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Kartoffel

Der Herbst - Zeit für die Ernte. Herbstferien hießen früher "Kartoffel-Ferien". Eine gute Kartoffelernte war noch Anfang des 20. Jahrhunderts überlebenswichtig. Wochenlang half jeder, der konnte, von morgens bis abends, die kostbaren Knollen rechtzeitig aus dem Boden zu holen. An kühlen Oktoberabenden dann der karge Lohn für die Erschöpften: Im herbstlichen Abendrot glühten in der Dämmerung weithin sichtbar große Kartoffelfeuer. Und nach der Arbeit schmeckten die über dem Feuer gerösteten Erdäpfel doppelt so gut.

Siegeszug der Kartoffel (0'40'')Der Film erklärt den Weg der Kartoffel von Südamerika nach Europa.

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Misstrauen gegenüber der fremden Frucht

Spanische und englische Seefahrer - unter ihnen der legendäre Freibeuter und Admiral Sir Francis Drake - hatten die Kartoffel bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Südamerika nach Europa gebracht. Die Pflanze war unbekannt, ihre Blüte beliebt, aber schwierig der Umgang mit ihren oberirdischen, grünen Teilen - denn die Ranken enthalten das giftige Alkaloid "Solanin" der Nachtschattengewächse. Wer das nicht wusste und davon aß, konnte sich schwere Vergiftungen mit Übelkeit und Erbrechen zuziehen, die im schlimmsten Fall mit dem Tod endeten. Erst etwa 200 Jahre später schaffte die Knolle den Durchbruch. Noch der preußische König Friedrich der Zweite musste um 1770 seine misstrauischen Bauern zwingen, die fremden Kartoffeln anzubauen. Erst dann fanden die Menschen langsam Geschmack an der goldgelben Frucht und lernten ihre lebenswichtigen Nährstoffe und Vitamine zu schätzen. Die ersten Kartoffeln wurden übrigens "Trüffel" genannt, weil sie so versteckt unter der Erde sind wie die wertvollen Pilze.

Gezeichnetes Porträt des Seefahrers Francis Drake. (Rechte: dpa)

Francis Drake soll die Kartoffel aus Peru nach Europa gebracht haben

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Harte Arbeit, harter Lohn

Seither bedeutete Kartoffelernte harte Plackerei im September und Oktober. Wer essen wollte musste auch arbeiten. Und zwar - in manchen ländlichen Gebieten noch bis etwa 1950 - mühselig mit der Hand: im Boden wühlen, mit einer Forke vorsichtig die Kartoffelnester ausheben und die Knollen einsammeln. Ganz gleich, ob die Sonne brannte, ob es regnete oder Herbststürme übers Land zogen. Die Zeit drängte. Wer half, bekam Rückenschmerzen und schwielige Hände. Aber auch volle Kartoffelkeller zum Erntedankfest Ende Oktober - und die Gewissheit, ohne Hunger über den Winter zu kommen.

Eine Reihe von Frauen sammelt in Weidenkörben auf dem Acker liegende Kartoffeln ein (Rechte: dpa)

Eine mühsame Arbeit

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Erleichterungen bei der Ernte

Ende des 19. Jahrhunderts zogen dann Pferdegespanne sogenannte "Kartoffelroder". Das war eine große Erleichterung: Eine sich drehende Spindel wurde langsam durch die Erde gezogen, rupfte die Wurzeln aus dem Boden und schleuderte die Kartoffeln zur Seite. Jetzt brauchten die Helfer, groß und klein, nur noch hinter dem Gespann die Knollen aufzusammeln. Auch die Schulkinder mussten mit anpacken, sogar noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts: Am Ende der "Kartoffelferien" Mitte Oktober gab ihnen der Bauer für ihre Hilfe ein kleines Taschengeld.

Ein Traktor fährt die Erdwälle eines Kartoffelackers ab (Rechte: dpa)

Kartoffelernte heute

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Moderne Ernte

Heute leisten moderne Erntemaschinen in wenigen Stunden mehr als früher Dutzende von Helfern an einem ganzen Tag. Sogenannte "Vollernter", von Treckern gezogen, nehmen mit Hilfe ausgeklügelter Technik in einem einzigen Arbeitsgang mehrere Kartoffelreihen auf, sammeln die Knollen ein und werfen die giftigen Ranken und den groben Schmutz zurück auf den Acker. Die Kartoffeln hingegen kommen auf ein langes Förderband. Erst jetzt greifen Helfer ein, sortieren fein säuberlich Steinchen und andere Gegenstände heraus wie zum Beispiel rostige Eisenteile, Glasscherben oder Munitionshülsen. Denn das schafft selbst die beste Maschine nicht.

Vermehrung: geklonte Knolle

Kartoffeln vermehren sich über die Knollen der Elternpflanzen; ein Vorgang den man auch als "vegetative Vermehrung" bezeichnet. Die neue Pflanze ist folglich ein Klon der Eltern. Dies ist von wirtschaftlicher Bedeutung, da jede gewünschte Eigenschaft erhalten bleibt. Aber es gibt auch Kehrseiten. Durch das Klonen sind die Kartoffeln anfällig für Krankheiten. Die häufigsten Krankheiten sind Viren und Kartoffel-Mehltau. Die Erzeugung von Sorten mit verbesserter Qualität, höheren Erträgen und Krankheitsresistenzen ist für Pflanzenzüchter von größter Bedeutung.

Claudia Kracht, Almut Röhrl, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Kartoffelgeschichten - Eine Knolle erobert die Welt, 10.09.2008

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