Wilhelm von Humboldt

Abitur

Wilhelm von Humboldt

Er war einer der gelehrtesten Menschen seiner Zeit. Als Leiter der preußischen Kultus- und Unterrichtsverwaltung gelang ihm eine umfassende Reform des Bildungswesens, von der die heutigen Kultusminister nur träumen können. Wilhelm von Humboldt hat selbst keine öffentliche Schule besucht und sich als Student mit den Universitäten nie wirklich anfreunden können. Vielleicht entwickelte er gerade deshalb eine neue, am Menschen orientierte Idee von Bildung und gründete die Neue Deutsche Universität in Berlin, die heute seinen Namen trägt.

Privilegierte Ausbildung und ein guter Lehrer

Das Wilhelm von Humboldt-Denkmal in Berlin

Eine Bildungsgröße: Wilhelm von Humboldt

Wilhelm von Humboldt wurde am 22. Juni 1767 als Sohn einer brandenburgischen Adelsfamilie in Potsdam geboren. Sein Vater war Offizier. Die Familie war wohlhabend. Wilhelm und sein später ebenso berühmter Bruder Alexander konnten eine Ausbildung bei angesehenen Privatlehrern erhalten.

Als Wilhelm zwölf Jahre alt war, starb sein Vater und der Junge zog sich in die Welt der Bücher zurück. Durch das stundenlange Lesen fand er Geschmack an Literatur und Wissenschaft.

Einer seiner Lehrer war Johann Heinrich Campe. Er gehörte der Bewegung der Philanthropen (der Menschenfreunde) an, die ganz im Geiste der Aufklärung nach neuen Wegen in der Erziehung der jungen Menschen suchten.

Campe selbst machte sich unter anderem einen Namen als Jugendschriftsteller. Er blieb nur wenige Jahre Wilhelms Lehrer, aber offenbar lange genug, um den Samen des Humanismus im Leben des Jungen zu pflanzen.

Jahre später, 1789, begleitete Campe seinen ehemaligen Zögling auf eine Bildungsreise nach Paris. Drei Wochen nach dem Sturm auf die Bastille trafen die beiden in der französischen Hauptstadt ein und wurden Augenzeugen der revolutionären Veränderungen.

Begeisterung für die Sprachen

Farbiger Stich von Wilhelm von Humboldt.

Wilhelm von Humboldt

Wie leben die Menschen? Wie sprechen sie? Wie denken sie? Wilhelm von Humboldt war fasziniert von diesen Fragen. Zwar studierte er wie die meisten Offizierssöhne auch die Juristerei, aber es scheint, dass ihn der Bereich der Sprachwissenschaft schon sehr früh weit mehr reizte.

Intensiv besuchte er die Vorlesungen des bekannten Philologen Christian Gottlob Heyne. Seine Sprachleidenschaft begleitete Wilhelm von Humboldt sein ganzes Leben. Er beschäftigte sich mit insgesamt 32 Sprachen und beherrschte Französisch, Englisch, Italienisch, Latein, Griechisch und in geringem Maße Spanisch in Wort und Schrift. Er untersuchte das Baskische, das Sanskrit und Kawi, eine Südseesprache. Er wollte wissen, welchen Einfluss die Sprache auf die Denkweise der Menschen hat.

Für Humboldt war Sprache eine Kraft, die den Menschen die Tür zur Welt öffnet. Sie sei wie ein Filter, durch den wir die Welt wahrnehmen. Deshalb müssten verschiedene Sprachen auch zu unterschiedlichen Ansichten über die Welt führen.

Die Sprache sei Ausdruck der "Geisteseigentümlichkeit" eines Volkes, formulierte Humboldt. Seine Theorien haben große Bedeutung erlangt. Er gilt als einer der ersten Forscher, die die kulturelle Bedeutung von Sprache erkannt haben.

Widerspenstiger Staatsdiener

Als Sohn eines Offiziers war ihm eigentlich eine Laufbahn als Staatsdiener vorbestimmt. So trat er auch 1790 in Berlin in den preußischen Staatsdienst ein. Im selben Jahr heiratete er seine Frau Caroline von Dacheröde. Schon nach einem Jahr verließ er seinen Posten, begab sich stattdessen mit seiner Frau auf Reisen, studierte und forschte.

Im Jahr 1802 gelang es ihm, seine privaten Interessen mit den gesellschaftlichen Erwartungen zu verbinden. Er wurde auf seine Bewerbung hin zum Gesandten Preußens am Heiligen Stuhl in Rom berufen, ein Amt im Auftrag des preußischen Staates, das eher kultureller als politischer Art war.

Anfang des 19. Jahrhunderts lag das preußische Beamtenwesen am Boden. Man erinnerte sich an Humboldt und wollte ihn zum neuen Kultusminister berufen. Er lehnte ab. Der König selbst erließ daraufhin den Befehl, dem er sich nicht widersetzen konnte. Wilhelm von Humboldt wurde die Leitung der Sektion für Kultur und Unterricht im Preußischen Innenministerium übertragen. In dieser Position gelang ihm eine umfassende Reform des Deutschen Bildungswesens.

Karikatur zu den Karlsbader Beschlüssen. Menschen sitzen mit zugebundenen Mündern an einem Tisch.

Die Karlsbader Beschlüsse - Einschränkung der Meinungsfreiheit

In den Jahren 1813 bis 1815 übernahm er diplomatische Aufgaben bei der politischen Vorbereitung der Befreiungskriege und wirkte auf dem Wiener Kongress als Zweiter Gesandter Preußens an der Gestaltung der europäischen Nachkriegsordnung mit. Er tat was er konnte für die Entwicklung einer humanistischen Gesellschaft in Deutschland, aber der politische Wind wehte in andere Richtung: Autorität, Pressezensur, preußischer Obrigkeitsstaat.

1819 wurden die Karlsbader Beschlüsse erlassen, die die Meinungs- und Pressefreiheit stark einschränkten. Humboldt protestierte und wurde entlassen. Bis zu seinem Tode im Jahre 1835 vertiefte er nun seine Studien und widmete sich seinen sprachwissenschaftlichen Forschungen.

Humboldt’sche Bildungswelt

Außenansicht der Humboldt-Universität in Berlin.

Die Humboldt-Universität in Berlin

Als Wilhelm von Humboldt sein Amt in der preußischen Kultus- und Bildungsverwaltung übernahm, war die Bildung junger Menschen noch fast ausschließlich in geistlicher Hand. Die Lehrer waren Kirchenmänner, oft solche, die es im Kirchendienst zu nichts gebracht hatten.

Humboldt begründete deshalb eine Lehrerausbildung, die "pädagogische Kandidatur". Zum ersten Mal gab es nun an öffentlichen Schulen weltliche Lehrer mit einer staatlichen Ausbildung. Um den Zustrom auf die Universitäten zu stoppen, führte er an den Gymnasien das Abiturexamen ein, das bis heute beibehalten wurde.

Humboldt fand sein Bildungsideal im Menschenbild der griechischen Antike. Durch die Auseinandersetzung mit der antiken Kultur sollten die Schüler sich entfalten können. Das Ziel der Humboldt’schen Bildung war die Ausbildung aller Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen. Er forderte eine strikte Trennung von allgemeiner Menschenbildung und fachlicher Berufsbildung. Sein Ziel war es, die Kinder zu Menschen zu erziehen.

Bis heute gilt Humboldts Vorstellung von Bildung an den so genannten humanistischen Gymnasien und Universitäten. Kritisiert wird von Humboldt-Gegnern jedoch der angeblich fehlende Praxisbezug. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten fordern viele eine größere Orientierung der akademischen Ausbildung an den Anforderungen des Arbeitsmarktes.

Diese Einflussnahme politischer, religiöser oder wirtschaftlicher Interessen auf die wissenschaftlichen Inhalte wollte Humboldt verhindern. Wissenschaft war für ihn Suche nach der Wahrheit, und Bildung bedeute nicht Ausbildung sondern Menschenbildung.

Autorin: Julia Lohrmann

Weiterführende Infos

Stand: 05.01.2016, 14:06

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