Alabaster in Europa

Statuen auf einem Grab, zwei kleine Mädchenfiguren aus Alabaster.

Werkstoffe

Alabaster in Europa

Nicht nur um das Mittelmeer herum, auch im mittleren Europa gibt es Alabastervorkommen und auch hier verarbeitete man ihn früher zu kunstvollen Dingen. In England zum Beispiel gab es ihn in größeren Mengen in der Nähe von Nottingham. Dort entstanden in der Mitte des 14. Jahrhunderts etliche Kleinplastiken, Altäre und liegende Figuren auf Grabplatten.

Gibt es Alabaster nur in Südeuropa?

Auch im französisch-niederländischen Gebiet wurde Alabaster vielfach für Grabmäler benutzt. In Deutschland bearbeitete man ihn in dieser Zeit aber nur selten. Erst hundert Jahre später wurden Statuetten in fast allen Gegenden hergestellt.

Da gibt es beispielsweise verschiedene Skulpturen in Erfurt und ein Bischofsgrabmal im Dom zu Havelberg. Ganz ähnlich wie in Italien war Alabaster auch im Norden mal mehr und mal weniger beliebt. So gefiel er in der Renaissance besonders gut, im Barock kaum noch und erst gegen Ende des Rokoko wurde er wieder gerne für Reliefs und Kleinplastiken verarbeitet. Dann kam er ganz außer "Mode".

Das war nicht eine Frage des Transportes, denn Alabaster wurde auch in Deutschland abgebaut. Man fand ihn unter anderem im Harz, im Werragebiet bei Fulda, an der Saale und am Neckar. Der fränkische Alabaster aus Bad Windsheim ist gelblich.

Foto der Alabasterküste in Frankreich. Im Hintergrund die Klippen, vorne Strand und Touristen.

Die Alabasterküste ist eigentlich aus Kreide

In Baden-Württemberg, das heißt in Schwäbisch Hall, Forchtenberg, Kesselbach und Michelbach, graugestreift. Besonders schöne Sorten gab es im thüringischen Nordhausen. Bekannt war der weiße Alabaster aus dieser Gegend. Den Alabastersteinbruch bei Nordhausen kann man heute noch besichtigen. Er liegt an der Straße in Richtung Rüdigsdorf und ist inzwischen ein Naturdenkmal.

Es gibt sogar eine so genannte Alabasterküste im mittleren Europa. Die "Côte d'Albatre" ist ein Teil der Normandie in Frankreich, am Atlantik zwischen Le Havre und Le Treport. Der Name Alabasterküste täuscht jedoch: Die weiß leuchtenden Felsen sind nämlich nicht aus Gips oder Alabaster, sondern aus Kreide, das heißt aus Kalkgestein.

Die Alabasterküste ist vielmehr eine Kreideküste. Während man über Jahrhunderte hinweg in Italien den besonders feinkörnigen Gips, den Alabaster, so bearbeitet hat, dass er wie Kalkgestein, wie Marmor aussah, war es in Frankreich umgekehrt. Hier nannte man die Küste aus Kalkgestein "Alabaster"-Küste.

Autor/in: Bärbel Heidenreich

Stand: 08.08.2014, 13:00

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