Die Kennedys

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Die Kennedys

Die Kennedys sind eine besondere Familie. Kaum eine andere hat den amerikanischen Traum so konsequent gelebt wie sie und kaum eine stand so im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Macht, Intrigen, Affären und Dramen liegen selten so nah beieinander wie in der Familie, die den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten hervorgebracht hat. Doch die Wurzeln der Kennedys, die als berühmteste Politikerdynastie der USA Geschichte geschrieben haben, liegen nicht in dem Land, in dem sie zum Mythos geworden sind.

Die Anfänge in Boston

Der Kennedy-Clan mit Schwiegersöhnen und -töchtern auf einem Gruppenbild im Haus der Familie. Einige Personen sitzen im Vordergrund. Die anderen stehen vor einer Bücherwand.

Der Kennedy-Clan im November 1960

Patrick Kennedy ist 26 Jahre alt, als er sich Mitte des 19. Jahrhunderts auf die lange Reise von Südirland nach Nordamerika macht. Wie viele seiner Landsleute hofft auch er auf ein besseres Leben. So geht es auch Bridget Murphy, die mit demselben Auswandererschiff nach Boston unterwegs ist. Auf der langen Überfahrt lernen sich die beiden kennen und heiraten im September 1849 in ihrer neuen Heimat Ost-Boston. Sie bekommen fünf Kinder, einer der Söhne stirbt mit knapp zwei Jahren. Neun Jahre nachdem das Paar in Amerika angekommen ist, stirbt auch Patrick Kennedy.

Bridget muss ihre Familie allein durchbringen. Sie schafft es, den Kurzwarenladen zu kaufen, in dem sie vorher als Verkäuferin gearbeitet hat. Mit dem Geld, das sie damit verdient, unterstützt sie später auch ihren Sohn Patrick Joseph, genannt "P.J.", als der sich mit einer Kneipe selbständig macht. Schnell kommen weitere Lokale sowie ein Groß- und Einzelhandel dazu. Der Grundstein für das Kennedy-Vermögen ist gelegt. Doch "P.J." ist nicht nur als Geschäftsmann erfolgreich, er steigt auch in die Politik ein.

1886 sitzt "P.J." das erste Mal als Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Massachusetts. Ein Jahr später heiratet er Mary Augusta Hickey, die Tochter eines erfolgreichen Geschäftmanns. Die beiden bekommen drei Kinder. Als "P.J." 1929 stirbt, gehört die Familie zur Bostoner Mittelschicht. Sie ist wohlhabend und besitzt Aktienpakete sowie Firmenbeteiligungen.

Die Schwarzweiß-Fotografie aus dem Jahr 1882 zeigt eine Straße mit Kopfsteinpflaster. Links und rechts stehen viergeschossige Häuser, davor Kutschen und Pferdefuhrwerke.

So sah es in Boston aus, als die ersten Kennedys kamen

Noch bekannter als "P.J." Kennedy ist John F. Fitzgerald, ebenfalls ein erfolgreicher Politiker, der auch "Honey Fitz" genannt wird. Der Sohn eines Geschäftsmanns hatte sein Medizinstudium an der "Harvard Medical School" abgebrochen, weil er sich nach dem Tod seines Vaters um seine jüngeren Brüder kümmern wollte. 1892 wird John F. Fitzgerald, der unter anderem Herausgeber einer lokalen Zeitung ist, in den Senat von Massachusetts gewählt. Später wird er Bürgermeister von Boston.

Rose und Joe - die Gründer des Clans

Das schwarzweiße Hochzeitsfoto zeigt einen Mann mit Frack und Zylinder. Die Braut hält Blumen und ihren Schleier im Arm. Die beiden stehen in einem Hauseingang.

Rose und Joe an ihrem Hochzeitstag im Oktober 1914

Als Gründer des eigentlichen Kennedy-Clans gelten die Kinder der beiden mächtigen Bostoner Männer. Rose, die Tochter von "Honey Fitz", und Joseph Patrick Kennedy, der Sohn von "P.J.", heiraten am 7. Oktober 1914. Rose, die in Europa erzogen wurde, lernt ihren späteren Ehemann während eines Urlaubs im US-Bundesstaat Maine kennen.

Joe, der unter anderem an der Universität Harvard studiert hat, gilt als extrem selbstbewusst und möchte hoch hinaus. Sein ausgeprägter Ehrgeiz hat nicht zuletzt damit zu tun, dass ihm als Sohn einer irischen Auswandererfamilie die gesellschaftliche Anerkennung verwehrt bleibt. Genau die will er sich jetzt erkämpfen. Zumindest finanziell geht die Rechnung auf. Als Joe Kennedy Mitte 30 ist, hat er an der Börse ein Vermögen gemacht und ist Multimillionär. Er ist bekannt für sein rücksichtsloses Geschäftsgebaren, außerdem werden ihm Kontakte zur Mafia nachgesagt. Für die alteingesessenen Bostoner bleibt er nicht nur deswegen ein neureicher Emporkömmling.

1926 zieht die Familie Kennedy nach New York und Joe steigt ins Filmgeschäft ein. Er vergrößert sein Vermögen und beginnt eine Beziehung mit dem berühmten Stummfilmstar Gloria Swanson. Seine Frau Rose erträgt diese und weitere Affären stillschweigend. Wichtig ist ihr nur, dass der Schein einer intakten Familie gewahrt bleibt. 1932 wird das neunte und letzte Kind der Kennedys geboren. Die vier Jungen und fünf Mädchen lernen von ihrem Vater schon früh, worauf es ankommt im Leben: Seine Kinder sollen Gewinner sein. Und so gehören sportliche Wettbewerbe zum Alltag. Nur Rosemary, die seit ihrer Geburt unter einer geistigen Behinderung leidet, kann nicht mithalten.

Schwarzweiß-Gruppenbild der Kennedys. Die acht Kinder sowie ihre Eltern stehen in einem Garten und lächeln in die Kamera.

Fast komplett: die Kennedys ohne Joe jr., den ältesten Sohn

Besondere Aufmerksamkeit schenkt Joe Kennedy seinen ältesten Söhnen Joseph jr. und John F. Der Erstgeborene Joseph jr. wird schon während seiner Jugend als erster "irischer" Präsident der Vereinigten Staaten gehandelt. Zwischen den beiden Brüdern herrscht eine ausgeprägte Rivalität. Während Rose oft in Europa unterwegs ist, versucht Joe Kennedy sein Glück in der Politik. Mit seinem Geld und seinen Beziehungen unterstützt er den demokratischen Kandidaten Franklin Delano Roosevelt im Präsidentschafts-Wahlkampf, nicht zuletzt, weil er sich davon ein hohes politisches Amt verspricht. Doch als Roosevelt 1933 tatsächlich Präsident wird, geht Kennedy leer aus und bekommt keinen der begehrten Kabinettsposten.

Joe wird Botschafter

Vor einem Zaun stehen drei junge Männer nebeneinander und lachen in die Kamera.

Die Brüder John F., Robert und Edward

Auch um seinen Verpflichtungen gegenüber Kennedy nachzukommen, beruft Roosevelt Joe Kennedy 1937 zum amerikanischen Botschafter in Großbritannien. Dessen neue Karriere in London beginnt mit einer drastischen Fehleinschätzung: Seiner Meinung nach geht von der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland keine größere Gefahr aus. Er hält deswegen auch eine militärische Einmischung Amerikas für unnötig.

Kennedy, dem auch antisemitische Tendenzen nachgesagt werden, unterstützt die "Appeasement-Politik", also den Beschwichtigungskurs des damaligen Premierministers Neville Chamberlain. 1940, kurz nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, kehrt Joe Kennedy nach Amerika zurück, seine politische Karriere ist beendet.

Fortan widmet er sich dem Fortkommen seiner ältesten Söhne. Sowohl Joseph jr. als auch John F. treten 1941 in die Armee ein. Der ältere der beiden wird Flieger bei der Marine; "JFK", wie man ihn später auch nennt, wird Leutnant zur See und kommandiert Torpedo-Patrouillenboote. Als 1942 der Pazifikkrieg ausbricht, meldet er sich freiwillig und kommt als "Held" wieder zurück, weil er einen seiner Kameraden gerettet hat. Sein Bruder Joseph überlebt den Krieg nicht, er verunglückt 1944 bei einem Flugzeugabsturz, nachdem er sich für eine gefährliche Mission gemeldet hat. Vier Jahre später stirbt auch Kathleen, die älteste der Kennedy-Schwestern, bei einem Flugzeugabsturz.

Die Kennedys im Weißen Haus

Links steht eine Frau in einem weißen Kleid, daneben ein Mann.

Das neue Präsidentenpaar: John und Jackie 1961

Mitte der 1940er Jahre hat John F. Kennedy seine ersten politischen Auftritte. Unterstützt von seinem Vater und seinen Geschwistern wird "JFK" 1952 Senator von Massachusetts. Am 20. Januar 1961 hat die Familie schließlich ihr Ziel erreicht: John F. Kennedy wird Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Mit seiner Frau Jacqueline und seinen zwei Kindern zieht er ins Weiße Haus ein. Er verkörpert einen neuen Politikertyp, der für die Aufbruchstimmung der frühen 1960er Jahre steht. Doch seine Ära dauert keine drei Jahre.

Rund 1000 Tage nach seiner Amtseinführung wird Kennedy am 22. November 1963 in Dallas erschossen. Die Hintergründe des Attentats sind bis heute ungeklärt. Zwar kann der mutmaßliche Schütze, Lee Harvey Oswald, direkt nach dem Mord gestellt werden, aber die Ermittler gehen mittlerweile davon aus, dass Oswald im Auftrag gehandelt hat. So gibt es unter anderem die Theorie, dass der kubanische Regierungschef Fidel Castro den Mord veranlasst haben soll.

Auch Robert Kennedy, der jüngere Bruder von "JFK", wird Politiker. Er gehört als Justizminister zum Kabinett von John F. und behält den Posten auch unter Lyndon B. Johnson. Zu seinen politischen Hauptanliegen gehört die Abschaffung der Rassentrennung. Auch er hat das Präsidentenamt im Visier. Doch trotz eines Erfolg versprechenden Wahlkampfes kommt es nicht so weit, da Robert Kennedy 1968 in einem Hotel in Los Angeles erschossen wird. Er hinterlässt elf Kinder.

Auch Edward Kennedy, genannt Ted, der jüngste Sohn von Rose und Joe, geht in die Politik. Wie seine Brüder will auch er Präsident werden. Das scheitert an immer neuen Skandalen, darunter zahlreiche Alkoholexzesse und ein folgenschwerer Auto-Unfall, bei dem seine Beifahrerin stirbt. Trotzdem macht Ted Karriere, er wird Senator und einer der führenden liberalen Politiker der USA.

Hinter Grasbüscheln und Wasser, auf dem kleine Boote fahren, ist eine weiße Villa sichtbar. Links stehen weiße Zelte.

Das Familienanwesen der Kennedys in Hyannisport

Skandale und Unglücksfälle gibt es auch in der nächsten Generation. 1999 leidet ganz Amerika mit, als der "Kronprinz" John Junior, der Sohn von "JFK", bei einem Flugzeugunglück ums Leben kommt. Der unerfahrene Flieger stürzt mit seiner Frau Carolyn Besette und deren Schwester auf dem Weg zur Hochzeit seiner Cousine über der Ferieninsel Martha's Vineyard ab. Mit dem Tod von John-John sterben für den Kennedy-Clan auch die letzten Hoffnungen, jemals wieder einen Präsidenten zu stellen.

Autor/in: Christiane Tovar

Stand: 18.09.2012, 13:00

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