Biowunder Regenwald

Blick über den Regenwalds in Brasilien

Artensterben

Biowunder Regenwald

Nirgendwo auf der Welt (abgesehen von den Meeren) leben mehr Arten als in den tropischen Regenwäldern. Doch wie in vielen anderen Teilen der Erde, tut auch hier der Mensch einiges dafür, dass sich das in naher Zukunft ändert. Die Regenwälder sind bedroht und mit ihnen zahlreiche ihrer Bewohner.

Ein unvergleichliches Ökosystem

Vor etwa 200 Jahren waren rund 16 Millionen Quadratkilometer der Erdoberfläche mit dem unvergleichlichen Ökosystem des tropischen Regenwalds bedeckt. Heute sind es nach Schätzungen nur noch rund sieben Millionen Quadratkilometer. Über die Hälfte des Bestandes wurde vernichtet, das meiste davon in den vergangenen 30 Jahren.

Die Umweltorganisation Robin Wood schätzt, dass in jeder Minute 6000 Bäume gefällt werden. Wenn die Entwicklung so weitergehe, so Robin Wood, sei der Regenwald in 30 bis 40 Jahren verschwunden. Mit katastrophalen Folgen für viele Tier- und Pflanzenarten sowie für das Klima auf diesem Planeten.

Amazonasbecken: das größte Regenwaldgebiet

Blick auf einen Fluss, der durch einen Dschungel fließt. Der Wald reicht bis ans Ufer heran und scheint undurchdringlich zu sein.

Undurchdringlicher Wald im Amazonas-Gebiet

Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet erstreckt sich im Amazonasbecken. Dieser Tieflandregenwald, ungefähr die Hälfte des gesamten weltweiten Regenwaldbestandes, beherbergt eine riesige Zahl an Tier- und Pflanzenarten. Viele davon kommen nur in diesem Gebiet vor.

Tropische Tieflandwälder werden häufig als "grüne Hölle" bezeichnet. Weil Pflanzen und Bäume üppig wuchern und wachsen, sind die Wälder nahezu undurchdringlich – auch ein Grund dafür, dass Wissenschaftler schätzen, dass nur ein geringer Bruchteil der in den Wäldern lebenden Arten bekannt ist.

Der Mangel an Nährstoffen und die guten klimatischen Bedingungen bringen es mit sich, dass hier so viele Arten leben. Pflanzen und Tiere müssen sich an ihre Umgebung optimal anpassen und die wenigen Nährstoffe so gut wie möglich verwerten. Kleine Nischen entstehen, in denen jeweils nur sehr wenige Exemplare einer Art vorkommen. Je mehr Nischen es gibt, desto mehr Arten leben neben- und miteinander.

Die Beziehungen zwischen den Pflanzen- und Tierarten sind weitaus dichter als in allen anderen Regionen der Welt. Wer auf engstem Raum miteinander lebt, ist auch voneinander abhängig. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das wie ein Dominoeffekt auf viele andere Arten aus. Auch das macht die zunehmende Zerstörung der Regenwälder zu einem extremen ökologischen Problem.

Biodiversität in den tropischen Bergwäldern

Blick auf ein tief eingeschnittenes Flusstal in den Anden.

Viele Flüsse entspringen hoch in den Anden

Die Anzahl der Arten, die in den tropischen Berg- und Nebelwäldern lebt, ist noch ungleich höher als in den Tieflandwäldern. Die Bewaldung erstreckt sich in die Höhe, und jede Höhe bringt wiederum andere Lebensverhältnisse mit sich. Es gibt hier noch mehr ökologische Nischen – und damit noch mehr Arten, die sich hervorragend an die Bedingungen angepasst haben.

Doch die Wälder in den Bergregionen haben noch eine andere biologische Funktion. Sie schützen die Hänge vor der Erosion und damit vor dem Abrutschen. In den Andenregionen entspringen darüber hinaus die Flüsse, die nicht nur der Bevölkerung Trinkwasser liefern, sondern den Amazonas bewässern. Eingriffe in dieses Ökosystem hätten katastrophale Folgen für Mensch und Natur.

Regenwälder auf dem schwarzen Kontinent

Blick auf einen erwachsenen Berggorilla im Vordergrund. Im Hintergrund sind zwei jüngere Gorillas zu sehen.

Die Berggorillas sind stark gefährdet

Afrika, der schwarze Kontinent, wird zwar meistens mit Hitze, Wüsten- und Buschlandschaften in Verbindung gebracht. Doch immerhin knapp ein Fünftel der weltweiten Regenwälder liegen in Zentralafrika. Viele bedrohte Tierarten, unter anderem die Berggorillas, leben in diesen Wäldern, deren Bestände durch die Ausbeutung von Bodenschätzen, Kriege und Umwandlung in Agrarflächen stark dezimiert worden sind.

Auch die Regenwälder Südostasiens sind akut gefährdet. Brandrodung, vor allem aber der kommerzielle Holzeinschlag für die Papier- und Möbelindustrie bedrohen den Wald – und damit die Tier- und Pflanzenarten.

Die "grünen Lungen" der Welt

Blick über eine durch Brandrodung gewonnene festgewalzte Schotterstraße.

Brandrodung in Brasilien

Ist der Regenwald erst einmal abgeholzt, kann nichts ihn wieder aufforsten. Über Millionen von Jahren ist dieses Ökosystem mit seinen vielseitigen Beziehungen entstanden. Wird dieser Lebensraum zerstört, ist er für immer verschwunden.

Die "grünen Lungen", wie die Regenwälder auch genannt werden, sind auch für das Weltklima ein unschätzbarer Stabilitätsfaktor. Wälder binden Kohlenmonoxid und produzieren Sauerstoff. Ihre andauernde Vernichtung schadet somit nicht nur der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch dem Menschen und letztendlich dem gesamten Planeten Erde.

Autorin: Melanie Wieland

Stand: 31.08.2016, 10:38

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