Wissensfragen

Geothermalgebiet Namaskard, Island.

Erdwärme

Wissensfragen

Von Jochen Zielke

Wer kam als erster auf die Idee, Erdwärme kommerziell zu nutzen?

Der französische Industrielle Francois Larderel soll mit Hilfe von Erdwärme Borsäure hergestellt haben. Das Ganze geschah um 1827 in der Toskana.

Die Borsäure wurde als Desinfektionsmittel oder zur Herstellung von Steingut und Porzellan sowie von temperaturbeständigen und optischen Gläsern gebraucht. Borsäure erhielt er damals, indem er stark mineralhaltiges Wasser aus dem Untergrund der Toskana verdampfte.

Die Borsäure-Kristalle waren begehrt. Larderel kam auf die Idee, statt Holz zum Erhitzen Wasserdampf zu nehmen. Der aus der Erde strömende, kochend heiße Wasserdampf wurde in Kuppeln aufgefangen und über Rohrleitungen zu den Kesseln geleitet. Das Verfahren erwies sich als konkurrenzlos preisgünstig.

Larderel veranlasste daraufhin die ersten gezielten Bohrungen nach Erddampf und nutzte die Energieform in seinen Fabriken. So entstand 1846 eine Fabrik und dazu gleich auch ein Arbeiterdorf, das den Namen Larderello erhielt. Ein Nachkomme Larderels, Piero Ginori Conti, nahm dort 1913 das erste Erdwärmekraftwerk der Welt in Betrieb.

Warum liegen die Gebiete mit den größten Erdwärmepotentialen an Grenzen von Kontinentalplatten?

Wenn sich die kilometerdicken Kontinentalplatten aneinander reiben und sich gegeneinander verschieben, entstehen Spalten und Risse in der Erdoberfläche. Über die gelangt Magma und damit Erdwärme aus tiefen Erdbereichen an die Oberfläche.

Motor der Kontinentalplatten-Bewegungen sind Strömungen von glühend heißem, flüssigen Gestein, das aus dem unteren Erdmantel und äußeren Erdkern stammt. Vulkane und Erdbeben sind deutliche Zeichen gewaltiger Krustenbewegungen, die durch solche Konvektionsströmungen entstehen.

Luftaufnahme auf die deutlich erkennbaren Risse und Spalten der San-Andreas-Verwerfung.

San-Andreas-Graben: Sichtbare Grenze zweier Kontinentalplatten

Im Bereich der Plattengrenzen gelangt konzentriert also wesentlich mehr Wärme aus dem Erdinneren in Oberflächennähe als in anderen Erdgebieten. Wissenschaftler sprechen in dem Zusammenhang oft von geothermischen Anomalien.

Hier können Temperaturunterschiede von 15 Grad Celsius pro 100 Meter Tiefenzunahme entstehen. Normal sind eher drei Grad pro 100 Meter. Schon in vier Kilometern Tiefe können im Bereich von geothermischen Anomalien Temperaturen von 400 Grad Celsius herrschen. Mehr als genug um mit Erdwärme auch Strom zu erzeugen.

Doch in Vulkangebieten oder geologisch aktiven Zonen siedeln natürlich weniger Menschen, sodass dort kaum Bedarf an der sauberen Energieform Erdwärme besteht. Bekannteste Ausnahme von der Regel ist Island.

Erdwärmenutzung auf Grund von geothermischen Anomalien gibt es auch an der Westküste Nord- und Südamerikas, in Japan, auf den Philippinen, in Indonesien, im Osten Afrikas, aber auch im Iran oder in der Türkei.

Weiterführende Infos

Stand: 12.10.2018, 13:40

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