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Flussgiganten

Flüsse bilden für Mensch und Tier lebensspendende Wasseradern. Sie dienen dem Handel der Flussanrainer oder bilden unüberbrückbare Grenzen. Sie werden verehrt und gefürchtet. Ohne die großen Flüsse der Erde wäre die menschliche Kultur vermutlich nicht so weit entwickelt, denn an ihnen entstanden die ersten Städte und Hochkulturen.

Amazonasgebiet von oben (Rechte: dpa)

Flussgigant Amazonas

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Der Nil

Noch immer gilt er als der längste Fluss der Erde, obwohl viele Wissenschaftler behaupten, dass der Amazonas länger sei. Solange aber die Frage nach dessen Quellflüssen noch nicht abschließend geklärt ist, bleibt der Nil der längste Fluss der Erde und damit natürlich auch des afrikanischen Kontinents.

Ein hölzernes Bewässerungsrad schaufelt Wasser in eine höherliegende Rinne (Rechte: SWR)

Schon die alten Ägypter bewässerten die Äcker mit dem Wasserrad

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Der Nil hat eine Länge von 6671 Kilometern und durchfließt Ruanda, Burundi, Tansania, Uganda, Sudan und mündet schließlich in Ägypten ins Mittelmeer. Er entspringt zwei großen Quellflüssen: dem kürzeren blauen Nil, der im äthiopischen Hochland und dem längeren weißen Nil, der in den Gebirgen Ruandas und Burundis entspringt. Die beiden Flüsse vereinigen sich in Khartum.

Der Nil übt aber nicht nur wegen seiner schieren Länge eine ungebrochene Faszination auf die Menschen aus. An ihm zeigt sich auch in hervorragender Art und Weise, wie wichtig das Wasser der Flüsse für die Entstehung der ersten menschlichen Hochkulturen war. Dank seiner jährlich wiederkehrenden Flut, die lebensspendendes Wasser und fruchtbaren Boden brachte, gab es am Nil nicht nur genug zu essen, sondern die Ägypter stellten auch erste Überlegungen an, wie man die Zeit messen könnte. Die Regelmäßigkeit der Wiederkehr des Hochwassers diente dabei als erste Maßeinheit. Auch die Pyramiden, die vielleicht bedeutendsten Bauwerke der alten Ägypter sind ohne den Nil nicht denkbar. Wie anders hätten die tonnenschwere Blöcke von den weit entfernt liegenden Steinbrüchen an die Bauplätze transportiert werden können, wenn nicht auf dem Wasser des Flusses.

Blick auf die riesigen Wassermassen des Amazonas bei Manaus (Rechte: public domain)

Der wasserreichste Fluss der Erde: der Amazonas

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Der Amazonas

Der Amazonas ist vielleicht nicht der längste Fluss der Erde, der größte ist er aber mit Sicherheit. Rund ein Fünftel des gesamten Süßwasservorrats der Erde transportiert dieser Gigant in seinem oft über 100 Meter tiefen und kilometerbreiten Flusslauf.

Man schätzt seine Länge auf über 6500 Kilometer, rechnet man die Quellflüsse mit dazu, hat der Amazonas sogar eine Länge von 7250 Kilometern. Er entspringt in den peruanischen Anden und durchfließt dann Brasilien von Westen nach Osten. An seiner Mündung fließen ca. 200.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Atlantik, das sind annähernd eine Million gefüllter Badewannen! Das Süßwasser des Amazonas ist im Salzwasser des Atlantiks noch hundert Kilometer vom Festland herauszuschmecken.

Enorme Bedeutung hat der Amazonas auch als Verkehrsweg. Der große Fluss und seine zahlreichen Nebenarme sind die sozialen Lebensadern. Insgesamt gibt es dort ca. 80.000 Kilometer schiffbarer Wasserwege. Der Fluss ist so tief, dass man bis weit ins Land hinein Hochseeschifffahrt ohne Schleusen betreiben kann. Daneben beherbergt er eine einzigartige Fauna und Flora. Man geht allein von über 3500 Fischarten aus, die im Amazonas heimisch sind.

Schiff auf der Fahrt durch eine Schlucht auf dem Jangtsekiang (Rechte: dpa)

Eine Reise auf dem Jangtsekiang ist noch immer ein wundervolles Erlebnis

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Der Jangtsekiang

Der drittlängste Fluss der Welt und der längste Asiens ist der Jangtsekiang. Er entspringt im tibetanischen Hochland in 5500 Metern Höhe und durchfließt China auf einer Länge von 6300 Kilometern bis Shanghai.

Der Fluss ist gerade wegen des Baues des gewaltigen Dreischluchtendamms in aller Munde. Mit diesem Damm wollen die Chinesen die gefürchteten Überschwemmungen (nicht umsonst wird der Jangtsekiang im Volksmund auch "wilder Drachen" genannt) eindämmen und Energie aus Wasserkraft gewinnen. Leider sind die ökologischen Probleme derart massiv und unabsehbar, dass am Nutzen des Dammes gezweifelt werden muss.

Trotzdem ist eine Reise auf dem Jangtsekiang noch immer ein wundervolles Erlebnis. In China sagt man, dass, wenn man den Jangtsekiang nicht bereist hat, man noch "Nirgendwo" war. Tatsächlich durchfließt kaum ein Fluss dieser Erde abwechslungsreichere Landschaften als der Jangtsekiang. Von den Bergriesen des Himalaja über die riesigen Reisfelder am Mittellauf des Flusses bis hin zum schnell expandierenden und modernen Shanghai kann man am Jangtsekiang die gesamte chinesische Kultur wie durch ein Brennglas beobachten.

Ein alter Raddampfer, der auf dem Mississippi unterwegs ist (Rechte: dpa)

Wer kennt sie nicht: die historischen Raddampfer auf dem Mississippi

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Missouri – Mississippi

Der Missouri-Mississippi ist mit 6051 Kilometern Länge der längste Fluss des nordamerikanischen Kontinents. Der Missouri entspringt in Montana und trifft erst nach 4130 Kilometern nördlich von St. Louis auf den Mississippi. Obwohl der Missouri der wesentlich längere Fluss ist (der Mississippi hat bei ihrem Zusammentreffen erst 1857 Kilometer zurückgelegt) übernimmt der Fluss ab dieser Stelle den Namen des kürzeren Mississippi. Damit ist der Missouri der längste Nebenfluss der Welt.

Der Mississippi entspringt am Lake Itasca im US-Bundesstaat Minnesota. Der Name des Flusses stammt vermutlich aus dem Indianischen: "Mesipi - der große Fluss". Berühmt wurde der Fluss durch Mark Twains unvergessliche Abenteuergeschichten um Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Noch immer findet man an manchen Stellen die Raddampfer dieser Zeit, mit denen man den Strom unterhalb von St. Louis wie einst befahren kann.

Eine Flusslandschaft an der Wolga (Rechte: dpa)

In vielen Liedern besungen, in vielen Gedichten beschrieben: die Wolga

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Die Wolga

Der längste Fluss Europas ist die Wolga. Sie entspringt in den Waldaihöhen und zwar auf nur 228 Metern ü. NN. Das bedeutet, dass dieser Flussgigant sich auf seiner langen Reise durch den europäischen Teil Russlands meist sehr träge dem kaspischen Meer nähert. Mit 3534 Kilometern Länge ist die Wolga zwar nur die Nummer 24 in der Liste der längsten Flüsse der Welt. Trotzdem sind die Russen enorm stolz auf ihren Fluss. Sie nennen ihn "Mütterchen Wolga". Sie ist der Inbegriff der russischen Heimat und gleichzeitig die Lebensader der russischen Kultur.

Viele Lieder besingen sie, viele Gedichte beschreiben sie. Die Legenden und Mythen, die sich um die Wolga ranken, konnten noch nicht einmal von der teilweise brutalen Industrialisierung und den damit einhergehenden Umweltbelastungen für den Fluss während der Ära der Sowjetunion aus dem Gedächtnis der Menschen verbannt werden. Zwar findet man seitdem immer seltener die ruhigen Flussdörfer mit ihren idyllischen Häuschen und den typischen Kirchen bei einer Fahrt die Wolga hinunter, aber das Flair vergangener Tage ist immer noch zu spüren. So ist es kein Wunder, dass solche Flussreisen in den vergangenen Jahren zu einer großen touristischen Attraktion geworden sind.

Darling

Der längste Fluss auf dem australischen Kontinent ist der Darling River. Mit 2740 Kilometern Länge steht er in der Liste der größten Flüsse der Erde aber nur auf Platz 33. Er zeichnet sich durch große Veränderungen während des Jahres aus. Mal überschwemmt er trotz meterhoher Böschungen kilometertief das Hinterland, mal verändert er sich während starker Trockenperioden in eine Kette aneinander hängender feuchter Tümpel. Er besitzt nur wenig Gefälle (6 bis 14 Zentimeter pro Kilometer) und lässt sich noch heute am besten mit dem Paddelboot erkunden.

Rolf Stephan, Stand vom 01.06.2009
Sendung: Bach und Fluss - (Über)Leben in der Strömung, 09.05.2007

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