Kinderstube der Wale

Die große Schwanzflosse eines Buckelwals zeigt sich oberhalb der Wasseroberfläche.

Hawaii

Kinderstube der Wale

Die Wasserfontäne des Wals schießt mit knapp 500 Stundenkilometern aus dem Meer. Seine riesige Schwanzflosse versinkt fast lautlos in den Fluten. Vor den Küsten der Inselgruppe Hawaii kann man im Winter dieses Naturschauspiel regelmäßig beobachten. Denn dann kommen zwischen 4000 und 5000 Buckelwale aus Sibirien und Alaska in die wärmeren Gewässer des Pazifiks.


Buckeliger Tauchgang

Die Buckelwale gehören zur Gruppe der Bartenwale. Sie wiegen bis zu 40 Tonnen und können zwischen zwölf und 15 Metern lang werden. Deutlicher Unterschied zu anderen Walgattungen sind ihre großen Flipper, ihre Brustflossen. Sie erreichen fast ein Drittel ihrer Körpergröße und werden bis zu fünf Meter lang.

Buckelwale ernähren sich in den Sommermonaten von Krill (Kleinkrebse), der Teil des Planktons ist, den sie in 50 Metern Tiefe in großen Schwärmen verschlucken. Im Winter nehmen sie keine Nahrung zu sich und zehren von ihren Fettreserven.

Wenn der Wal auf Tauchgang geht, macht er einen Buckel. Das ist charakteristisch für diese Gattung und hat dem Tier seinen Namen gegeben. Der Buckelwal bleibt nur ein paar Minuten unter Wasser, bevor er wieder auftaucht um Luft zu holen. Er kann aber auch bis zu 30 Minuten unter Wasser bleiben.

Walspringen vor Hawaii

Oft kann man vor Hawaii das sogenannte "Breaching" der Wale beobachten. Dabei springt das riesige Tier aus dem Meer und lässt sich dann eindrucksvoll mit seinem Körper auf die Wasseroberfläche fallen.

Forscher gehen davon aus, dass so eventuell Parasiten von der Haut gelöst werden sollen oder dass die Tiere so miteinander kommunizieren.

Das "Breaching" könnte den Walen aber auch einfach nur Spaß machen oder zum Balzverhalten gehören. Denn in den Wintermonaten, wenn Paarungszeit ist, können die männlichen Wale sehr aggressiv werden. Sie drängen Rivalen ab, rammen sie oder fügen sich Verletzungen zu, die jedoch selten tödlich sind.

In den Gewässern vor Hawaii zeugen die Buckelwale ihre Jungen und bringen sie hier auch ein Jahr später zur Welt. Deswegen nennt man Hawaii auch die Kinderstube der Wale.

Bei der Geburt wiegen die Jungtiere schon zwei Tonnen und brauchen rund 80 Liter Muttermilch am Tag, damit sie täglich 50 Kilo zunehmen. Die Mutter dagegen nimmt ab, denn im Winter zehrt sie von ihren Fettreserven.

Unterwasseraufnahme eines Walkalbs, das in tiefblauem Wasser taucht.

Walkalb vor der Westküste von Maui

Vom Aussterben bedroht

Während früher 14.000 bis 18.000 Wale im Nordpazifik lebten, waren es wegen des Walfangs im späten 20. Jahrhundert nur noch 800 bis 2000. Auf Hawaii war die Waljagd lange Zeit Haupteinnahmequelle für viele Einwanderer. Als die Buckelwal-Populationen zurückgingen, suchten sich die Walfänger neue Fanggründe.

Unter König Kamehameha V. wurde 1865 der Walfang auf Hawaii schließlich verboten. Im Jahr 1992 erklärte der US-Kongress in Washington große Teile der Gewässer vor Maui zu einem Artenschutzgebiet für Wale, zum "Hawaiian Islands Humpback Whale National Marine Sanctuary". Hier stehen die Buckelwale unter strengem Schutz.

Eigentlich wollen die Wale von den Menschen in Ruhe gelassen werden. Doch die strikten Regeln der Walschutzgebiete vor Hawaii lassen es zu, dass der Mensch die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann.

Den Walen darf sich kein Boot auf weniger als 100 Meter nähern. Es ist außerdem verboten, den Tieren zu folgen. Deswegen kommen die Buckelwale jedes Jahr zur Paarung wieder. Zwischen den hawaiischen Inseln fühlen sich die Tiere wohl und vom Menschen nicht bedroht.

Hawaii ist deswegen auch einer der wenigen Orte weltweit, wo es im Winter tatsächlich eine Garantie darauf gibt, einen Wal ganz bestimmt zu Gesicht zu bekommen.

Regenbogen über dem Artenschutzgebiet der Buckelwale im Pazifischen Ozean.

Im Schutzgebiet vor Maui überwintern die Buckelwale

Autorin: Eva Mommsen

Stand: 12.09.2017, 10:31

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