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Rückenschmerzen

Sie trägt die ganze Last unseres Lebens, hält uns aufrecht, lässt uns groß und stark oder schwach und klein wirken. Wie empfindlich unsere Wirbelsäule ist, bekommen wir nur allzu oft schmerzhaft zu spüren. Der eingeklemmte Ischiasnerv, ein Hexenschuss oder ein Bandscheibenvorfall machen jährlich Hunderttausenden Menschen Probleme.

System Rücken (6'18'')

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Wenn die Stoßdämpfer schlapp machen

Die Diagnose von Rückenschmerzen stellt die Ärzte vor ein großes Problem, denn sehr oft sind die Beschwerden unspezifisch. Zu den häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen gehören kaputte Bandscheiben. Sie sind bei vielen im wahrsten Sinne des Wortes platt. Verschleiß, aber auch Stress und falsche Haltung machen die kleinen Polster zwischen den Wirbeln rissig und spröde. Irgendwann ist es dann so weit: Das Bandscheibengewebe tritt aus und rutscht in den angrenzenden Wirbelkanal. Dort drückt es auf die Nerven in der Umgebung. Doch Bandscheibenvorfälle kann man gut behandeln. Mittlerweile gibt es viele - ganz unterschiedliche Therapien - die alle das gleiche Ziel haben: Schmerzfreiheit.

Symbolbild: Ärzte bei Operation. (Rechte: WDR/MEV)

Oft muss nicht operiert werden

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Das Skalpell kann meistens warten

Im Röntgenbild zeigt sich bei vielen Menschen eine abgenutzte Wirbelsäule. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig Beschwerden. Fatal wird es immer dann, wenn zwischen Röntgenbild und Schmerzsymptomen ein Zusammenhang hergestellt wird, den es gar nicht gibt. Wird trotz unklarer Diagnose operiert, bedeutet dies für den Patienten oft den Einstieg in eine langwierige Operationskarriere. Verantwortungsbewusste Ärzte greifen nur zum Skalpell, wenn sich der Bandscheibenvorfall ganz eindeutig im Kernspintomographen nachweisen lässt und der Patient bereits unter Lähmungserscheinungen der Beine oder des Blasen-Mastdarm-Bereichs leidet.

Frau wird massiert. (Rechte: Imago)

Auch Massagen können zur Therapie gehören

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Möglichkeiten und Grenzen der Rückentherapie

In 90 Prozent der Fälle verschwinden die Rückenbeschwerden innerhalb von drei Monaten und zwar unabhängig von der Therapie. Das hängt mit der Komplexität der Wirbelsäule zusammen. Entzündungen klingen oft von alleine ab. Und bei einem leichten Bandscheibenvorfall ist der Körper in der Lage, das Gewebe zu narbigen Strukturen umzubauen. Aber wer will schon drei Monate warten? Viele Patienten haben nicht die Geduld für eine konservative Therapie - also für eine Therapie mit Medikamenten oder physikalischen Angeboten. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Art der Behandlung am besten die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützt.

Sinn aller physikalischen Maßnahmen ist es, ob Wärme- oder Kältebehandlung, den Körper zur Ausschüttung schmerzhemmender Stoffe anzuregen. Und: Bewegung ist das Wichtigste. Eine Schonhaltung, wie sie früher empfohlen wurde, führt den Patienten immer tiefer in den Teufelkreis aus Schmerzen und Vermeidungshaltung.

Wenn die Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder immer wiederkehren, spricht man von chronischem Schmerz. Dann hilft nur noch eine intensive Schmerztherapie. Für jede Form der Rückentherapie gilt: Die Lösungsansätze müssen individuell und vielseitig sein. Am besten funktioniert die enge Zusammenarbeit von Ärzten, Physiotherapeuten, Akupunkteuren, Masseuren und Psychologen. Leider hapert es daran immer noch viel zu oft. Niedergelassene Ärzte können so ein Behandlungsspektrum nur selten anbieten. Oft genug fehlt allerdings auch die Offenheit, sich auf neue Verfahren einzulassen.

Symbolbild: Holzpuppe mit Rückenschmerzen (Rechte: Imago)

Nicht nur den Körper, auch die Seele stärken

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Rücken und Psyche

Starke Muskeln bedeuten stabile Knochen. Und ein starker Rücken kennt keinen Schmerz. Normalerweise. Wenn wir uns aber unwohl fühlen, seelische Probleme haben und unter Stress stehen, dann reagiert unser Rückgrat auch mit Schmerzen. Mit Fango, Massage oder Krankengymnastik kommt man in solchen Fällen oft nicht weiter. Zu einer guten Schmerztherapie gehört daher auch immer eine Verhaltens- oder Körpertherapie.

Bislang ist es zwar noch nicht gelungen, auch empirisch eine sogenannte "Rückenschmerzpersönlichkeit" zu definieren, dennoch haben sich in Studien immer wieder bestimmte Verhaltensweisen gezeigt, wie "zu hoher Leistungsanspruch", "übertriebene Hilfsbereitschaft" und "mangelnde Konfliktfähigkeit". Der typische Rückenschmerz-Patient neigt demnach zu sogenannten Durchhaltestrategien. Das heißt, er will trotz Schmerzen alle Aktivitäten erst mal zu Ende zu bringen und beißt lieber die Zähne zusammen, als sich helfen zu lassen.

Bei solchen Patienten ist es nötig, neben dem Rückgrat auch die Seele wieder zu stärken. In der Verhaltenstherapie erfahren die Betroffenen nicht nur den aktiven Umgang mit dem Schmerz, sondern auch, wie sich ihre eigenen Handlungen positiv oder negativ auf den Körper auswirken. Viele müssen dabei erst wieder lernen, ihren Körper bewusst wahrzunehmen. Wichtige Hilfsmittel sind unter anderem Entspannungsmethoden.

Arzt setzt Akupunkturnadel (Rechte: Imago)

Akupunktur kann helfen

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Heilende Nadeln?

Auch von Akupunktur wird immer wieder behauptet, sie könne bei chronischen Rückenschmerzen weiterhelfen. Insbesondere Entzündungen und muskuläre Probleme ließen sich beseitigen. Eine Studie namens "German acupuncture trial" (GERAC) kam zu dem Ergbnis, dass knapp die Hälfte der Patienten nach zehn Akupunktur-Sitzungen eine Verbesserung ihrer Rückenschmerzen spürten. Allerdings reagierten auch 44 Prozent der Patienten einer anderen Kontrollgruppe auf Scheinakupunktur, also auf das falsche Setzen von Nadeln. Die konventionelle Therapie, unter anderem mit Medikamenten und Ergotherapie, schnitt dagegen um einiges schlechter ab: Hier sprachen nur knapp ein Drittel der Patienten von einer Verbesserung.

Ärzte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Forschungsgruppe Akupunktur hatten zuvor schon in einer Studie festgestellt, dass eine vierwöchige Akupunktur-Behandlung effektiver wirkt als die herkömmlichen orthopädischen Behandlungen wie zum Beispiel Physiotherapie, medizinischen Bäder und chiropraktische Behandlungen. Drei Monate nach der Therapie berichteten 75 Prozent der Akupunktur-Behandelten über einen drastischen Schmerzrückgang. Bei den rein schulmedizinisch Behandelten waren es nur 17 Prozent. Bisher wurden den meisten Studien jedoch immer wieder methodische Schwächen vorgehalten - die Diskussion um Sinn und Wirksamkeit der Akupunktur wird also vermutlich weiter anhalten.

Bettina Wiegand/JochenZielke, Stand vom 14.10.2010
Sendung: Raus aus der Schmerz­fal­le, 20.10.2010

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