Die Jagd auf Wale

Kopf eines Grauwals im Meer.

Arktische Tierwelt

Die Jagd auf Wale

Der Wal hat sich durch das Engagement von Umweltorganisationen wie Greenpeace zu einer Art Wappentier der Tierschutzbewegung entwickelt. Kaum einem anderen Tier wird international so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dem Wal. Tierschützer gegen Walfänger: über den Schutz der Meeressäuger wird seit Jahrzehnten heftig diskutiert.

Die Entwicklung der Walfangindustrie

Die Waljagd ist seit Mitte der 1980er Jahre verboten, aber trotzdem werden jedes Jahr immer noch Hunderte der Tiere getötet. Walfangnationen wie Japan setzen sich regelmäßig über das Fangverbot hinweg. Offiziell jagen sie die Meeressäuger ausschließlich zu Forschungszwecken, aber Kritiker sind davon überzeugt, dass das Fleisch der Tiere nicht in Forschungslabors, sondern auf dem Großmarkt landet.

Walfang wurde wahrscheinlich schon in prähistorischer Zeit betrieben. Ausgrabungen in Grönland haben gezeigt, dass bereits 4500 Jahre v. Chr. Inuits Wale gejagt haben. In Europa werden die Tiere bereits seit dem 9. Jahrhundert gejagt. Im Mittelalter nahm der Fang immer weiter zu, die enormen Mengen Fleisch und der als Brennstoff verwendete Waltran waren schon damals wichtige Rohstoffe. Bereits am Ende des Mittelalters liefen regelmäßig ganze Flotten aus, um die Tiere zu jagen. Besonders begehrt waren Glatt- und Grönlandwale, da sie auf Grund ihrer Größe reiche Beute versprachen. Der Fang der Tiere beschränkte sich aber fast ausschließlich auf küstennahe Gebiete und war für die Besatzungen der Schiffe mit einem hohen Risiko verbunden. Mit Segelschiffen, kleinen Booten und einfachen Wurfharpunen waren die Jäger den Walen nicht immer überlegen.

Die Hochzeit der Walfangindustrie

Historischer Stich einer Walfischschlachterei.

Walfischschlachterei im 19. Jahrhundert

Ihre Blütezeit erlebte die Walfangindustrie im 17. und 18. Jahrhundert. Besonders begehrt war damals das Ambra, ein Stoff der bei der Nahrungsaufnahme von Pottwalen entsteht. Er wird für pharmazeutische Produkte und für die Parfumherstellung verwendet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem erneuten Anstieg der Waljagd. Die neu entwickelten Sprengharpunen erleichterten den Walfängern ihre Arbeit erheblich. Zudem sorgte die Dampfschifffahrt für eine enorme Ausdehnung der Fanggebiete. Durch den massiven Anstieg der getöteten Tiere gab es im Nordatlantik vor Spitzbergen und Grönland bald kaum noch Wale.

1904/1905 wurde dann die erste Walfangstation in der Antarktis gegründet. Die Jäger eroberten damit eins der letzten Rückzugsgebiete der Tiere.

In den USA wurde der kommerzielle Walfang Anfang des 20. Jahrhundert beendet. Durch das Petroleum gab es eine billigere Alternative zum Walöl als Brennmittel. Zudem war die Jagd durch die immer geringer werdenden Walbestände aufwendiger und damit teuerer geworden.

Währenddessen wurden in Europa Fabrikschiffe eingesetzt, um die Wale komplett an Bord verarbeiten zu können. Die Bedeutung der Tiere als Rohstofflieferant für die Industrie war ungebrochen.

In den 1930er Jahren wurden weltweit jedes Jahr über 30.000 Wale erlegt. Die Japaner setzen Ende der 1930er Jahre als erste Nation Motorboote zur Jagd ein. Das aus den Walen gewonnene Öl wurde allerdings ausschließlich exportiert, da die Einfuhr von Walöl und Walfleisch in Japan verboten war, um die heimische Landwirtschaft zu schützen. Bis 1960 steigerte sich die Zahl der getöteten Meeressäuger auf etwa 40.000 pro Jahr. Dadurch standen viele Walarten kurz vor der Ausrottung.

Das Ziel: Ein weltweites Fangverbot

Walfänger lassen einen gefangenen Wal am Ufer der Insel Bequia in der Karibik ausbluten.

Immer noch werden Wale gejagt

Nachdem sich eine mögliche Einschränkung des Walfangs Jahrhunderte lang nur nach den Beständen in bestimmten Fanggründen und der Nachfrage nach Walprodukten gerichtet hatte, wurde 1946 die Internationale Walfangkommission (IWC) gegründet, ein freiwilliger Verband der Walfangnationen. Ihr Ziel war weniger der generelle Verzicht auf die Jagd der Meeressäuger, als vielmehr die Bestände der betroffenen Arten so groß zu halten, dass sich die Walfangindustrie weiter entwickeln konnte.

Dennoch waren und sind einige Walarten so stark gefährdet, dass die IWC Anfang der 1980er Jahre zunächst ein Fangverbot für bestimmte Arten, etwa Pottwale, verhängte. 1986 wurde dann der kommerzielle Walfang vollständig verboten. Einzig der Walfang der Inuit zum Eigenbedarf wird jedes Jahr von der IWC offiziell zugelassen. Für kleine Walarten wie Delfine fühlte sich die IWC allerdings nicht zuständig. Deshalb haben seit dem weltweiten Verbot zum Beispiel Norwegen und Island den Fang auf Zwergwale wieder aufgenommen. Und Japan betreibt ebenfalls nach wie vor Walfang.

Autorin: Ingrid Arnold

Stand: 04.02.2016, 10:00

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