Wie Eulen sich vermehren

Habichtskauzküken und Ei im Hintergrund

Eulen

Wie Eulen sich vermehren

Von Andreas Kohler

Das Eulenjahr beginnt bereits im Herbst mit der sogenannten Herbstbalz: Die Jungen haben das elterliche Revier dann verlassen, möglicherweise erheben die jungen Männchen aus anderen Gebieten Anspruch auf eigene Territorien.

Eulen bauen keine Nester

Früh im Jahr, je nach Art sogar schon im Februar, beginnen Eulen mit der Eiablage: Um diese Jahreszeit sind die sonst so unauffälligen Vögel am leichtesten wahrzunehmen. Das durchdringende Balzheulen des Waldkauzes etwa liefert den eindrucksvollen Klanghintergrund vieler Winterwälder.

Die meisten Eulenarten bauen keine Nester, sondern legen ihre Eier einfach in Felswänden (Uhu), dem Boden von Baumhöhlen (die meisten Käuze) oder in alten Krähennestern (Waldohreule) ab. Nur die Sumpfohreule baut ein Nest.

Die Anzahl der Eier ist je nach Art verschieden, wird aber auch durch äußere Umweltfaktoren gesteuert: Ein Schleiereulenweibchen etwa kann in guten Mäusejahren zehn Eier oder mehr legen, bei schlechterer Nahrungssituation dagegen kommt es zu einer deutlich kleineren Brut.

Steinkauz schaut aus einer Baumhöhle heraus

Verlassene Baumhöhlen dienen vor allem Käuzen als Nest

Geschwister mit Altersunterschied

Die einzelnen Eier werden mit einem Abstand von durchschnittlich etwa zwei Tagen gelegt und bei den meisten Eulenarten vom ersten Ei an bebrütet. So können bei großen Gelegen deutliche Größen- und Entwicklungsunterschiede zwischen den Geschwistern auftreten – wie Orgelpfeifen sehen Schleiereulen-Junge nebeneinander aus.

Der Größenunterschied kann den kleinsten Küken bei plötzlichem Nahrungsmangel zum Verhängnis werden: Entweder verhungern sie, weil sie sich gegen die Größeren nicht durchsetzen können, oder sie fallen selbst dem Hunger der kräftigeren Geschwister zum Opfer.

Am Anfang wärmt und bewacht das Weibchen die Brut, während das Männchen sich um die Nahrungsbeschaffung kümmert. Sind die Jungen etwas größer, geht auch das Weibchen mit auf Nahrungssuche: Die Küken müssen nicht mehr gewärmt werden, und um die immer hungrigen Schnäbel zu stopfen, werden dringend beide Partner gebraucht.

Schleiereule bringt seinen Jungen eine Maus im Nistkasten

Der hungrige Nachwuchs wird rund um die Uhr versorgt

Kletternde Ästlinge

Am Anfang zerteilt das Weibchen die Beute noch mit dem Schnabel und verfüttert sie so an die Jungen. Schon bald können die aber ganze Beutetiere unzerteilt hinunterschlingen.

Je nach Eulenart dauert es etwa ein bis zwei Monate, bis die Küken flügge werden. Sie verlassen den Nistplatz schon, bevor sie richtig fliegen können. Diese "Ästlinge" sind bei den meisten Arten ausgezeichnete Kletterer und werden von den Eltern noch einige Zeit mit Nahrung versorgt.

Junge Uhus etwa, die häufig auf Felsen erbrütet werden, bewegen sich noch wochenlang kletternd entlang des Brutplatzes, bevor sie zum ersten Mal erfolgreich ihre Schwingen ausbreiten.

Mit den ersten Jagderfolgen endet die Kindheit junger Eulen: Die Eltern vertreiben sie aus dem Revier und sie müssen sich ihren eigenen Lebensraum erobern.

Zwei junge Uhus auf einem Felsen

Junge Uhus bleiben noch lange in der Nähe des Nestes

Stand: 24.03.2020, 17:20

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