Der Kölner Grüngürtel
Liebknechts Plädoyer für Parks und Spielplätze
Dass der Mensch Luft, Licht und Sonne braucht, entdeckte man erst, als die Industrialisierung voranschritt. Immer mehr Menschen zogen in die Städte in düstere Mietskasernen. Oft wurden sie krank und für die Unternehmer zum Problem. Man erkannte, dass soziale Probleme zunehmend wirtschaftliche wurden und nicht zuletzt politische. Im preußischen Abgeordnetenhaus warb der Reichstagsabgeordnete Karl Liebknecht am 11. Dezember 1912 in seiner Rede für mehr Grün in den Städten. Die Natur müsse den Menschen wieder näher gebracht werden: "...Und, meine Herren, dazu gehört eben, dass große Volksparks, dass große Spielplätze geschaffen werden, dass die Kinder in den Großstädten viel hinausgebracht werden in die Natur, dass die Art der Bebauung, die gegenwärtig in den großen Städten leider noch üblich ist, aus dem Wege geräumt wird und dass auf diese Weise der so gefährliche Charakter der Großstadt als einer Erscheinung, die das Volk von der Natur losscheidet, nach und nach beseitigt wird."
Konrad Adenauer und Fritz Schumacher
Zwei Jahre nach Liebknechts Rede begann der Erste Weltkrieg. Da gab es andere Probleme als an die Errichtung von Parkanlagen zu denken. Erst nach dem Krieg ging es los. Der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer ergriff die Initiative und beauftragte den Architekten und Stadtplaner Fritz Schumacher aus Hamburg, eine neue Stadtentwicklungspolitik zu erarbeiten. Durch Eingemeindungen war die Stadt stark angewachsen. Schumacher schien der Richtige zu sein. Er brachte ausreichende Erfahrung mit. Als Beirat der ersten Gartenstadt Deutschlands in Hellerau bei Dresden kannte er intensive Auseinandersetzungen in städtebaulichen Fragen. Auch hatte er sich schon mit der Umgestaltung von Bebauungsplänen befasst um das Leben in den Mietskasernen lebenswert zu gestalten. Er schuf Siedlungen mit Grünflächen. Auch die Begrünung der Stadt Hamburg war eine seiner Aufgaben gewesen. Schumacher hatte also inzwischen genügend Probleme gelöst, um zu wissen, wie eine optimale Begrünung in der Stadt auszusehen hatte. Es musste ein "sozialer Park" sein, kein Schlosspark, sondern ein Volkspark. Konrad Adenauer hatte dafür ein Areal vorgesehen, das 500 Meter breit und sieben Kilometer lang war und seit 1907 nicht mehr für militärische Zwecke frei gehalten werden musste. Es schloss sich unmittelbar an die Kölner Neustadt an. Schumachers Entwurf sah einen Grüngürtel vor, eine zusammenhängende grüne Fläche rund um die Innenstadt.
Grüngürtelplanung in Köln
Ein Grüngürtel um die Kölner Innenstadt reichte nicht aus. Ein zweiter grüner Gürtel sollte hinter den Vororten entstehen, die ringförmig um den ersten Grüngürtel siedeln. Beide Grüngürtel sollten schließlich noch quer miteinander verbunden werden um die bessere Durchlüftung der Stadt zu garantieren. Überall sollten Wiesen, Sport- und Spielplätze angelegt werden und dazwischen auch mal ein schön gestalteter Schmuckgarten. Im "Alhambra"-Ziergarten, 1922 bis 1924 von Schumacher angelegt, kann man heute spazieren. Der Name des Gartens bezieht sich auf das Vorbild, den Löwenhof im Maurenschloss in Granada.
Schumachers Planung wäre ohne Adenauers Einsatz nicht zustande gekommen. In relativ kurzer Zeit, bis zum Jahr 1924, ist der gesamte Innere Grüngürtel angelegt worden. Das sind insgesamt 85 Hektar. Der Äußere Grüngürtel ist dann in der Zeit von 1927 bis 1929 fertig gestellt worden. Eine Bebauung des Grüngürtels für einige wenige, öffentliche Gebäude war aber auch geplant. So entstanden 1930 die Universität auf dem Grüngürtel und das Museum für Ostasiatische Kunst in den 70er Jahren.
Bärbel Heidenreich, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Praktischer Wohnen – das Bauhaus, 23.01.2002







