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Kulturgeschichte der Milch

"Die Milch macht's!", "Noch mehr Milch!", "Viel mehr Milch!", "Milch macht müde Männer munter." Die Liste der Werbeslogans für die Milch ist lang. Seit Jahrtausenden ist die Milch positiv besetzt, mit ihr verbindet man eine ausgewogene Ernährung und Gesundheit. Wenn die modernen Marketing-Manager auf das gesunde Image der Milch setzen, dann greifen sie auch auf Mythen und Legenden zurück.

Zwei heulende Wölfe (Rechte: dpa)

Durch Muttermilch zum Hauswolf?

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Vom Wolf zum Hund dank Milch?

Neugeborene Lebewesen können sich über längere Zeit ausschließlich von Muttermilch ernähren, denn sie enthält alle Nährstoffe, die zum Wachstum notwendig sind. Und weil die Milch so ein besonderer Saft ist, finden sich in vielen Epochen Verweise auf Milch und auf die Brust als Milchquelle. Nicht nur biologisch, sondern auch kulturgeschichtlich hat die Brust eine besondere Bedeutung.

Ein Beispiel ist die Geburtsstunde des Hundes vor etwa 15.000 Jahren. Stammesvater des Hundes ist der Wolf und es spricht zumindest einiges dagegen, dass es der Mann war, der den Wolf aus rein zweckorientierten Gründen für die Jagd oder zur Verteidigung domestiziert hat. Eine enge soziale Beziehung zum Menschen kann bei einem Wolf nur in sehr frühem Alter aufgebaut werden. Dann aber sind die Welpen noch vollständig von Milch abhängig und Muttermilch war damals die einzig verfügbare Milchquelle. Wahrscheinlicher ist daher, dass eine junge Frau ein Wolfsjunges fand, ihm Milch gab und den ersten Hauswolf aufzog. So könnte die Freundschaft zwischen Mensch und Hund begonnen haben.

Wo Milch und Honig fließen

Der Milch werden magische Kräfte zugeschrieben. In Altertum und Mittelalter galt sie zum Beispiel als Heiltrank und wurde als Schönheitsmittel gerne benutzt. Nach biblischen Vorstellungen sind Milch und Honig zwei wesentliche Attribute für das Gelobte Land. Die Redewendung aus dem Alten Testament "ein Land, in dem Milch und Honig fließen" steht für das Paradies. Milch ist ein Symbol des Überflusses und des Wohllebens.

Der "Reichsmilchausschuss"

Im Jahr 1926 machte die Milchproduktion etwa ein Fünftel der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Deutschland aus. Aber die Milch war bei den Deutschen zu der Zeit nicht wirklich beliebt. Molkereien, Händler und Wirtschaftsexperten machten sich Sorgen. Ein breit angelegtes Werbekonzept sollte die Milch wieder beliebt machen und den Konsum ankurbeln. Eigens dafür wurde ein Ausschuss im Reichsministerium für Landwirtschaft gebildet: Der "Reichsmilchausschuss". Plakate mit Botschaften wie "Viel mehr Milch, Butter, Käse!" wurden gedruckt, Filme gedreht und Großveranstaltungen wie die "Milchwerbetage" organisiert. In den Werbeaktionen wurde betont, dass Milch nicht nur gut schmecke, sondern zudem sehr gesund sei. Das war erfolgreich.

Milchbars symbolisieren Lebensstil

Nach knappen Zeiten in und nach dem Zweiten Weltkrieg floss die Milch mit der Abschaffung der Lebensmittel-Bezugsscheine 1948 auch in deutschen Haushalten wieder. In den 50er Jahren war Milch keine Mangelware mehr und gehörte zum guten Ton. Statt nur zum Bier oder Schnäpschen trafen sich Zechenkumpels nach Feierabend auch auf ein Glas Kirschmilch in der Milchbar. Die USA hatten es vorgemacht: Dort war der Boom von Milchbars zu Zeiten der Prohibition aufgekommen. In Deutschland eröffneten in den Nachkriegsjahren zahlreiche Milchbars, zunehmend auch Eisdielen. Dort traf sich vor allem die Jugend, für die Alkohol bis zum 21. Lebensjahr verboten war, an den Musikboxen und fühlte sich dem amerikanischen Traum ein Stückchen näher. Milchbars und Eisdielen wurden zum Symbol für Lebensstil, die Bezeichnung "Bar" spielte auf die Cocktail-Bar und damit auf die "große weite Welt" an.

Werbekampagnen für die Volksgesundheit

Heute ist Werbung für Milch und Milchprodukte alltäglich. Milch hat immer noch den Ruf, wichtig für die gesunde Ernährung und das Wohlbefinden zu sein. Auch wenn es kritische Betrachtungen und Abhandlungen zur Milch gibt, so ist der positive Tenor doch weiter verbreitet. Die vielen verschiedenen Hersteller werben für ihre eigenen Produkte, gemeinsam werben sie im Verbund der Milchwirtschaft für Milch und Milchprodukte. Noch immer schreibt man Milch besondere Eigenschaften zu: Sie mache angeblich schön, gesund und stark.

Natalie Muntermann, Stand vom 28.07.2011

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