöcke, so groß wie Container, auf den geebneten Meeresboden herablassen.

"Aber auch als Touristen können wir mit unserem Freizeitverhalten den Walen helfen", sagt Karsten Brensing. Besonders Jet-Ski fahren ist laut – ebenso wie viele Motorjachten und wird meist auch in den Gebieten angeboten, in denen Wale vorkommen: in der Karibik, aber auch bei uns in der Nordsee und Ostsee.

Autorin: Gaby Böhne

Weiterführende Infos

Stand: 27.06.2017, 14:23

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