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Interview: Krimiautor Mischa Martini

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Interview mit dem Krimiautor Mischa Martini alias Michael Weyand

Michael Weyand leitet einen Verlag in Trier und veröffentlicht hauptsächlich Bücher, die sich mit kulturhistorischen Themen aus der Moselregion beschäftigen. In seiner Freizeit beschäftigt sich der seriöse Verleger jedoch mit Mördern, Gaunern und Halunken. Er schreibt Kriminalromane, erfindet Mordgeschichten und lässt Kriminalkommissar Bock auf Verbrecherjagd am Tatort Mosel gehen. Unter dem Pseudonym Mischa Martini hat der Autor spannende Geschichten wie "Tango Mosel", "Codex Mosel" oder "Marathon Mosel" geschrieben.

Schwarzweiß-Porträt des Krimiautors Michael Weyand alias Mischa Martini. (Rechte: Michael Weyand)

Der Krimiautor Michael Weyand alias Mischa Martini

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Planet Wissen (PW): Wie sind Sie darauf gekommen, Krimis zu schreiben, die in der Moselregion spielen?

Mischa Martini (M.M.): Es fing damit an, dass 1993 in Trier ein Goldschatz mit über 2000 Münzen gefunden wurde. Die sind heute noch in einer Sonderausstellung im Landesmuseum Trier zu sehen. Das war ein spektakulärer Fund, denn es war der größte römische Goldmünzenschatz, der nördlich der Alpen entdeckt worden ist. Das Museum hat die Information über den Fund allerdings etwas unterdrückt, weil man Angst hatte, es kämen Raubgräber aus aller Welt. Immerhin befanden sich in dem Schatz einzelne Münzen, die damals einen Wert von über 10.000 Mark hatten. Es war ein Goldschatz, der in die Millionen ging. Das hat mich interessiert und ich habe dann einmal recherchiert, habe mit den Findern gesprochen.

Der Buchdeckel des Moselkrimis mit dem Titel 'Inkasso'. Eine Illustration zeigt neben einer Weinflasche und einer Hand den Kopf einer Frau in den Fluten der Mosel treiben. Im Hintergrund ist die Römerbrücke und Teil der Stadtsilhouette zu sehen. (Rechte: Michael Weyand)

Einer von vielen Moselkrimis

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Das waren Hobbygräber, Leute, die offiziell berechtigt waren, solche Grabungen durchzuführen, die ihre Fundstücke allerdings abgeben mussten. Die Hobbyarchäologen hatten sich damals darauf beschränkt, Abraum zu untersuchen, der bei einem Krankenhausneubau entstanden ist und der außerhalb des eigentlichen Baugeländes deponiert war. Sie hatten bei dieser ersten Suche ungefähr 300 wunderschöne Münzen gefunden. Und nun kam einer dieser Männer auf den Gedanken, dass noch ein Hauptschatz existieren und dass sich der auf dem Baugelände befinden müsse. Und da am nächsten Tag der Baubeton in riesigen Mengen ankommen und verarbeitet werden sollte und dass darunter alles auf immer verschwunden wäre, ist der Mann in der Nacht hingegangen und hat einen großen Zehn-Liter-Eimer mit Münzen gesammelt und so für die Nachwelt gerettet. Und das war für mich der Aufhänger. Das war für mich so spektakulär und spannend, dass es einen guten ersten Krimi ergeben hat, nämlich "Akte Mosel". Daraus hat sich dann eine ganze Serie entwickelt und momentan schreibe ich am zehnten Band.

Das Foto zeigt eines der Eingangstore zum römischen Amphitheater in Trier in der Sicht von oben. (Rechte: Michael Weyand)

Recherchefoto des Autors vom Amphitheater

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PW: Neben der Hauptfigur, dem Kriminalkommissar Bock, haben Sie ja noch eine Reihe von anderen Figuren erfunden und entwickelt. Sind diese Menschen typisch für die Moselregion?

M.M.: Ich denke schon, dass es an der Mosel besondere Typen zu finden gibt. Das liegt vor allem daran, dass wir hier eine ganz eigentümliche Mischung von Menschen haben, einen Kulturschmelztiegel sozusagen. Die Region war von den Römern besetzt, in der jüngeren Geschichte waren es die Preußen. Dann ist es ist ein Grenzgebiet. Franzosen, Luxemburger, Belgier, Deutsche, alle hinterlassen hier ihre Spuren. Vielleicht sind die Moselaner daher auch sehr weltoffen. Auch in der Sprache der Region hört man das. Da gibt es viele französische Worte.

Ich musste nicht lange nach den verschiedenen Typen für meine Geschichten suchen, man hat sie ständig vor der Nase. Eigentlich alle, die in den Krimis mitspielen, könnte man hier in der Moselregion finden. Und es gibt viele Leute, die die Krimis lesen und zu wissen glauben, wer für die einzelnen Figuren als Vorlage gedient hat. Da ist zum Beispiel der Hauptermittler, der Polizeikommissar Bock, der so typisch moselanisch lässig daherkommt und auch einen Sinn für Humor hat. Und er hat einen Freund, das ist zwar auch ein Kommissar, aber aus einer ganz anderen Richtung. Das ist nämlich der Kommissar für Reblausbekämpfung. Ein Amt, das tatsächlich noch ausgeübt wird an der Mosel. Es gab ja einmal eine Reblausplage vor ungefähr hundert Jahren, die fast den gesamten Rebenbestand befallen und vernichtet hat. Und daraufhin wurde dieses Amt damals eingerichtet und seitdem auch immer neu besetzt. Das ist ein Lebemensch und dem Wein nicht gerade abgeneigt und passt sehr gut in diese Landschaft.

Eine Baustelle mit Baugrube in der Innenstadt von Trier. (Rechte: Michael Weyand)

Imaginärer Schauplatz eines Verbrechens

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PW: Was ist für Sie das Besondere am Tatort Mosel?

M.M.: Es ist diese bunte Mischung. Es ist die Landschaft mit dem Fluss und den Weinhängen. Es ist die Kombination aus moderner Gegenwart und reicher Geschichte der Region. Die Römer fanden es ja auch ganz interessant hier, sonst hätten sie bestimmt nicht Trier, die älteste Stadt Deutschlands, gegründet und auch nicht so viele Villen hier gebaut. Die Römervillen sind quasi wie an einer Perlenschnur an der Mosel aufgereiht. Es gibt viele Relikte aus der Römerzeit zu bewundern. Allein das gibt ja schon einmal viel her.

Meine Krimis spielen an der gesamten Mosel. Es gibt Schauplätze an der Luxemburger Mosel, und es geht auch bis nach Cochem und bis nach Koblenz. Für eine Erpressungs- und Fluchtszene brauchte ich mehr Raum, da ging es dann auch bis nach Frankreich. Manche Geschichten spielen auch auf der Mosel selbst, da sind die Figuren auf einem Güterschiff unterwegs. Das war in "Endstation Mosel" der Fall. Da ging es um Schmuggel. Einer der Hauptschauplätze ist natürlich Trier, aber das liegt einfach daran, weil ich mich hier am besten auskenne. Außerdem gibt es für die Geschichte, wie ich sie in "Marathon Mosel" erzähle, keinen anderen Schauplatz in ganz Deutschland, an dem diese Geschichte hätte spielen können. Dafür brauchte ich die römische Vergangenheit, aber auch ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Bombenblindgänger spielt da eine wichtige Rolle.

Die Ansicht der Römerbrücke in Trier. In Bögen überspannt sie die Mosel. (Rechte: AKG)

Die Römerbrücke - Fundstelle einer Leiche

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PW: Wie sieht Ihre Recherchearbeit für die Moselkrimis aus?

M.M.: Die Recherche macht mir sehr viel Spaß. Wenn zum Beispiel ein Moselschiff eine wichtige Rolle spielt, muss ich natürlich wissen, wie so ein Ding gesteuert wird, wie es im Führerhaus aussieht, wie ein Radar nachts funktioniert, welche Fehlfunktionen es da geben, was alles passieren kann. In einer Geschichte stößt ein Moselschiffer mit seinem Kahn gegen den Pfeiler einer Moselbrücke. Da habe ich mich dann natürlich mit einem Moselschiffer verabredet, habe ihn auf dem Schiff besucht, ihm bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Ich war sehr erstaunt, wie kompliziert es ist, ein Schiff zu lenken oder einen Anker zu lassen. Man sieht die da schippern und ahnt nicht, wie schwer es ist, durch die enge Römerbrücke in Trier zu manövrieren. Immerhin hat die schon 2000 Jahre überstanden, ohne dass ihr etwas passiert ist.

Ich spüre bei meinen Recherchen auch oft, dass die Leute sehr offen mit ihren Informationen mir gegenüber sind. Sie freuen sich über das Interesse an ihrer Arbeit. Das ist mir besonders aufgefallen, als ich mir einmal die Trierer Unterwelt - das Kanalsystem - anschauen wollte. Als normaler Besucher, als Tourist, bekommt man nur die schönen Fassaden präsentiert. In meinen Büchern kann man aber auch einmal hinter die Kulissen schauen.

Eine Stadtansicht von Trier, von einem der gegenüberliegenden Hügel aufgenommen. Im Vordergrund die Mosel, auf der man Passagierschiffe sieht. Zentrales Bauwerk im Häusermeer ist der Trierer Dom. (Rechte: WDR)

Tatort Trier - hier spielen viele der Moselkrimis

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PW: Welche persönliche Beziehung haben Sie zur Mosel?

M.M.: Ich bin ein Kind der Mosel und bin sehr stolz auf diese Region. Ich freue mich über jeden Touristen, der die Mosel besucht und der begeistert von dem ist, was er hier sieht und erlebt. Mein Großvater sagte einmal, er könne nie irgendwo leben, wo es keinen Fluss gibt. Ich gehe weiter und sage, für mich ist der Fluss wichtig, aber es ist für mich die Kombination mit allen anderen Dingen. Die schöne Landschaft gehört dazu, aber eben auch die interessante Geschichte, die so stark mit den Römern verbunden ist. Ich mag aber auch diese europäische Großregion, in der wir hier leben  und in der die Grenzen verschwimmen. Wir leben hier in einem Dreiländereck, wo Frankreich, Luxemburg und Deutschland aufeinandertreffen. Viele Menschen arbeiten in den jeweils anderen Ländern, überqueren täglich zwischen Wohnort und Arbeitsplatz die Grenze, ohne es eigentlich zu spüren. Das ist sehr schön, dass hier die Grenzen wirklich nur noch auf dem Papier, aber nicht mehr in den Köpfen existieren. Es gibt auch eine gemeinsame Sprache, die die Zeiten überdauert hat, das Moselfränkisch, das grenzübergreifend gesprochen und verstanden wird. Aber trotz vieler Gemeinsamkeiten haben sich manche Eigenarten der Menschen in Luxemburg, Frankreich und Deutschland erhalten. Und das ist auch gut so.

Alfried Schmitz, Stand vom 25.08.2009

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