Chandrayaan – Indiens Weg zum Mond

Die indische Trägerrakete C11 (PSLV) bei ihrem erfolgreichen Start am 22.10.2008. Mit an Bord die Raumsonde 'Chandrayaan-1'.

Mond

Chandrayaan – Indiens Weg zum Mond

Von Harald Brenner und Wiebke Ziegler

Jubel im Raumfahrtzentrum Bangalore: Am 22. Oktober 2008 beginnt Indiens Mondprogramm. Mit dem erfolgreichen Start von Chandrayaan-1 erhält das Schwellenland Aufnahme in den exklusiven Klub der Nationen, die eine Sonde zum Mond geschickt haben.

Der Name des künstlichen Himmelskörpers kommt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie Mondschiff. Das soll aber erst der Anfang einer Reihe von Mondexpeditionen sein, die Indiens Raumfahrtagentur ISRO in den kommenden Jahren umsetzen will. Für die Zukunft sind weitere Missionen zum Mond geplant.

Raumfahrt seit 1975

Bereits 1975 schickt Indien seinen ersten Satelliten ins All, allerdings noch mit einer russischen Trägerrakete. Doch schon fünf Jahre später hat das Land die erste selbstentwickelte Rakete am Start. Seit vielen Jahren bringen die Inder erfolgreich Fernerkundungssatelliten in eine Umlaufbahn um die Erde. Mit Chandrayaan-1 haben sie beim Wettlauf mit China und Japan in Sachen Weltraumpräsenz gewaltig aufgeholt.

Dabei geht es auch um viel Prestige. Man möchte zeigen, dass sich Indien an der Schwelle von einem Entwicklungsland zu einer wirtschaftlichen Großmacht befindet, die moderne Hochtechnologie beherrscht. Mit ambitionierten Plänen will Indiens Raumfahrtorganisation Experten im eigenen Land halten und eine Abwanderung zur Konkurrenz verhindern. Schließlich geht es auch um das äußerst lukrative Geschäft, kommerziell Satelliten in den Weltraum zu befördern.

Dem Mond ganz nah

Am 22. Oktober 2008 startete die Raumsonde Chandrayaan I in Richtung Mond. Dort umkreiste sie den Erdtrabanten in nur 100 Kilometern Höhe auf einer polaren Umlaufbahn. Die geringe Entfernung sollte genauere Daten liefern als die europäische Mondsonde Smart-1, die in einer Höhe von 300 Kilometern unterwegs war.

An Bord waren Instrumente zur optischen und spektroskopischen Untersuchung der Mondoberfläche, mit dessen Hilfe Forscher Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Gesteins gewinnen wollten. Außerdem war ein Laser-Altimeter für die hochpräzise Vermessung der Topographie mit dabei.

Fünf der an Bord befindlichen Instrumente hatten indische Wissenschaftler selbst entwickelt, drei kamen von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, zwei von der amerikanischen Weltraumbehörde NASA und eines aus Bulgarien.

Mit von der Partie war auch der Impaktor MIP (Moon Impact Probe), eine kleine Sub-Sonde, die sich am 14. November 2008 von Chandrayaan löste und kontrolliert zum Absturz gebracht wurde. Während des Fluges Richtung Mondoberfläche, sendeten Kameras und Instrumente Messergebnisse und Bilddaten. Unter anderem analysierten Wissenschaftler die dünne Mondatmosphäre. Die Hoffnung, der nur 34 Kilogramm schwere Mini-Satellit könnte die Prozedur unbeschadet überstehen, erfüllte sich nicht – der Aufprall war zu hart.

Am 28. August 2009, nach nur 312 Tagen, brach der Kontakt zu Chandrayaan ab. Kurze Zeit später erklärten die Inder das Projekt für beendet.

Ein indischer Ingenieur bei abschließenden Arbeiten an der Raumsonde 'Chandrayaan'.

Fünf der Instrumente wurden von der ISRO selbst entwickelt

Chandrayaan lieferte wichtige Ergebnisse

Auch wenn die Mission am Ende kürzer war als geplant, lieferte die Raumsonde wichtige Informationen über die Mondoberfläche und deren geologische Zusammensetzung. So fanden die Wissenschaftler große Mengen von Eis, die für zukünftige bemannte Mondmissionen nützlich sein könnten.

Das Wasser und der darin enthaltene Sauerstoff könnten einmal als Versorgung für die Astronauten dienen. Zudem konnten die Forscher anhand der exakten topografischen Daten eine aktuelle Karte der Mondoberfläche erstellen.

Der Nachfolger: Chandrayaan-2

Die Nachfolge-Mission Chandrayaan-2 war ursprünglich als indisch-russische Kooperation geplant. Doch durch die fehlgeschlagene russische Marsmission Fobos-Grunt kam es zu Verzögerungen bei der Entwicklung seitens der Weltraumorganisation der Russischen Förderation "Roskomos".

2013 beschloss Indiens Raumfahrtagentur ISRO schließlich, Chandrayaan-2 alleine durchzuführen. Der für 2016 geplante Start wurde immer wieder verschoben, zuletzt auf September 2019. Die Sonde soll aus einem Orbiter, der den Mond in einer Höhe von 100 Kilometern umkreist, einer Landeplattform (Lander) und einem Mondfahrzeug (Rover) bestehen.

Diese drei Elemente sind mit jeweils unterschiedlichen Messgeräten bestückt. Die Messinstrumente sollen dabei ganz unterschiedliche Daten sammeln. Der Orbiter wird die Mondtopografie, die Mineralogie und Elementhäufigkeit ermitteln, aber auch Informationen zur Exosphäre sammeln. Zusätzlich wird auch nach vorhandenen Spuren von Wassereis gesucht. Der Lander verfügt über drei Instrumente, mit denen seismische Aktivitäten sowie die Temperatur und Plasmadichte an der Mondoberfläche untersucht werden. Der Rover wird mittels zweier Instrumente die Zusammensetzung der Mondoberfläche genauer bestimmen.

Chandrayaan-2 ist die erste Mondmission, bei der eine Landung in der Nähe des Südpols geplant ist. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Messgeräte für die Dauer eines Mondtages (entspricht 14 Erdtagen) ihre Daten sammeln können.

Stand: 11.07.2019, 11:45

Darstellung: