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Der Bodensee

Wer einmal an einem schönen Sommer- oder milden Herbstabend mit einem Gläschen Wein an einer Uferpromenade des Bodensees sitzend den Sonnenuntergang genossen hat, der fühlt sich wie am Mittelmeer und sieht den Traum vom Süden schon hier, nördlich der Alpen erfüllt. Denn der See bietet seinen menschlichen und tierischen Anrainern einen fast mediterranen Lebensraum mit warmen Sommern und relativ milden Wintern. Kein Wunder, dass die Ufer des Sees schon seit rund 7000 Jahren ein attraktiver Siedlungsplatz sind.

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Fischfang auf dem Bodensee (5'18'')
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Der Bodensee in Zahlen

Doch wie groß ist der See eigentlich? Ein paar Zahlen und Fakten: Deutschlands größter See ist der drittgrößte See in Europa – nach dem Plattensee und dem Genfer See. Er ist 536 Quadratkilometer groß, bis zu 63 Kilometer lang, bis zu 13 Kilometer km breit und bis zu 254 Meter tief. Seine Ufer haben eine Gesamtlänge von 273 Kilometern, wobei fast zwei Drittel davon auf die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Ländern Baden-Württemberg (155 Kilometer) und Bayern (18 Kilometer) entfallen, während die Schweiz mit 72 Kilometern Uferlänge und vor allem Österreich mit 28 Kilometern wesentlich weniger Uferanteile haben.

Karte vom Bodensee (Rechte: IGKB)

Deutschlands größter See

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Ein Stück Europa

Eigentlich besteht der Bodensee aus zwei Seen, die durch den Seerhein verbunden sind: dem oberen See mit Obersee und Überlinger See und dem südwestlichen unteren See mit Gnadensee, Zellersee und Untersee. Ein Kuriosum: Wo genau die Grenze zwischen den Staaten verläuft, ist außer beim Seerhein und Untersee niemals genau geregelt worden. Heute wird der Obersee ab 25 Meter Wassertiefe als Kondominium von allen drei Staaten verwaltet, d.h. alle drei haben auf dem See Hoheitsrecht. Der Bodensee ist also auch ein Stück Europa.

Antike Karte vom Bodensee (Rechte: Institut für Seenforschung)

Ein See mit vielen Namen

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Woher der Name kommt

Es ist ein kleiner Ort am Nordwestzipfel des Bodensees, der ihm seinen Namen gegeben hat: Bodman. Hier errichtete der Frankenkönig Pipin die Pfalz Boda/e/o/ma und der See hieß fortan lacus podamicus oder zu deutsch podmensê, das sich schließlich über Bodmensee und Bodemsee zu Bodensee wandelte. Aber der See hatte in seiner Geschichte und hat auch heute auch noch andere Namen. Die Römer nannten ihn Lacus Brigantinus von ihrer eigenen Gründung Brigantium beziehungsweise ihrer Eroberung einer keltischen Siedlung am östlichen Ende des Sees, dem heutigen Bregenz. In einigen Ländern Europas ist er bis heute nach der größten Stadt an seinen Ufern benannt, nach Konstanz, heißt also Lac de Constance, Lake Constance oder Lago di Costanza.

Versteinerung einer Muschel Spirale. (Rechte: Interfoto)

Fossilien im Bodensee

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Aus Eis geboren

Seit ewigen Zeiten, so könnte man meinen, liegt der Bodensee dort, am Fuß der Alpen. Aber das stimmt nicht: Gerade mal 10 bis 14.000 Jahre ist der See in seiner heutigen Form alt, ein Produkt der Eiszeiten. Mit dem letzten Rückzug der Eismassen des gewaltigen Rheingletschers aus der Region am Ende der Würm-Eiszeit füllte sich das durch frühere Gletschervorstöße bereits vorgeformte Bodensee-Becken mit Wasser.
Sehr viel älter ist das Gesamtgebiet. Seine Entstehung begann im Tertiär vor circa 65 Millionen Jahren, als sich die Alpen zu einem Gebirgsmassiv aufzufalten begannen und sich an dessen Rand ein Vorlandbecken bildete, das mit dem Abtragungsschutt des jungen Gebirges wieder aufgefüllt wurde. Den Untergrund dieses Beckens bilden Ablagerungen aus den Zeiten, als das Bodenseegebiet mal vom Urmeer überflutet, mal Brackwasser – oder Süßwassergebiet war. Diese verschiedenen Ablagerungen, vornehmlich Sandstein und Mergel in unterschiedlichen Dichten und Härten, nennt man "Molasse". An den Ufern des Überlinger Sees kann man bei Überlingen und bei Stockach Molasse mit bloßem Auge bewundern. Denn hier haben die Schmelzwasserströme der jüngsten Eiszeit eine über 100 Meter tiefe Rinne durch die "Obere Meeresmolasse" gezogen und die Schichten verschiedener Ausbildungen von Sandstein, vom hellgelben, mittelkörnigen Glimmersandstein bis zum grobkörnigen, dunkleren Sandstein samt eingelagerter Haifischzähne, Muscheln und Schneckengehäuse freigelegt.

Aus den härteren Ausprägungen des Sandsteins wurden übrigens viele Bauwerke im Bodensee-Raum errichtet. In diesen Urzeiten war es sehr viel wärmer, wie man an vielen Fossilfunden nachweisen kann. Aber vor circa 1,5 Millionen Jahren begann die Eiszeit. Es kühlte stark ab und Eismassen bildeten sich. Die Eismassen reichten bei ihrer weitesten Ausprägung in der Riss-Eiszeit bis in die Gegend von Ravensburg hoch und weit in den Hegau hinein und erreichten eine Dicke von über 1000 Metern.

Später schmolz das Eis wieder. Das ging mindestens viermal so, und es bildeten sich durch Flusserosion und Gletschereis Täler, Rinnen und Moränenerhebungen. Und immer wieder füllte sich das tektonisch vorgezeichnete Becken des Sees mit Wasser, bis vor etwa 14.000 Jahren ein Bodensee in der heutigen Form, jedoch mit einer gewaltigen Ausdehnung bis ins hintere Alpenrheintal entstanden war. Die Rheintal-Seen verlandeten in den folgenden 4000 Jahren, es blieb der Bodensee übrig, wie wir ihn heute kennen.

Begradigter Rheinabschnitt mit reicher Vegetation. (Rechte: dpa)

Der Rhein ist wichtigster Zufluss des Bodensees

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Vom Rhein geprägt

Vor allem der gewaltige Rheingletscher hat den Bodensee geschaffen, und der Rhein ist bis heute der wichtigste Zufluss des Bodensees. Er durchfließt den Bodensee von Ost nach West – als Alpenrhein bei Bregenz seit dem Jahr 1900 durch einen Kanal in den See hinein und bei Stein am Rhein als Hochrhein wieder aus dem See heraus. Auch wenn insgesamt über 200 Flüsse, Bäche und Gräben in den See münden, liefert der Rhein fast zwei Drittel des dem Bodensee zufließenden Wassers, pro Jahr etwa 12 Milliarden Kubikmeter. Das hat verschiedene Folgen:
Da der Rhein das Wasser aus den Alpen mitbringt, beeinflusst er den Wasserstand des Bodensees stark. Im Winter gibt es regelmäßig Niedrigwasser, denn dann gehen die Niederschläge in den Alpen als Schnee herunter und werden dort gehalten. Erst mit der Schneeschmelze im Frühjahr beginnt auch der Wasserspiegel des Bodensees wieder zu steigen und erreicht im Juni/Juli seinen Höchststand.

Zusammen mit seinem Wasser bringt der Alpenrhein auch jede Menge Feststoffe, die sogenannten "Sedimente", in den See, die sich auf dem Seegrund absetzen. Würde die Rheinkanal-Mündung nicht regelmäßig freigebaggert und der Rheinkanal immer weiter in den See vorgetrieben, dann würde der Verlandungsprozess von Osten her noch viel stärker fortschreiten. Aber auch so verfüllen die Sedimente des Alpenrheins die Bregenzer und die Fußacher Bucht ganz allmählich.

Der Alpenrhein bringt kaltes und relativ nährstoffarmes Wasser in den See. Wie alle Voralpenseen gehört der Bodensee eigentlich zu den sauerstoffreichen und nährstoffärmeren Gewässern. Das hat Auswirkungen auf seine Seeflora und –fauna.

Ein Barsch am Grund eines Gewässers. (Rechte: dpa)

Der Barsch lebt im Bodensee

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Was lebt im See?

Mehr als 30 Fischarten leben heute im Bodensee, einige Großkrebsarten, hinzu kommen verschiedene tierische und pflanzliche Kleinlebewesen wie Krebschen, Flöhe, Rädertiere und verschiedene Algenarten, die zusammen das Plankton des Sees bilden. Einige von diesen Fischen und anderen Lebewesen sind von Anfang an im See heimisch gewesen, andere gelangten erst im Laufe der Zeit in den See.
Der größte der Bodenseefische ist der Wels, der über zwei Meter lang werden kann. Er lebt vornehmlich am Grunde des Sees in großer Tiefe. Typisch für den Bodensee wie für andere Voralpenseen von Alters her sind die Felchen, mit dem Blaufelchen als Hauptvertreter. An anderen Seen werden sie auch Renken oder Maränen genannt. Sie sind die Brotfische der Bodenseefischer. Ein anderer wichtiger Fisch für die Fischerei ist der Barsch, am Bodensee Kretzer oder auf Schweizer Seite Egli genannt.

Wie sich diese Fischbestände entwickeln und verändern, ist schon seit über 100 Jahren eng damit verknüpft, was der Mensch dem See "antut". 1893 wurde die erste internationale Kommission zur Regelung des Fischbestands gegründet, weil dem See die Überfischung drohte. Seit dieser Zeit werden die Fangquoten geregelt und die Bestände der für die Fischerei wichtigen Arten durch künstliche Bebrütung stabilisiert. Die Zeiten, als der See wegen der Menge der eingeleiteten Phosphate und der daraus folgenden Veralgung und Sauerstoffknappheit "umzukippen" drohte – in den sechziger und siebziger Jahren gab es viele Berichte und Bilder über die riesigen Algenteppiche auf dem See - waren vordergründig gute Zeiten für Fische und Fischer, denn die Fische wurden schnell fett und die Erträge stiegen. Gleichzeitig bekamen einige Fischarten wie der traditionelle Felchen Probleme, weil ihr Nachwuchs, der Fischlaich, gute Sauerstoffverhältnisse benötigte, die zu dieser Zeit nicht mehr gegeben waren. Heute – nachdem mehr und bessere Kläranlagen dafür gesorgt haben, dass das Wasser wieder sauberer und damit nährstoffärmer wird, sind die Erträge rückläufig, dafür aber die Populationen stabiler und gesünder.

Blick auf den Bodensee. (Rechte: mauritius images)

Idyllische Landschaft rund um den Bodensee

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Natur und Landschaft rund um den See

Ebenso wie auf die Flora und Fauna im See hat der Mensch Einfluss auf die Natur rund um den See genommen, und das sogar über einen viel längeren Zeitraum. Seit ca. 7000 Jahren hat er den Naturraum rund um den See stark verändert, vor allem durch Rodungen des Waldes, der nach dem Ende der letzten Eiszeit rund um den See gewachsen war. Dennoch galt der Bodensee bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein als naturnahes Gewässer, bis seine Ufer stark verbaut wurden. Aber einige naturnahe Bereiche haben sich erhalten, andere sind in den letzten Jahren durch Re-Naturalisierung neu geschaffen worden:

Am Bodanrück blieb eine ursprüngliche Waldlandschaft weitgehend erhalten, denn das Ufer ist hier zu steil und schroff, als dass man es hätte sinnvoll landwirtschaftlich nutzen können. Zahlreiche Riedlandschaften wie das Wollmatinger oder Eriskrichener Ried bieten Lebensraum für viele Vogel- und außergewöhnliche Pflanzenarten wie Lungenezian und Knabenkraut im Wollmatinger und Iris im Eriskrichener Ried, die im milden Bodenseeklima gut gedeihen.

Im alten Rheindelta an der Ostseite des Sees hat sich ein urwüchsiger Auwald erhalten, so wie es ihn in alten Zeiten fast überall gab, der zahlreichen Vogelarten ein Refugium bietet. Für mehr als 200.000 Zugvögel ist das Bodensee-Gebiet alljährlich Rastplatz oder Überwinterungsgebiet.

Was die landwirtschaftliche Nutzung anbelangt, so hat das milde Bodenseeklima die Entwicklung von Sonderkulturen begünstigt. Obst, Wein und Gemüse gedeihen hier prächtig, am üppigsten wächst es auf den Inseln im Bodensee: der Mainau und der Reichenau. Der Weinbau wurde schon von den Römern betrieben, lag dann Jahrhunderte vor allem in der Hand der am Bodensee lebenden geistlichen Herren, also der großen Klöster, Abteien und Bistümer und wurde nach der Säkularisierung im 19. Jahrhundert von einigen Bodensee-Gemeinden weiterbetrieben.

Der Bodensee als Trinkwasser-Reservoir

Der Bodensee liefert Trinkwasser bis hinauf nach Tauberbischofsheim, die Großstadt Stuttgart wird mit Bodenseewasser versorgt. Das Netz umfasst allein in Baden-Württemberg rund 1700 Kilometer Rohrleitungen, es reicht bis an die Nordgrenze Baden-Württembergs. Insgesamt rund 4 Millionen Menschen trinken oder verbrauchen Seewasser. Seine Qualität ist nach den Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte wieder hervorragend. Aus rund 20 Stellen rund um den See wird aus einer bestimmten Tiefe Rohwasser entnommen, mit Hilfe von aufwändigen Filteranlagen aufbereitet und dann auf die kürzere oder längere Reise geschickt. Dass der Bodensee einmal "leer getrunken" werden könnte, ist übrigens nicht zu befürchten. Die Menge von 173 Millionen Kubikmetern pro Jahr macht gerade einmal ein gutes Prozent des jährlichen Wasserdurchflusses durch den See aus und wird durch Überleitungen aus anderen Einzugsgebieten nahezu wieder ausgeglichen.

Kleine Segelboote segeln auf dem Bodensee. (Rechte: ddp)

Beliebtes Ziel für Wassersportler

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Urlaubsparadies Bodensee

Sauberes Wasser, das milde Klima, eine wunderschöne liebliche Landschaft und ein grandioses Alpenpanorama machen den Bodensee zum nach den deutschen Küsten beliebtesten Reiseziel der Deutschen und zu einem der touristischen Zentren Mitteleuropas. Der See bietet vielfältige Möglichkeiten sich wasser- oder sonst wie sportlich zu betätigen, Rad zu fahren und zu wandern, seine archäologischen und Kulturschätze laden zu Bildungsurlauben ein. Rund sechs Millionen Übernachtungen pro Jahr werden im Bodensee-Gebiet heutzutage gezählt, um ein Vielfaches höher ist die Zahl der Tagesausflügler – die schätzt man alleine im baden-württembergischen Gebiet auf 14 Millionen jährlich. Der Tourismus stellt heute in vielen Gemeinden am See die Haupteinnahmequelle dar, was die Idylle vor allem in den Sommermonaten oft ein wenig trübt.

Hildegard Knoop, Stand vom 20.05.2010
Sendung: Der Bodensee - Vom Riesengletscher zum Naturparadies, 20.05.2010

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