Hawaii – das Paradies der Surfer

In einer großen Welle ist ein Surfer zu sehen.

Hawaii

Hawaii – das Paradies der Surfer

Surfer gehören zu Hawaii wie Hula-Tänzerinnen und Palmen. Das liegt daran, dass das Wellenreiten auf Hawaii erfunden worden ist. Dem Surfen gaben die Hawaiianer seine ganz eigene Philosophie, die bis heute jeder verinnerlicht, der auf einem Brett steht: Es braucht Zeit, um die Technik des Surfens zu lernen, Geduld, um die perfekte Welle zu finden und Mut, um sich in die turmhohen Wassermassen zu stürzen. Das alles fassen die Hawaiianer in zwei Wörtern zusammen: "hang loose". Der Surfergruß heißt wörtlich übersetzt soviel wie "locker bleiben".

Geburtsort des Wellenreitens

Es ist kein Wunder, dass Surfen auf Hawaii erfunden worden ist, denn keine andere Inselgruppe liegt so weit entfernt vom Festland. Hier treffen die Wellen nach ihrem Weg tausende Kilometer über den Pazifik zum ersten Mal auf eine Küste. Dadurch brechen hier meterhohe kraftvolle Wasserwände.

Vor allem im Winter, wenn es auf dem Pazifik stürmt, erreichen die Wellen vor Hawaii Höhen von bis mehr als 20 Metern. Erfunden wurde das Wellenreiten bereits von Polynesiern, die aus Tahiti und Tonga rund 1000 nach Christus nach Hawaii kamen. Warum diese frühen Hawaiianer mit Holzbrettern auf Wellen ritten, weiß man heute nicht.

An manchen besonders beliebten Surforten bauten die Polynesier Tempel an die Küste, um dem Gott der Wellen zu huldigen, bevor sie sich in die Fluten stürzten. König Kamehameha I. war ein legendärer Surfer, der 1812 beispielsweise anordnete, dass nur er die Wellen am Strand von Waikiki auf Oahu surfen durfte.

Gemälde: König Kamehameha I. empfängt eine weiße Delegation

König Kamehameha I. war ein begeisterter Surfer

Der Botschafter des Surfens

Die strenggläubigen christlichen Missionare, die im 19. Jahrhundert aus den USA nach Hawaii kamen, verboten über Jahrzehnte den Sport. Sie waren empört über die Nacktheit der Wellenreiter und darüber, dass Männer und Frauen gemeinsam surften.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts verhalf der amerikanische Journalist und Weltenbummler Alexander Hume Ford dem Surfen zu größerer Popularität. Er lernte den Sport von den Hawaiianern und gründete am 1. Mai 1908 am Strand von Waikiki den ersten Surfclub der Welt: den "Outrigger Canoe Club". Sieben Jahre später hatte der Club bereits 1200 Mitglieder.

Die aufkommende Begeisterung für den traditionellen hawaiischen Sport lag auch an Duke Paoa Kahanamoku. Der aus Waikiki stammende Hawaiianer war nicht nur ein außergewöhnlicher Schwimmer. Er konnte auch unglaublich gut surfen und zeigte sein Können auf einem selbst geschnitzten Brett.

1912 löste Kahanamoku an der Küste von Santa Monica in Kalifornien bei den Amerikanern und den amerikanischen Medien großes Erstaunen aus, als er sein Können auf dem Brett demonstrierte. Im selben Jahr gewann er, diesmal im Schwimmen, bei den Olympischen Spielen in Stockholm die Silbermedaille.

Damit stieg Kahanamokus Popularität enorm und er inspirierte viele, ihm im Wasser und auf dem Brett nachzueifern. Er bereiste fortan als Profi-Schwimmer die ganze Welt und fungierte nebenbei auch als inoffizieller Botschafter des Wellenreitens. Angeblich war er es auch, der das Surfen nach Australien gebracht hat.

Surfen als Lebensgefühl

Mit der Zahl der Surfer stieg auch die Anzahl der Surfwettkämpfe. Viele Wellenreiter wollten eine bessere Ausrüstung, um einen Vorteil zu haben. Der erste, der 1926 mit neuen Techniken experimentierte, war der aus dem US-Staat Wisconsin stammende Schwimmer Tom Blake.

Er siedelte nach Hawaii über und entwickelte hier das erste Longboard. Es war innen hohl und viel kürzer. Dadurch wurde es erheblich leichter als seine 50 Kilogramm schweren und über sieben Meter langen Vorgänger.

1931 wurde Blakes Erfindung als erstes Brett auch industriell hergestellt. Die Einführung des leichten Balsaholzes und des erst kurz zuvor für die Raumfahrt entwickelten Fiberglases machten in den 1950er Jahren die Bretter noch leichter und kürzer.

Das Surfen begeisterte auch immer mehr die Jugend in Kalifornien und auf Hawaii. Die Amerikaner pilgerten Mitte der 1950er an den "Makaha Beach" von Oahu und brachten ein ganz neues Lebensgefühl zum Ausdruck.

Die Surfer trugen Hawaii-Hemden, lebten in Bambushütten und spielten die Ukulele. Alles drehte sich um den Strand, um Spaß und um Rebellion gegen eine konservative Gesellschaft.

Die Idole und Lehrer dieser Zeit waren George Downing, Buzzy Trent und Woody Brown. Sie waren auch die ersten, die nach dem "Makaha Beach" mit seinen flachen Wellen die "North Shore" als neuen "Surfspot" etablierten.

Hier, an der Nordküste von Oahu, gab es unvorstellbar hohe Wellen, an die sich nur sehr erfahrene Surfer trauten. Heute ist die "North Shore" einer der beliebtesten Surfstrände der Welt.

Luftaufnahme der Nordküste von Oahu mit Strand und vielen Wellen.

Die Nordküste von Oahu ist ein beliebter Surfspot

Eine weltweite Welle

Als Hollywood 1959 mit dem Film "Gidget" das Surfen entdeckte, wurde der Sport richtig populär. In zwei Jahren stieg die Zahl der Surfer weltweit von 5000 auf zwei Millionen. Überall auf Hawaii, in Kalifornien und in Europa entstanden Surfbrett-Fabriken, Surfläden und Hotels an den guten Surforten.

Mit neuen Materialien wie Schaumstoff und Styropor wurden die Surfbretter weiterentwickelt. Von nun an war alles möglich: Jede Welle, jede Art von Surfen hat heute ein eigenes, individuell angepasstes Brett. Es gibt breitere Bretter für Anfänger, besonders schnelle Bretter, die ein V-förmiges Unterwasserschiff haben, und seit 1980 auch Surfbretter mit drei Finnen, die viel wendiger sind und mehr Sprünge zulassen.

Heute ist der Surfsport eine eigene Industrie, Profisurfer verdienen mit Werbeverträgen Millionen. Es gibt allein auf Hawaii drei Weltmeisterschaften und viele kleinere Wettbewerbe. Den Gewinnern winken Preisgelder von meherern Hundetrtausend Dollar. Die meisten Profis kommen aber nicht aus Hawaii, sondern aus Australien, den USA und Europa.

Der ursprünglich spirituelle Geist des Surfens ist für viele Hawaiianer heute verloren gegangen. Aber der Sport ist eines der wenigen Elemente, die aus der ursprünglichen hawaiischen Kultur bis heute überlebt haben.

"Nalu" bedeutet wörtlich "mit einer Welle ans Ufer gleiten" also "Surfen" auf Hawaiisch. Für die Hawaiianer ist das Wellenreiten mehr als nur ein Sport, es ist ein Lebensgefühl. Denn "Nalu" heißt auch der "Weg zu sich selbst".

Surfer auf einer Welle.

Surfweltmeister Kelly Slater

Autorin: Eva Mommsen

Weiterführende Infos

Stand: 12.09.2017, 11:13

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