Badekultur

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Badekultur

Ein paar Bahnen im Schwimmbad, Kurbaden im Thermalwasser oder der Sprung ins salzige Meer - Badekultur ist vielfältig und erfrischt Leib und Seele. Als es noch nicht in jeder Wohnung ein Badezimmer gab, waren öffentliche Wannenbäder heiß begehrt, und auch heute liegt Baden im Trend bei Jung und Alt: in der eigenen Wanne, im Schwimmbad, Kurbad, Strandbad bis hin zum modernen Badevergnügen im Wellness- oder Spaßbad.

Baden in der Antike

Eine weiße Badewann mit silbernen Füßen steht vor einer holzvertäfelten Wand.

Für uns selbstverständlich - die Wanne im eigenen Bad

Schon die alten Griechen und Römer wussten wohltuende Bäder zu schätzen und faszinierende Badehäuser zu bauen. Baden war in der Antike ein gesellschaftliches Ereignis. Man wusch sich, speiste gemeinsam, unterhielt und liebte sich. Im öffentlichen Badehaus badeten Männer und Frauen getrennt, doch das private Badegemach galt vielen als Tempel der Lust. Zudem waren im Bad nicht nur Massagen an der Tagesordnung, sondern auch kosmetische Behandlungen und kleinere Operationen. Badehäuser waren im gesamten römischen Reich verbreitet, daher sind auch in deutschen Städten wie Aachen oder Trier noch heute beeindruckende römische Ruinen zu besichtigen.

Mittelalterliche Badekultur

Kupferstich: zehn nackte Kinder, Frauen und Männer an und in einer Gemeinschaftswanne.

Baden im 15. Jahrhundert

Mit dem Niedergang des Römischen Reiches ging es in Europa auch mit der Badekultur bergab. Das Baden wurde erst im frühen Mittelalter wieder entdeckt. Kreuzfahrer brachten die Badekultur aus islamischen Ländern mit nach Europa, und im 12. und 13. Jahrhundert blühte das gemeinschaftliche Baden erneut auf. Wieder waren nicht nur Sauberkeit und Körperpflege, sondern vor allem auch Unterhaltung und Erotik wichtige Bestandteile des gemeinsamen Bades. Neben hygienischen und medizinischen Behandlungen wie Schröpfen oder Aderlass übernahmen die Bader zuweilen auch das Verkuppeln. Dr. Iris Hofmann-Kastner vom Museum der Badekultur in Zülpich betont jedoch, dass Bader in öffentlichen Bädern selbst haften mussten, wenn das Treiben zu unsittlich wurde. Daher badeten auch im Mittelalter Frauen und Männer in öffentlichen Badehäusern getrennt. Doch in den privaten Stuben ging es rund. Die mittelalterlichen Badezuber gelten bis heute als Ort der Lust, an dem sich schamlose Liebschaften und "Unzucht" breit machten.

Seuchen und Krankheiten vertreiben öffentliche Bäder

Das Badeleben war schon immer eng mit den Vorstellungen von Hygiene sowie entsprechend mit Scham, Lasterhaftigkeit oder eben Enthaltsamkeit verbunden. Seit dem späten Mittelalter galt öffentliches Baden als verwerflich. In christlichen Ländern propagierte die Kirche das Nicht-Baden und erhob es zur Tugend. Sie sah das Baden nicht nur als unsittlich, sondern zudem als überflüssigen Luxus und Verweichlichung an und sprach Verbote aus.

Schließlich brachten die sich ausbreitenden Krankheiten und Seuchen wie Pest und Syphilis die schamlosen Badestuben endgültig in Verruf. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden viele öffentliche Badeanstalten geschlossen. Die Bäder seien schädlich und überflüssig, so nun auch die Ansicht vieler Ärzte. Dieser Meinung blieb man lange treu. Zur Zeit Ludwigs XIV. wurde Körperhygiene ohne Wasser bevorzugt. Und auch im Rokoko wechselte der Adel lieber häufiger die Kleidung, puderte und parfümierte sich, als sich mit Wasser zu waschen.

Kurbäder mit Therapie und Amüsement

Mit der Aufklärung wurden dann nicht nur Sinn und Nutzen von Hygiene immer bekannter, sondern Wissenschaftler und Ärzte bestätigten auch die wohltuende Wirkung von Heilwasser und heißen Quellen. Die warmen Quellen von Bad Pyrmont wurden schon 1550 schlagartig als Wunderbrunnen bekannt. Im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten sich Heilbäder dann zunehmend zum Treffpunkt der Adeligen und Wohlhabenden. Badegäste genossen die lindernde und vorbeugende Wirkung der natürlichen Thermal- und Mineralquellen sowie die wohltuenden Klimabedingungen in den Kurorten. Damals wie heute ging es in der verordneten Kur nicht nur um die körperliche Genesung, sondern auch um seelisches Wohlbefinden und körperliche Schönheit. Auch wenn der Begriff noch nicht geschaffen war: "Wellness" war schon damals wichtiger Bestandteil des Kurprogramms.

Kurzentrum von Bad Pyrmont mit einem von Säulen getragenen Kuppelbau.

Bad Pyrmont war schon früh ein wichtiger Badeort

Fast so gesellig wie in den früheren Badehäusern ging es auch in neueren Kurbädern zu. Nicht nur heilende Wasser, sondern luxuriöse Zerstreuungsangebote und edle Gesellschaft zogen wohlhabende Prominenz an. Der Kurgast suchte nach Ablenkung. Und die fand er im umfangreichen Kulturprogramm unter Gleichgesinnten - oder auch beim "Kurschatten", der ebenfalls wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses war. Arnold Beuke vom Stadt- und Bädermuseum in Bad Salzuflen erläutert bedauernd die jüngsten Veränderungen im Kurwesen: "Heute bleibt dem Kurgast leider weniger Zeit. Im modernen Kurprogramm mussten Muße oder heilende Langeweile ebenso weichen wie der Zeitvertreib mit einem Kurschatten."

Erste Seebäder: von Schaluppen und Karren

Thermalbaden in Kurorten war spätestens seit dem 17. Jahrhundert in Mode. Doch auf die Idee, in freier Natur zu baden, kam lange niemand. Mit der Aufklärung reformierte man auch die Medizin und die Ideen von Gesundheit und Hygiene. Bewegung in der Natur wurde empfohlen. So kam das Baden im Freien in Mode, und zwar nicht nur in warmen Quellen, sondern auch in offenen Gewässern. Kurz nachdem der Physiker und Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg 1793 "ein großes öffentliches Seebad auch für Deutschland" gefordert hatte, empfahl auch der Leibarzt des Rostocker Herzogs Friedrich Franz I. die Gründung eines Kurortes an der See. Er dachte an heilende Badereisen und stellte Baderegeln zur Gesundung und zur gesundheitlichen Vorsorge auf.

Schwarzweiß-Aufnahme: In weiße lange Kleider gehüllte Damen steigen am Strand aus einem Badekarren.

Baden um 1910 auf Norderney

Der Herzog erweiterte das Programm sogleich um Kunst und Kultur für die Seele. Er witterte zu Recht klingelnde Kassen, die seine Staatsfinanzen sanieren würden und gründete das erste deutsche Seebad nach britischem Vorbild: Bad Doberan war ein voller Erfolg. Nicht nur der Herzog und sein Gefolge sprangen in die Fluten, schon bald kamen auch wohlhabende Fernreisende und viel Prominenz an die Ostsee. Nach dem Vorbild des englischen Brighton zog die vornehme Gesellschaft mit Pferd und Wagen morgens zum Bad, stets in modische Strandkleidung gehüllt, die vor Sonne und neugierigen Blicken schützte. Die Dame von Welt wurde im Badekarren ins Wasser gefahren. Oder man badete von sogenannten Schaluppen - kleinen Badeschiffen - aus, die einen in einer Art Käfig ins Wasser abseilten. Schon bald folgten dem ersten Seebad Doberan bei Heiligendamm weitere deutsche Seebäder an Nord- und Ostsee.

Kururlaub für jedermann

Mit der öffentlichen Förderung von Gesundheits- und Heilungsprogrammen war den Kurbädern seit den 1950er Jahren eine Glanzzeit beschert. Denn Ärzte und Krankenkassen schickten nun auch geplagte Arbeiter großzügig zur Kur. Die Bäder boomten und schufen neben den prunkvollen Angeboten für reiches Publikum ein Kurprogramm für jedermann. Kurhotels schossen aus dem Boden; Ärzte und Kliniken erweiterten ihre Auswahl an spezifischen Behandlungsmethoden und kulturellen Angeboten.

Zwei Frauen genießen mit geschlossenen Augen ein Bad in einem sprudelnden Wasserbecken.

Heilendes Thermalwasser oder Wellnessbad?

Baden-Baden gilt weiterhin als Vorzeige-Kurstadt und zieht Gäste und Millionäre aus aller Welt an. Doch in vielen anderen Kurorten schwinden die Besucher. Denn heute ist das Geld knapp und staatliche Unterstützung rar. Wer krank ist und kein Geld hat, ist schnell auf sich allein gestellt. Kaum einer kann sich mehr eine sechswöchige Kur leisten, und nur wenige Kliniken haben die Möglichkeit, sich unverändert nur an gesundheitlichen Aspekten zu orientieren. Ein neuer Markt boomt, der sich mehr und mehr mit den Gesundheitsangeboten vermischt. Daher ist heute eine sehr genaue Auswahl des Badeangebotes notwendig.

Von Luxusbad und Medical Wellness

Blonde Frau liegt mit geschlossenen Augen in Badewasser, in dem Blütenblätter schwimmen.

Entspannung für Körper und Seele

Heute gehört Baden zur Wellness und gehorcht neuen Trends. Luxusbäder in teuren Hotels, private Wellness-Tempel und eine große Wohlfühlindustrie machen sich breit und ziehen ein zahlungsfähiges privates Publikum an. Dieser neue Markt wird immer größer. Umfangreiche Serviceleistungen und Wohlfühlprogramme reichen von traditionellen Moorbädern über die Trockenbürstenmassage bis hin zum Entspannungs-Wochenende mit reichlich Ruhe, Luxusbetreuung und Champagnerfrühstück im Rosenbad. Neben luxuriöser Entspannung sind selbst organisierte und bezahlte Gesundheitsvorsorge und Prävention im Trend. Die klassische Kur wird durch "Medical Wellness" und "Prävention" ergänzt. Die Idee des ganzheitlichen Ansatzes beim Baden war eigentlich schon in der Antike gültig. Nur dass bei den Römern nicht nur reiche Kaiser, sondern auch Arme, Diener und Mägde mit ins Badeleben eintauchen konnten.

Autor/in: Andrea Schultens

Stand: 27.11.2012, 12:00

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