Die Elbphilharmonie – Hamburgs neues Wahrzeichen

Nach einem Jahrzehnt Bauzeit endlich fertiggestellt: die Elbphilharmonie.

Hamburger Hafen

Die Elbphilharmonie – Hamburgs neues Wahrzeichen

Zehn Jahre Bauzeit, fast ein Jahr Baustopp und eine beispiellose Kostenexplosion – der Bau der Elbphilharmonie ist filmreif. Am Ende ist dabei allerdings großes Kino herausgekommen, fürs Auge und vor allem fürs Ohr.  

Die Idee vom Konzerthaus für alle

Am Anfang stand die Idee eines Privatmannes: Der Projektentwickler und Klassikliebhaber Alexander Gérard stellt 2001 dem Hamburger Senat seine Idee vor, ein Konzerthaus auf dem Kaiserspeicher A zu errichten.

16 Jahre später, am 11. Januar 2017, wird die Elbphilharmonie zu Beethovens Ouvertüre "Die Geschöpfe des Prometheus" eröffnet. "Elphie", wie die Hamburger ihr 110 Meter hohes Wahrzeichen liebevoll nennen, begeistert fortan Zuhörer aus der ganzen Welt.

Bereits vor dem ersten Spatenstich formulierte der damalige Bürgermeister Ole von Beust die Ansprüche an das Konzerthaus. Es solle "nicht ein Musentempel für wenige sein, sondern Kultur für alle".

Und auch Dirigent Thomas Hengelbrock stellt klar: " Wir wollen insbesondere den Bürgern dieser Stadt, die bisher noch keine Besucher klassischer Konzerte waren, die Elbphilharmonie aber letztlich mitfinanziert haben, diesen Saal als klingendes Erlebnis zurückgeben".

Der damalige Bürgermeister Ole von Beust legt den Grundstein.

Der damalige Bürgermeister Ole von Beust legt den Grundstein

Es wird teurer und teurer

Verdient haben sie es alle Male, waren sie es doch, die ein Jahrzehnt lang auf eine geldfressende und zeitweise stillgelegte Baustelle blicken mussten. Das Millionengrab, wie es spöttisch betitelt wurde, das von einer Hiobsbotschaft nach der nächsten heimgesucht wurde.

Etliche Verschiebungen des Eröffnungstermins und öffentliche Schuldzuschreibungen zwischen den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron und dem Baukonzern Hochtief bestimmten die Schlagzeilen in der Hansestadt. Vor allem jedoch der immer größer werdende Anteil der öffentlichen Hand stieß auf Unmut.

Einen Blick von oben in die Baustelle der Elbphilharmonie.

Einen Blick von oben in die Baustelle der Elbphilharmonie

"Herausragende Kultur und Architektur haben ihren Preis", sagte Ole von Beust 2006, nachdem der Anteil der Stadt von anfänglich 77 Millionen Euro auf 114,3 Millionen gesteigen war.

Dass sich die Kosten am Ende verzehnfachten und auf insgesamt 789 Millionen Euro für den Steuerzahler belaufen, ist spätestens seit der Eröffnung jedoch zur Fußnote geworden. Ein Konzerthaus von Welt ist fertig. Es scheint, als habe sich das Warten gelohnt. Und auch die Kosten.

Gewerkschaften demonstrieren vor der Elbphilharmonie.

Gewerkschaften demonstrieren vor der Elbphilharmonie

Ein Architektur-Meisterwerk

"Wir haben in unserer Karriere viele Bauten in aller Welt erbauen dürfen – darunter das Olympia-Stadion in Peking. Aber dieses Gebäude hier übertrifft alles an Komplexität", sagt Architekt Jacques Herzog. Schon von außen erahnt der Laie, was Herzog damit meint.

Ein Blick ins Innere der Elbphilharmonie.

Ein Blick ins Innere der Elbphilharmonie

Die Glasfassade, die "Gläserne Welle", besteht aus rund 1000 Fassadenelementen. Jedes einzelne Element ist ein Unikat. Zusammen lassen sie das Konzerthaus wie einen riesigen Kristall erscheinen und tragen dazu bei, dass die Fassade sich unter den verschiedenen Licht- und Wettereinflüssen immer wieder verändert. 

Die Glasfassade der Elbphilharmonie erinnert an eine große Welle.

Die Glasfassade der Elbphilharmonie erinnert an eine große Welle

Markant sind die Scheiben der Loggien in den Wohnungen und Konzertfoyers: Mit ihren großen Ausbuchtungen sollen sie an riesige Stimmgabeln erinnern.

Das architektonische und akustische Meisterwerk lässt sich allerdings vollends nur im Inneren erleben, im Großen Saal. Neben dem Architekten und der Baufirma ist dafür vor allem ein Japaner verantwortlich: der Akustiker Yasuhisa Toyota. Seine Arbeit ist nicht sichtbar, sie wird gehört.

Yasuhisa Toyota hat das Akustik-Konzept der Elbphilharmonie mitentwickelt.

Yasuhisa Toyota hat das Akustik-Konzept der Elbphilharmonie mitentwickelt

Es kommt auf die Akustik an

Wie schon beim Bau der Pariser Philharmonie oder der Walt Disney Hall in Los Angeles wurde er gerufen, um eine bestmögliche Akustik zu schaffen. In enger Zusammenarbeit mit den Architekten hat er das Herzstück der Elbphilharmonie entworfen. Sein Ziel: Jeder soll überall gleich gut hören.

Das Herzstück von Elphie: der Große Saal.

Das Herzstück von Elphie: der Große Saal

Dafür sorgen mehrere Faktoren. Zunächst wird der Große Saal von 362 Stahlträgern aufgehängt und ist damit vom restlichen Gebäude akustisch entkoppelt und schallisoliert. Möwengeschrei und Schiffslärm schallen ebenso wenig in den Konzertsaal rein, wie die Klänge der Streicher und Bläser nach außen.

Durch die Weinberg-Architektur sitzt zudem keiner der 2100 Zuschauer weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt und damit so nah an den Künstlern wie in keinem anderen Konzerthaus der Welt. Die Planung dazu erfolgte erstmals vollständig in 3D-Modellen.

Blick in den voll besuchten Großen Saal.

Verspricht das gleiche Hörerlebnis, unabhängig von der Platzwahl: der Große Saal

Die weiße Haut macht den Unterschied aus

Von Nahem betrachtet erinnert sie an eine Mondlandschaft oder einen Eierkarton: die Weiße Haut. 10.000 Gipsfaserplatten, aus denen die Oberfläche der Wände und Decken zusammengesetzt ist, sollen dafür sorgen, dass jeder im Raum das gleiche Klangerlebnis erfährt.

Sie reflektiert den Klang in jeden Winkel des Raumes zusammen mit einem Reflektor in der Mitte des Deckengewölbes. Damit erfüllt die Overfläche den gleichen Zweck wie der Stuck in barocken Sälen. Damit der Schall nicht entweicht, wurden in Handarbeit alle Fugen mit Silikon verdichtet, insgesamt 15 Kilometer.

Yasuhisa Toyota zeigt auf die Decke, die Weiße Haut.

Yasuhisa Toyota zeigt auf die Decke, die Weiße Haut

Ihre Grundstruktur ist angelehnt an die Wellenform des Daches. Eine besondere Aufgabe für Architekt Ascan Mergenthaler: "Unsere Herausforderung war es, wie können wir so ein Ornament entwickeln, das die akustischen Anforderungen erfüllt und gleichzeitig dem Saal seine Identität und Charakter gibt."

Vieles steckt im Detail

Um beide Ansprüche zu wahren, war ein stetiger Austausch der Architekten mit dem Akustiker Toyota sehr wichtig. Schon Details beeinflussen die Akustik im Großen Saal, etwa die Beschaffenheit der Stuhlvorderseite. Je härter die Vorderseite, desto besser reflektiert der Schall.

"Grundsätzlich sind die Architekten für die Innengestaltung des Konzertsaales verantwortlich", sagt Toyota. "Wenn ein Gestaltungselement toll für die Akustik wäre, aber überhaupt nicht ins Design passt, muss ich zurückstecken." Am Ende trafen sich Architekt und Akustiker oft in der Mitte.

Die 15 mal 15 Meter große Orgel ist so angebracht, dass Konzertgäste sie sogar berühren können. Die Aussichtsplattform, die Plaza, ist öffentlich zugänglich.

Autor: Martin Horn

Stand: 22.09.2017, 09:00

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