Der Waldkauz

Waldkauz auf einem Ast

Eulen

Der Waldkauz

Von Susanne Decker

Dramatische Szenen im Fernsehkrimi wirken nur halb so schaurig, wenn nicht von irgendwoher ein Waldkauz ruft. Sei es das dumpfe "Huh-Huh-Huuuh" des Männchens oder die Antwort des Weibchens "Ku-witt, Ku-witt" – schon ist das Szenario mit einer Prise Grusel gewürzt.

Durch Aberglaube verfolgt

Im Mittelalter galt der Waldkauz als "Totenvogel". Auffallend oft war er nämlich zur Stelle, wenn ein Mensch im Sterben lag. Und sein "Ku-witt" deutete man damals als "Komm-Mit". Um den Tod abzuschrecken, stellte man den Käuzen nach, tötete sie und nagelte sie an die Haustür.

Doch der eigentliche Grund, warum der Kauz sich häufig in der Nähe von Sterbenden aufhielt, war das Licht, das während der Nachtwachen durchgehend brannte und Nachtfalter anlockte.

Ein Waldkauz sitzt bei Tage auf einem Ast im Grünen

Im Mittelalter ein "Totenvogel"

Genügsam und anpassungsfähig

Es ist gar nicht so schwer, einem Waldkauz zu begegnen oder ihn zumindest rufen zu hören. Er ist im Vergleich zu anderen Eulenarten in Mitteleuropa weit verbreitet. Das ist seiner Anpassungsfähigkeit und der Vielseitigkeit seines Speisezettels zu verdanken.

Man findet den Waldkauz in Wäldern, Parkanlagen, Siedlungen oder auch mitten in der Stadt. Ursprünglich ein Baumhöhlenbrüter, hat er kein Problem damit, in Sachen Kinderstube zu improvisieren. So dienen zum Beispiel auch Nistkästen, Felsnischen, Bauruinen oder verlassene Elsternester als willkommene Alternativen, um die Jungen aufzuziehen.

Waldkauz schaut aus Baumhöhle hinaus

Verlassene Baumhöhlen dienen dem Waldkauz als willkommene Nester

Scharfe Sinne für die Nachtjagd

Wie fast alle Eulen ist auch der Waldkauz nachtaktiv und mit besonders scharfen Sinnen ausgestattet. Seine Augen sind extrem groß und die Netzhaut ist mit besonders vielen Sinneszellen für das Hell-Dunkel-Sehen ausgestattet.

Ganz im Dunkeln kann natürlich auch der Waldkauz nichts sehen. Trotzdem ist er in der Lage, selbst bei völliger Finsternis seine Beute zielgenau anzupeilen und zu ergreifen.

Diese Fähigkeit ermöglicht einen speziellen Einsatz des besonders feinen Gehörs. Das Geräusch einer im Laub raschelnden Maus zum Beispiel wird über die trichterförmig angeordneten Federkränze um die Augen gebündelt und schallverstärkt an die Ohren weitergeleitet.

Die Ohröffnungen unter dem Gefieder sind asymmetrisch gebaut und angeordnet. Das Geräusch erreicht beide Ohren somit nicht gleichzeitig, sondern um Bruchteile von Sekunden versetzt. So kann der Waldkauz die Maus auch im Stockfinstern punktgenau anpeilen, weil er sozusagen dreidimensional hört.

Auf lautlosen Schwingen

Wie viele Nachtjäger kann sich auch der Waldkauz seiner Beute lautlos nähern. Die Federn am Ende der Schwingen sind an der äußeren Kante gezähnt. Das schwächt Luftturbulenzen beim Fliegen ab. So ist gewissermaßen ein Anschleichen im Flug möglich.

Den Tag verbringt der Waldkauz in seiner Schlafhöhle oder verborgen im Blätterdickicht eines Baumes. Dabei ist er mit seinem rindenbraunen Gefieder gut getarnt.

Bei schönem Wetter und mit etwas Glück kann man den Waldkauz auch dabei beobachten, wie er sich im Sonnenlicht wärmt. Stören lässt er sich dabei höchstens von kleinen Singvögeln, die unruhig um ihn herumschwirren und ihn mit Warnrufen beschimpfen. Aber zumeist erträgt der Kauz solche Lärmattacken mit stoischer Gelassenheit.

Fliegender Waldkauz bei Nacht

Der Waldkauz kann nahezu geräuschlos fliegen

Stand: 24.03.2020, 17:30

Darstellung: