Überlebensstrategien in der Kälte

Eisbär läuft auf Packeis

Arktis

Überlebensstrategien in der Kälte

Die normale Körpertemperatur des Menschen beträgt 37 Grad Celsius. Bei anderen Säugetier-Arten sind es ein paar Grad mehr oder weniger. In den eiskalten Polarregionen der Erde ist ein warmblütiger Organismus gegenüber seiner Umgebung einem Temperaturgefälle von bis zu 90 Grad Celsius ausgesetzt. Wie kommen Mensch und Tier mit solch extremen Unterschieden zurecht?

Wärmekonservierung durch Luftpolster

Ein Schneehase in weißem Winterfell sitzt in verschneiter Landschaft.

Bestens isoliert – ein Schneehase

Ist es draußen kälter, als der Körper vertragen kann, muss so viel Wärme wie möglich konserviert werden. Als besonders wirkungsvoll hat sich die Strategie der "Wärmeisolation mittels Luftschicht", wie wir es zum Beispiel auch von der Thermoskanne kennen, bewährt.

Luft ist ein schlechter Wärmeleiter und ideal, um eine Barriere gegen kalte Außentemperaturen zu bieten. Tiere können mit ihrem Feder- oder Haarkleid die Luft um ihren Körper isolieren und bauen eine natürliche Wärmeisolationsschicht um sich herum auf.

Mit hohlem Haar der Kälte trotzen

Tiere in den Polarregionen haben, neben einer dicken Fettschicht unter der Haut, ein extrem dichtes Fell. Im Vergleich zu den Tieren der mittleren Breitengrade finden sich im Fell von Polartieren drei bis viermal so viele Haare pro Quadratzentimeter. Im Fell des Rentiers oder des Eisbären gibt es noch eine zusätzliche Besonderheit: Die Haare sind innen hohl. Dadurch wird die isolierende Luftschicht noch besser am Körper festgehalten.

Wissenschaftler nehmen an, dass die Haare des Eisbärenfells, die eigentlich völlig farblos sind und nur wegen der Lichtbrechung weiß erscheinen, die Wärmestrahlen zusätzlich in ihrem Hohlraum einfangen. Dann leiten sie die Wärme weiter an die Haut, die beim Eisbären schwarz ist. Wegen ihrer dunklen Färbung kann die Eisbärenhaut die Wärme gut absorbieren.

Unschlagbare Inuit-Kleidung

Ein warm in Pelz eingepackter Eskimo auf der Jagd; er liegt dabei mit dem Gewehr im Anschlag auf einem großen bläulichen Eisquader.

Für die Inuit ist wärmende Kleidung überlebenswichtig

Menschen benötigen Kleidung, um die Körperwärme zu konservieren. Für die Inuit, die Ureinwohner der Arktis, ist die passende Kleidung in der extremen Kälte überlebenswichtig. Während der Jagdsaison sind sie oft mehrere Tage lang ununterbrochen in der Eiseskälte unterwegs.

Kleidung aus Tierfell gehört zum unverzichtbaren Bestandteil ihrer Alltagsgarderobe. Ein warmes und schweres Bärenfell ist für langes Verweilen in der Kälte geeignet, wenn sich der Jäger während des Lauerns auf Beute nicht bewegen sollte.

Robbenfell hingegen ist extrem wasserdicht. Damit können die Inuit sogar kurze Zeit im eiskalten Wasser überleben. Rentierfell ist warm und leicht. Es hat sich deshalb bei ausgedehnten Wanderungen jahrhundertelang bewährt.

Natürlich kleiden sich die Inuit heutzutage auch mit modernen Textilien. Aber immer noch kommen Kleidungsstücke aus Hightech-Kunstfaser, mit ihren dünnen, leichten und kälteresistenten Stoffen, nicht an die hervorragenden Eigenschaften der traditionellen Inuit-Kleidung heran.

Autorin: Susanne Decker

Stand: 15.03.2015, 14:16

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