Kunststoff
Mangel an natürlichen Rohstoffen
Ende des 19. Jahrhunderts wurden natürliche Rohstoffe immer knapper oder waren wenig geeignet, um Gegenstände des täglichen Gebrauchs für die stetig wachsenden Bevölkerungen in den Industrieländern herzustellen. Zu diesem Zeitpunkt machten sich zahlreiche Forscher Gedanken, wie diese Rohstoffe durch künstliche Stoffe ersetzt werden könnten. Schellack oder Galatith waren zwei der ersten dieser künstlichen Werkstoffe. Man konnte mit ihnen zum Beispiel Textilien imprägnieren oder günstige Knöpfe herstellen. Im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden immer mehr künstliche Werkstoffe erfunden, die heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Den Begriff "Kunststoffe" erfand übrigens der Münchner Chemiker Dr. Ernst Richard Escales, der 1910 der gesamten Werkstoffgruppe synthetisch hergestellter Stoffe diesen Namen gab. Ein Jahr später gab er auch eine Zeitschrift mit dem gleichen Namen heraus.
Plaste und Elaste
Im Wesentlichen sind uns zwei Materialeigenschaften von Kunststoffen aus dem täglichen Gebrauch bekannt. Eine Plastiktüte schmilzt zum Beispiel unter dem Einfluss der Hitze einer Herdplatte und verformt sich, während ein Kochlöffel aus Holz diesem Einfluss größtenteils widerstehen kann. Diese Gruppe thermisch verformbaren Kunststoffe wird auch Thermoplaste genannt. Kunststoffe, die einer derartigen Hitzeeinwirkung widerstehen können, werden dagegen Duroplaste genannt. Eine andere wichtige Eigenschaft von Kunststoffen ist ihre Elastizität. Es gibt einige Arten, die trotz Biegen und Verformen ihre Form behalten oder wieder in ihre ursprüngliche Form zurückkehren. Diese Arten von Kunststoffen werden Elastomere genannt. Jeder synthetisch hergestellte Werkstoff lässt sich in eine dieser drei Hauptgruppen einteilen.
Ein Plus für die Umwelt?
"Jute statt Plastik" - mit dem Aufkommen der Ökologiebewegung sank der Stern des Kunststoffs in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei wurde oft vergessen, dass Kunststoffe spezielle Anforderungen besser erfüllen können als herkömmliche Werkstoffe wie Stahl, Papier oder Holz - und das zu einem deutlich geringeren Preis und oft auch umweltverträglicher. Das belegen zahlreiche Ökoeffizienz-Analysen. Immer leichtere Fahrzeuge und eine verbesserte Wärmedämmung von Gebäuden sorgen dafür, dass der Energieverbrauch sinkt und die Umwelt weniger belastet wird. So leisten Kunststoffe einerseits einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung.
Andererseits machen Kunststoffe auch eine Menge Probleme; Beispiel PVC: Das Problem beim PVC ist der Bestandteil Chlor. Im Unterschied zu anderen gängigen Kunststoffen, die nur aus Kohlenstoff, Wasserstoff und gegebenfalls Stickstoff oder Sauerstoff bestehen, enthält PVC zu 57 Prozent Chlor. Bei der Verbrennung einer einzigen Tonne PVC (in einer Müllverbrennungsanlage, im Abfall vermischt) entstehen rund 1,75 Tonnen Salze. Da diese aber unter anderem mit Schwermetallen verunreinigt sind, kann das Salz nicht als Wertstoff weiter verwendet werden. Der Einsatz der Chemikalien und die anschließende Entsorgung des Salzes verursachen einen erheblichen finanziellen Mehraufwand. Das Entsorgungsproblem wird somit auch zum Kostenproblem. Bereits heute sind gut die Hälfte des von den mehr als fünfzig deutschen Müllverbrennungsanlagen zu entsorgenden Salzes auf PVC zurückzuführen. Die Rechnung für das vermeintlich billige PVC zahlen die Bürgerinnen und Bürger mit immer höheren Müllgebühren, so Kritiker.
Thomas Kamp, Stand vom 23.11.2011
Sendung: Leben mit Kunststoff - Von Nylonstrümpfen, Plastikstühlen und Müllbergen , 24.11.2011






