Thailand

Buddhistischer Tempel in Thailand

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Für die Thailänder ist ein Geldschein mehr wert als die Zahl, die auf ihm steht. Auf jedem Schein ist der thailändische König Bhumibol Rama IX. abgebildet und der wird von seinen Untertanen innig geliebt. Deshalb sollte man auch aufpassen, nicht absichtlich oder versehentlich auf einen solchen Schein zu treten, denn darauf steht in Thailand Gefängnisstrafe. Das mag für den europäischen Besucher altertümlich klingen, doch in Thailand gilt die Liebe zum König als selbstverständlich.

Die Entstehung des Thai-Reiches: Sukothai

Tempelanlage mit Buddhastatue in Sukhothai.

Tempelanlage in Sukhothai

Vor mehr als 700 Jahren ließ ein junger König namens Rama Khamhaeng eine Steintafel am Königspalast in Sukothai anbringen, auf der geschrieben stand: "Diese Stadt Sukothai ist gut. Die Gewässer sind voller Fische und auf den Feldern gedeiht der Reis. Der Herrscher erhebt keine Steuern (...) und die Gesichter der Menschen leuchten hell."

Rama Khamhaeng gründete im Jahr 1238 das Reich Siam mit der Hauptstadt Sukhothai. Noch heute wird er liebvoll als der Vater Thailands bezeichnet. Khamhaeng erklärte den Buddhismus zur Staatsreligion und führte das thailändische Alphabet ein.

Im Volk galt er als fair und weise, vielleicht ein Grund dafür, dass er und seine Nachfahren noch 60 Jahre den Titel König tragen durften, als Sukhothai nur noch ein Stadtstaat war und der wahre König Rama Thibodi ab 1369 von der neuen Hauptstadt Ayutthaya aus, circa 50 Kilometer vom heutigen Bangkok entfernt, regierte.

Thailands wilde Jahre: Die Ayutthaya-Dynastie

Tempelruinen in Ayutthaya.

Ayutthaya war mehr als 400 Jahre lang Hauptstadt

Die Herrscher von Burma und Kambodscha sahen in König Thibodi und seinen Nachfahren aggressive Feldherren, für die Bevölkerung aber wurden die Könige Ayutthayas immer mehr zu Göttern, denn für Siam begann eine Zeit der Entwicklung und des Wohlstandes.

Die Könige suchten seit der Mitte des 17. Jahrhunderts den Kontakt zu westlichen Diplomaten, zu Missionaren, schlossen Handelsabkommen mit den Kolonialmächten und schafften es so, Siam weitgehend vor Angriffen aus Kolonialstaaten zu schützen. Bis heute konnte Thailand als einziges Land in Südostasien stets seine Unabhängigkeit von westlichen Staaten bewahren.

Das Bild zeigt eine Reihe von Buddha-Statuen im Schneidersitz. Die Figuren sind aus Stein gearbeitet, oberhalb des Halses sind die Köpfe abgeschlagen.

Beim Sturm der Burmesen wurden Tausende Statuen zerstört

Zu den Nachbarstaaten pflegten die Könige dieser Zeit ein weniger freundliches Verhältnis. Mit einem gut aufgestellten Heer und einer weit entwickelten Kriegsstrategie eroberten sie die östlichen Teile Kambodschas. Auch im Westen, an der Grenze zu Burma, dem heutigen Myanmar, kam es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts immer wieder zu Scharmützeln.

Ein ausgefeiltes Steuersystem brachte nicht nur genug Geld für den Krieg, sondern auch Geld um ganz Ayutthaya mit prunkvollen Tempelanlagen zu überziehen, deren Ruinen noch heute besichtigt werden können. 1767 wurde die Stadt mit all ihren Kunstwerken von den Burmesen zerstört. Seitdem ist das alte Ayutthaya eine Geisterstadt und Ausflugsziel vieler Thailand-Touristen.

Die Herrschaft der Chakri

Als Ayutthaya zerstört wurde und damit eine Dynastie zu Ende ging, lebten in der Stadt mehr als eine Million Menschen, mehr als im damaligen London. General Chakri gründete die bis heute regierende Chakri-Dynastie und verlegte die Hauptstadt, das heutige Bangkok, ans Ufer des Chao Phraya.

Die Könige der Chakri-Erbfolge öffneten Siam weiter für den Westen. Die Sklaverei wurde abgeschafft, die allgemeine Schulpflicht eingeführt und Technologien aus anderen Ländern importiert.

Schwarzweiß-Szene aus dem Spielfilm "Anna und der König von Siam".

Durch einen Spielfilm wurde Rama IV. weltweit bekannt

Der populärste König dieser Dynastie war Mongkut, Rama IV., dessen Leben durch den Film "Anna und der König von Siam" aus dem Jahr 1954 weltweit bekannt wurde. Er und später sein Sohn Rama V. setzten während ihrer Regentschaft auf Handelsabkommen und Friedensverträge mit Preußen, den USA und Frankreich, um das Reich weiter vor kolonialen Bestrebungen zu schützen.

Um den Frieden zu wahren, war Rama V. sogar bereit, freiwillig Teile des Landes an Frankreich und Großbritannien abzutreten. Seit 1896 genoss Siam den garantierten Status der immerwährenden Neutralität gegenüber den europäischen Großmächten.

Aus Siam wird Thailand

Skyline von Bagkok.

Bangkok: eine moderne Metropole

Das 20. Jahrhundert war bis in die 1980er Jahre hinein geprägt von ständigen, meist aber unblutigen, Machtwechseln zwischen parlamentarischen und militärischen Kräften. 1932 wurde die absolute Königsherrschaft durch einen Aufstand unzufriedener Offiziere abgeschafft, die Siam 1939 in Thailand (übersetzt: Land der Freien) umbenannten.

Auf einen König wollten die Thais trotzdem nicht verzichten, auch wenn dieser seitdem eher repräsentative Pflichten wahrnimmt. Der heutige König Thailands, Bhumibol Adulyadej Rama IX., hat sich seit seiner Inthronisierung im Jahr 1950 immer wieder für den Frieden im Land eingesetzt und zwischen Militärs und demokratischen Kräften vermittelt. Er ist auch das religiöse Oberhaupt der buddhistischen Thais.

Viele Thailänder sagen, dass sie allein ihm die relativ demokratischen Verhältnisse und den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte verdanken. Heute gilt Thailand als Vorzeigeland unter den südostasiatischen Staaten. Bangkok ist noch immer Sitz des Könighauses und eines der größten Geschäftszentren im asiatischen Raum.

Autor: Götz Bolten

Stand: 27.07.2016, 11:49

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