Düfte und Gerüche – eine Kulturgeschichte

Riechen

Düfte und Gerüche – eine Kulturgeschichte

Schon in vorchristlicher Zeit wussten die Menschen, wie man Düfte herstellt und wozu man sie einsetzt. Und auch heute existieren ganze Industrien, die dem Menschen und seiner Umgebung zu einem neuen Geruch verhelfen. Doch nicht jeder Geruch wird gleich bewertet. Es gibt große kulturelle Unterschiede in der Frage, was frisch riecht und was nicht.

Parfüm galt lange als unkeusch

Schon im alten Ägypten wusste man um die Besonderheiten des Duftes, der entsteht, wenn man bestimmte Hölzer, Harze und Pflanzenmischungen verbrennt. Besonders in religiösen Zeremonien und Ritualen wurden oft Düfte eingesetzt, doch auch als Kosmetik in Form von Cremes.

In der Römerzeit waren Parfüms vor allem bei Frauen weitverbreitet, in Griechenland versuchten Mediziner, darunter Hippokrates, mit Düften und Dämpfen Krankheiten zu bekämpfen. Mit dem Untergang des Römischen Reiches verloren auch Kosmetik und Hygiene in Europa an Bedeutung.

Im immer mehr christlich geprägten Abendland galten Düfte, die womöglich noch betörend wirkten, lange Zeit als verwerflich und unkeusch.

Parfüm statt Körperpflege

Nach den Kreuzzügen im 11. und 12. Jahrhundert gelangten aus dem Nahen und Fernen Osten verschiedene Düfte und Essenzen nach Europa, nun wurden auch hier wieder verstärkt Parfüms benutzt.

Nach dem Ausbruch der Pest im 14. Jahrhundert wurde vermutet, dass die Ansteckung beim Waschen erfolgte. Als Folge wurden in vielen Städten Bade- und Waschverbote erlassen. Die Menschen griffen zu Düften aus Moschus und Amber, um ihren Körpergeruch zu überdecken.

Auch nach dem Ende der Pestepidemien wurden Parfüme benutzt, um mangelnde Hygiene und Körperpflege zu kompensieren. Zudem wurde Düften eine Vielzahl an medizinischen Effekten zugeschrieben.

Kostümierter Mann mit Parfüm.

Parfüm hat eine lange Geschichte

Ihre Bedeutung bei der Krankheitsbekämpfung verloren Düfte und Essenzen erst, als Robert Koch und Louis Pasteur im 19. Jahrhundert die ersten mikrobiologischen Krankheitserreger entdeckten. Trotz verbesserter hygienischer Bedingungen wurden und werden Düfte aber weiter benutzt: zur Entspannung, etwa in einer Sauna oder beim Dampfbad.

Vor allem aber, um für sich selbst und für andere gut zu riechen. Viele Menschen empfinden Körpergeruch als unangenehm. Deshalb wird er in den meisten Kulturen überdeckt und unterdrückt.

Durch Geruch die Attraktivität steigern

Der größte Teil des menschlichen Körpergeruchs entsteht durch Schweiß in den Achseln. In den feuchtwarmen, dunklen Höhlen finden Millionen von Bakterien optimale Bedingungen. Der biologische Sinn: Die Keime wandeln im Schweiß enthaltene Hormone in Sexuallockstoffe um.

Deodorants, die Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden, unterdrücken die Schweißbildung, indem sie einen Teil der Drüsen verstopfen oder die Anzahl der Bakterien verringern.

Frau riecht an ihrer Achsel und ekelt sich.

Körpergeruch: für viele ein Tabu

Mit Parfüms versuchen viele Menschen, ihre Attraktivität gegenüber ihren Mitmenschen zu steigern. Das kann sexuelle Motive haben, muss es aber nicht. Auch unter Kollegen oder im Freundeskreis beim ganz normalen Miteinander entscheiden sich in modernen Gesellschaften die meisten dafür, ihren Eigengeruch zu überdecken oder zu ergänzen.

Dieses Vorgehen bleibt nicht nur auf klassische Parfüms und Rasierwasser beschränkt. Ob Duschbad oder Rasierschaum, Lippenstift oder Shampoo, Schuhspray oder Handcreme, Waschmittel oder Haargel – die Vielfalt der Kosmetik-, Pflege oder Reinigungsprodukte, die Duft absondern, ist enorm.

Duftvorlieben sind kulturell geprägt

Ähnlich wie Kleidung sind auch Parfümdüfte starken modischen Schwankungen unterworfen. Waren es lange Zeit klassische Modemarken wie Chanel, Yves Saint Laurent oder Dior, die erfolgreiche Düfte herstellen ließen, gibt es heute auch Uhren-, Auto- oder Tabakmarken mit eigenem Parfüm. Und auch viele prominente Sportlerinnen, Sängerinnen oder Schauspielerinnen haben eigene Düfte.

Obwohl die meisten dieser Düfte weltweit vermarktet werden, gibt es kulturelle Unterschiede in den Duftvorlieben. Oft hängen diese mit der Flora der jeweiligen Region zusammen. So benutzten die Griechen im Altertum den dort wachsenden Lavendel als Badezusatz, und auch heute noch ist der Geruch im ganzen nördlichen Mittelmeerraum weit verbreitet.

In Amerika ist hingegen Vanilleduft besonders beliebt. Auch das hat eine lange Tradition: Schon die Maya benutzten die Aromen dieser Schote für Speisen, aber auch als Duft.

Nachdem Kreuzritter im 12. Jahrhundert aus Kleinasien Rosen mitbrachten, wurde die Blume in England schnell heimisch – auch in Form von Rosenwasser, das dort immer noch sehr gern verwendet wird.

Frau riecht an Rose.

In England besonders beliebt: Rosenduft

Manchmal sind die Ursprünge für die Beliebtheit eines Duftes aber nicht mehr zu identifizieren. Besonders im Bereich der Putz- und Reinigungsmittel gibt es große Unterschiede in den Vorstellungen, was sauber und frisch riecht. So hat sich in Deutschland Zitrusduft als Sinnbild für Reinlichkeit etabliert. In Russland wird dafür gerne Flieder benutzt, Spanier hingegen verbinden offenbar Chlorgeruch mit Sauberkeit.

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 11.01.2017, 15:51

Darstellung: