Hawaii

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Hawaii

Hula-Mädchen mit Blumenkränzen, braun gebrannte Surfer und atemberaubende Natur - für all das ist Hawaii bekannt. Während aber die Hula-Mädchen eher etwas für Touristen sind und es Surfer weltweit gibt, ist die natürliche Vielfalt auf Hawaii in der Tat paradiesisch. Subtropische Regenwälder und lange Strände wechseln sich mit öden Vulkanlandschaften ab. Viele Pflanzen- und Tierarten gibt es weltweit nur auf Hawaii. Die Inselgruppe liegt mitten im Pazifik, 3860 Kilometer von Nordamerika entfernt. Von den rund 130 Inseln sind nur die acht größten erschlossen - fast 1,3 Millionen Menschen leben hier.

Erste Besiedelung

Eine antike polynesische Holzstatue vor einem Palmenstrand auf Hawaii.

Die Polynesier brachten ihre Kultur nach Hawaii

Die ersten Menschen auf Hawaii waren Polynesier, die vermutlich etwa 800 nach Christus auf die Inselgruppe kamen. Manche Quellen gehen sogar von einer noch früheren Besiedlung aus. Bis heute bleibt rätselhaft, warum die Polynesier aus dem Südpazifik mit ihren Booten die rund 3500 Kilometer über das offene Meer zurücklegten.

Diese Pioniere brachten ihr Gesellschaftssystem mit in die neue Heimat und begründeten das sogenannte "Alte Hawaii" - eine Monarchie, die auf einem Rechtssystem basierte, das der Macht des Herrschers Grenzen setzte. Merkmal dieser polynesischen Gesellschaft war außerdem, dass ihre Mitglieder an unzählige Götter glaubten.

Auch der britische Seefahrer James Cook wurde, als er während einer seiner Expeditionen am 18. Januar 1778 auf der Hawaii-Insel Kauai landete, anfangs noch als Gott verehrt. Als die Insel-Bewohner allerdings dahinterkamen, dass es sich bei der vermeintlichen Gottheit Cook nur um einen Menschen handelte, kam es immer wieder zu Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen. An einem hawaiischen Strand starb der Entdecker schließlich im Februar 1779 nach einem Keulenschlag.

Karte der Hauptinseln von Hawaii.

Die Inselgruppe liegt mitten im Pazifik

James Cook brachte neue Pflanzen und Tiere mit auf die Inseln, aber auch Ungeziefer und Krankheiten. Innerhalb von 75 Jahren starben 240.000 Polynesier an Grippe, Cholera, Lepra oder Geschlechtskrankheiten. 1810 übernahm der Polynesier Kamehameha I. die Macht. Er vereinte in erbitterten Kriegen alle Inseln zu einem Königreich. Davor hatte jede Insel ihren eigenen Herrscher. Bis heute wird er von den Hawaiianern als wegweisender Herrscher verehrt.

Das gestohlene Paradies

Nach dem Tod Kamehamehas I. im Jahr 1819 orientierten sich der neue Herrscher Kamehameha II. und seine Frau, Königin Kaahumanu, an der westlichen Welt. Sie und die nachfolgenden Herrscher wurden fortan stark von den strenggläubigen Missionaren aus dem amerikanischen Boston beeinflusst, die in den 1820er Jahren auf die Inselgruppe gekommen waren. 1825 wurde das Hula-Tanzen verboten, die Polynesier mussten fortan Kleidung tragen und 1840 wurde die erste hawaiische Verfassung nach amerikanischem und europäischem Vorbild eingeführt.

Archivbild einer dunkelhäutigen Frau, die eine Schärpe trägt und auf einem Sessel sitzt.

Liliuoka

Als 1893 die letzte Königin von Hawaii, Liliuokalani, durch einen Putsch gestürzt wurde, war das Ende der Monarchie auf der Inselgruppe gekommen. Die Republik Hawaii wurde schließlich 1898 von den USA besetzt und amerikanisiert, die hawaiische Sprache durch Englisch als Amtsprache ersetzt. Am 21. August 1959 erklärte Präsident Dwight D. Eisenhower Hawaii offiziell zum 50. Bundesstaat der USA.

Tourismus als Haupteinnahmequelle

Die Amerikaner brachten auch die Touristen auf die Inseln. Mit dem ersten Nonstop-Flug vom Festland 1927 stieg die Zahl der Besucher stetig. Der Tourismus verdrängte nach und nach die Landwirtschaft als größten Wirtschaftszweig der Inselgruppe. 1967 waren es jährlich schon eine Millionen Touristen aus aller Welt, die nach Hawaii kamen.

Eine Hula-Tänzerin in einem Bast-Rock tanzt den Hula mit einem Blumenkranz um den Hals. Im Hintergrund schauen Touristen zu.

Viele Touristen besuchen jährlich das Hula-Festival auf Oahu

Heute hat sich diese Zahl auf 7,5 Millionen Besucher pro Jahr eingependelt. Laut hawaiischem Wirtschafts- und Tourismusministerium kommen etwa zwei Drittel der Touristen aus den USA, knapp ein Fünftel aus Japan und rund 100.000 Besucher aus Europa - das sind rund 1,5 Prozent.

Am Rand der Gesellschaft

Es gibt keine einheitliche Kultur auf Hawaii. Die Inselgruppe ist einer der größten Schmelztiegel der Erde. Neben den großen Gruppen der eingewanderten Amerikaner und Asiaten sind noch 24,2 Prozent der Bevölkerung Hawaiianer. Von diesen sind aber auch nur noch ein Prozent rein polynesischstämmig. Die Hawaiianer werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die meisten waren Landarbeiter und haben durch die Schließung der Plantagen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Jobs verloren.

Auch vom Fischfang und dem Taro-Anbau (eine Wasserbrotwurzel, aus der das traditionelle Essen Poi hergestellt wird) konnten die Einheimischen nicht mehr leben. Die neuen Einnahmequellen auf Hawaii, der Tourismus und sogar die Surfindustrie, blieben weitestgehend den Amerikanern und Asiaten vorbehalten. Diese seit Generationen anhaltende Entwicklung führt dazu, dass die meisten Hawaiianer einer gesellschaftlichen Unterschicht mit einer hohen Arbeitslosen- und Kriminalitätsrate angehören.

Wiederbelebung der Traditionen

Viele Hawaiianer organisieren sich heute, um die Kultur des "alten Hawaiis" wieder aufleben zu lassen und sich auf ihre Traditionen zu besinnen. Es beherrschen nur noch rund 38.000 Inselbewohner hawaiisch. Mittlerweile gibt es wieder mehrere Schulen, in denen ausschließlich auf Hawaiisch unterrichtet wird. Hula-Kurse bringen den Kindern zudem die traditionelle Form des Hulas bei, der mit seinen Schrittfolgen die Geschichte Hawaiis beschreibt und nichts mit dem Tanz für die Touristen zu tun hat. Auch die Mythen und Sagen der Götter werden wieder gelehrt.

Auf Molokai tanzt eine Hawaiianerin in traditionellem Gewand und mit einem Blätterkranz auf dem Kopf den Hula.

Eine Hawaiianerin tanzt den traditionellen Hula

Die Unabhängigkeitsbewegung hat außerdem das Ziel, Hawaii von den USA loszulösen und die Monarchie wieder einzuführen. Seit Jahren wird die "Akaka Bill" auf Hawaii und in Washington diskutiert. Das ist ein Gesetzesentwurf, der den Hawaiianern ähnliche Rechte wie den nordamerikanischen Indianern einräumen und sie als eigenständiges Volk anerkennen würde. Darin sehen viele Hawaiianer ihre Zukunft.

Autor/in: Eva Mommsen

Stand: 28.04.2014, 13:00

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